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Flug QZ8501 : Traurige Gewissheit in Surabaya

Indonesische Rettungskräfte präsentieren am Dienstag bei einer Pressekonferenz die im Meer gefundenen Objekte Bild: AP

Tränen und Verzweiflung bei Angehörigen der Passagiere von Air-Asia-Flug 8501: Die Maschine stürzte ins Meer, es gab wohl keine Überlebenden. Vor Borneo haben Suchmannschaften im Wasser Wrackteile und Tote entdeckt, die sie jetzt auf ein Kriegsschiff bringen.

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          Die Nachricht trifft wie ein Blitzschlag in das Krisenzentrum vom Flughafen Surabaya, an dem sich immer noch viele der Angehörigen der 162 Menschen versammelt haben, die am Sonntag mit Flug QZ8501 über der Javasee verschwunden sind. Auf den sechs Bildschirmen an den Wänden laufen die Bilder aus dem indonesischen Fernsehen, auf denen die Trümmerteile zu sehen sind, die nach indonesischen Angaben von einem Flugzeug stammen könnten. Etwas später werden auch Leichen gezeigt.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Ein indonesisches Marineschiff hat inzwischen die ersten Leichen aus dem Meer geborgen. Nach Auskunft eines Marinesprechers sind die Leichen an Bord des Kriegsschiffs „Bung Tomo“ gebracht worden, die Bergungsarbeiten dauerten an. Die Suchmannschaften hätten zuvor den Umriss eines Flugzeugs am Meeresboden gesichtet. Später bestätigt der Chef der Rettungskräfte, Bambang Sulistyo, dass es sich um das Wrack handelt.

          Bild: F.A.Z.

          Ein junger Mann am Flughafen Surabaya hält sich weinend eine Hand vor das Gesicht, offenbar ein naher Verwandter hat einen Arm um ihn geschlungen. Ein anderer Mann spricht konzentriert in sein Handy. Eine Muslima hält die Hände wie eine offene Schale zum Gebet vor ihren Körper.

          Ein Mann wird später ohnmächtig und auf einer Trage aus dem Raum gebracht. Es handele sich bei den gefundenen Objekten zu 95 Prozent um Wrackteile des vermissten Flugs QZ8501, sagt Bambang Sulistyo, der Chef des indonesischen Rettungsdienstes auf einer Pressekonferenz. Wie es heißt, sollen die Rettungskräfte außerdem einen Schatten im Meer ausgemacht haben. Noch kurz davor hatten die Angehörigen die Hoffnung geäußert, dass es sich womöglich nicht um das vermisste Flugzeug handeln könnte. „Ich hoffe, es ist nicht das Flugzeug. Ich hoffe, es ist irgendwo gelandet und die Passagiere sind noch am Leben“, sagte Dwijanto, der wie viele Indonesier nur einen Namen trägt. Sein 31 Jahre alter Sohn war auf dem Flug der Gesellschaft Indonesia Air Asia.

          Flugzeugabsturz : Ende der Hoffnung für Flug QZ 8501

          Bestätigt worden war ihm zuvor die Sichtung von etwa zehn Wrackteilen des Flugzeugs. Die Passagiermaschine war am Sonntag um 6.18 Uhr Ortszeit auf dem Weg von Surabaya nach Singapur von den Radarschirmen verschwunden, kurz nachdem der Pilot um eine Kurs- und Höhenänderung wegen eines Gewitters gebeten hatte. Doch es scheint nun kein Zweifel mehr zu bestehen, dass das Flugzeug tatsächlich wie vermutet ins Meer gestürzt ist. Damit dürfte wohl auch der letzte Funke an Hoffnung zerstört sein, den die Angehörigen drei Tage nach dem Verschwinden des Flugzeugs noch hatten. Dem Vernehmen nach wurden schon Leichensäcke für die zu bergenden Opfer zurechtgelegt. Das Meer soll an der Fundstelle lediglich 25-30 Meter tief sein, eine Bergung des Wracks dürfte damit nicht allzu kompliziert sein.

          In Surabaya wurden die Angehörigen über eine Videoverbindung von den Rettungsbehörden über den Sachstand informiert. Insgesamt 155 Indonesier waren an Bord, als das Flugzeug auf dem Weg von Surabaya nach Singapur verschwand, hinzu kamen drei Südkoreaner, ein Brite, ein Malaysier, ein Passagier aus Singapur und der französische Co-Pilot. Die ersten Fotos von Gegenständen im Meer, die zunächst veröffentlicht worden waren, waren erst einmal nicht sehr aussagekräftig. Auf einem war ein langer Gegenstand zu sehen, der nach einem rötlichen Holzbalken aussah, außerdem ein dunkler Gegenstand und etwas, das so aussehen könnte wie eine Rettungsweste.

          Doch wie die indonesischen Behörden bestätigten, wurden weitere Objekte gefunden. Es könnte sich dabei auch wie gemeldet um eine Tür des Flugzeugs und eine Notrutsche handeln. Es war die Nachricht, auf die sich die Angehörigen seit Sonntag vorbereitet hatten. Zuvor hatten die Behörden angekündigt, sie am Mittwoch in das Suchgebiet bringen zu wollen. Die Rettungskräfte hatten es nach zwei erfolglosen Tagen am Dienstag von 7 auf 13 Sektoren erweitert. Es hatte damit eine Gesamtgröße von 156.000 Quadratkilometern, eine Fläche größer als Griechenland. Insgesamt waren mehr als 40 Schiffe und 30 Flugzeuge und Hubschrauber im Einsatz. Neben den Kräften aus Indonesien, Malaysia und Singapur unterstützen Australien und Südkorea die Suche. England, Frankreich und China haben ebenfalls Hilfe angeboten. Auf Bitte Indonesiens wird zudem das amerikanische Marineschiff „USS Sampson“ aus dem Westpazifik in die Region geschickt.

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