https://www.faz.net/-gum-2qdp

Afghanistan : Taliban hart gegenüber festgenommenen Christen

  • Aktualisiert am

Machtdemonstration der Taliban Bild: dpa

Die Taliban sehen bislang keinen Grund, von ihrer harten Linie gegenüber den festgenommenen Ausländern abzuweichen.

          2 Min.

          Die afghanische Taliban-Regierung hat Kritik an der Festnahme von 24 Mitarbeitern einer Hilfsorganisation wegen angeblicher Mission für das Christentum zurückgewiesen. „Diese Leute haben unsere Religion und Traditionen schwer beleidigt", sagte der Staatssekretär des Ministeriums zur Förderung der Tugend und Verhinderung der Laster, Mohammad Salim Hakkani, am Dienstag in Kabul zu Reuters.

          Todesstrafe droht

          Die Besorgnis der ausländischen Regierungen sei nicht gerechtfertigt, sagte Hakkani. „Wir haben auch unsere Besorgnisse.“ „Missionstätigkeit für das Christentum kann nach dem in Afghanistan geltenden islamischen Recht mit der Todesstrafe geahndet werden. Alle acht inhaftierten Ausländer seien Mitarbeiter der Hilfsorganisation Shelter Now mit Sitz in Pakistan und Afghanistan, sagte ein Sprecher des deutschen Büros der Organisation. Mit einer gleichnamigen Organisation mit Sitz im US-Bundesstaat Wisconsin habe man nichts zu tun.

          Zuvor hatte die US-Organisation erklärt, man habe zwar ein Büro in Afghanistan, die Inhaftierten arbeiteten jedoch für eine deutsche Einrichtung, die den Namen „Shelter Now International“ ohne Erlaubnis benutze.

          Die deutsche Botschaft in Pakistan hat indessen von den Taliban die Freilassung der Festgenommenen verlangt und will einen Diplomaten nach Kabul schicken.

          Beobachter erwarten Schauprozess

          Neben den Ausländern sind auch 16 Afghanen von der Religionspolizei der radikalislamischen Taliban-Regierung festgenommen worden. Beobachter erwarten, dass die ausländischen Helfer möglicherweise nach einem Schauprozess ausgewiesen werden. Die afghanischen Mitarbeiter könnten dagegen schwer bestraft werden.

          Die Missionierung von Moslems wird unter den strikten Regeln der Scharia in Afghanistan mit der Todesstrafe bedroht. Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin handelt es sich bei den festgenommenen Deutschen um den aus Bayern stammenden Leiter des Kabuler SNI-Büros sowie um drei Frauen aus Niedersachsen.

          Ermittlungen dauern an

          Die afghanische Nachrichtenagentur Bachtar, hatte am Sonntag gemeldet, im Haus der Shelter Now-Mitarbeiter seien Bibeln entdeckt worden. Die evangelikale Organisation betreut seit 16 Jahren Hilfsprojekte in Pakistan für Flüchtlinge aus Afghanistan. Im vergangenen Jahr hatte SNI auch Büros in Afghanistan aufgemacht. Angeblich sollen die SNI-Mitarbeiter versucht haben, 59 afghanische Kinder zum Christentum zu bekehren. Diese Kinder wurden von den Taliban nach deren Angaben in ein Umerziehungsheim gebracht.

          Ein Taliban-Sprecher teilte in Kabul mit, die Ermittlungen dauerten an. In sie würden auch die Büros der Organisation in anderen Orten mit einbezogen. Zwei SNI-Mitarbeiterinnen, eine Amerikanerin und eine Australierin, hätten nach ihrer Festnahme im Haus eines Afghanen bereits gestanden, an Missionierungen beteiligt gewesen zu sein. Sie hätten um Verzeihung gebeten. Sie würden gemäß islamischem Recht behandelt. Über das weitere Verfahren werde nach dem Spruch des Obersten Geistlichen Führers der Taliban entschieden.

          Keine diplomatischen Beziehungen

          Deutschland unterhält zu den Taliban, die 1996 die Regierung gestürzt hatten und seither 90 Prozent des Landes kontrollieren, nur Beziehungen unterhalb der diplomatischen Ebene. Die festgenommenen Ausländer hätten weder für ihre Familien noch für ihre Staaten irgendwelche Mitteilungen zu machen, sagte der Taliban-Sprecher. Sie würden ordentlich versorgt und „sie haben kein Problem", fügte er hinzu.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Einheitliche Regeln : Bundestag stimmt Corona-Notbremse zu

          Ausgangsbeschränkungen ab einer Inzidenz von 100, Schulschließungen ab 165 und einheitliche Regeln für den Einzelhandel: Die „Bundesnotbremse“ ist beschlossen. 8000 Menschen demonstrieren nahe der Abstimmung gegen die Corona-Maßnahmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.