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Afghanistan : Drogenanbau könnte nach Angriffen wieder ansteigen

  • Aktualisiert am

Afghanische Bauern bei der Opium-Ernte Bild: AP

Die Opiumpreise auf dem Weltmarkt gehen langsam nach oben. Händler glauben offenbar, die Taliban hätten den Drogenanbau in Afghanistan weiterhin unter Kontrolle.

          2 Min.

          Die Opiumhändler in Afghanistan spekulieren auf das Schicksal der Taliban. Wie an den richtigen Börsen in aller Welt haben schon Gerüchte und Erwartungen Einfluss auf den Preis. Zurzeit sind die Drogen-Broker eher der Meinung, die Taliban könnten trotz der US-Angriffe an der Macht bleiben. Nach dem 11. September hatten sie nicht mehr viel auf die Taliban gewettet.

          Abzulesen ist all das am Opiumpreis. Vor gut einem Jahr hatte Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar den Anbau von Schlafmohn in Afghanistan verboten. Aus der Frucht der Blume mit den roten Blüten wird Opium hergestellt und daraus Heroin.

          Das größte Drogenanbauland der Welt

          Bis zum vergangenen Jahr war Afghanistan das mit Abstand größte Drogenanbauland der Welt. 4.600 Tonnen Rohopium waren 1999 produziert worden, 3.500 Tonnen im vergangenen Jahr. Dann schaffte es das Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen UNDCP nach jahrelangen Verhandlungen, die Taliban zum Opium-Bann zu überreden.

          „In den von den Taliban kontrollierten Gebieten Afghanistans ist in diesem Jahr kein Schlafmohn angebaut worden“, sagt Bernard Frahi, der UNDCP-Vertreter in Islamabad. Der Preis für Kilogramm Opium schoss deshalb auf 600 Dollar (670 Euro / 1.300 Mark) hoch.
          Als nach den Anschlägen von New York und Washington klar wurde, dass es einen US-Militärschlag gegen Afghanistan geben würde, fiel der Preis auf 180 Dollar.

          Ende des Schlafmohnverbotes?

          Nicht weil plötzlich mehr Opium auf den Markt kam. Sondern nur, weil die Händler glaubten, die Angriffe würden zum Sturz der Taliban und damit zum Ende des Schlafmohnverbots führen. Das hätte dann im nächsten Jahr das Angebot erhöht.

          Mittlerweile geht der Preis wieder langsam nach oben, ein Zeichen dafür, dass die Händler glauben, die Taliban hätten weiterhin alles unter Kontrolle. Frahi beobachtet all das mit Sorge. Seine Leute in Afghanistan berichten ihm, dass Bauern schon wieder anfangen, Mohn auszusäen, und zwar dort, wo in diesem Jahr Getreide wuchs.

          Frahi muss im Moment mit vielen Ungewissheiten leben. Es ist nicht klar, ob die Taliban nicht doch noch stürzen. Falls sie an der Macht bleiben, ist nicht klar, ob sie das Anbauverbot auch im nächsten Jahr durchsetzen. „In einer Kriegssituation wollen sie möglicherweise nicht die Bauern gegen sich aufbringen“, meint Frahi.

          Nordallianz wird weiter Opium produzieren

          Falls die Taliban abgelöst werden, ist nicht klar, wie die neuen Machthaber mit dem Drogenanbau umgehen. In den Gebieten der Nordallianz, die zehn Prozent Afghanistans beherrscht, wurde weiter Opium produziert und wahrscheinlich nach Tadschikistan geschmuggelt.

          Frahi hofft, dass es nach dem totalen Anbaustopp im Taliban-Gebiet nun keinen Rückfall gibt. „Ein oder zwei Erntezyklen würden schon genügen, um die alten Strukturen wieder erstehen zu lassen“, warnt er. In diesen Strukturen borgten sich die Bauern Geld bei den Opiumhändlern und zahlten die Kredite später mit der Ernte zurück.

          UN will Handel mit Opium stoppen

          Die Vereinten Nationen haben sich inzwischen dem Drogenproblem in Afghanistan angenommen und sich mit den Nachbarländern auf eine verstärkte Zusammenarbeit im Kampf gegen den Drogenhandel geeinigt. Insgesamt 17 westliche Geberländer und neun Staaten aus der Region haben ihre Bereitschaft bekräftigt, den von den Taliban geförderten Handel mit Opium und Heroin zu stoppen.

          An dem UNDCP-Treffen in Wien hatten Vertreter aus Pakistan, China, Iran, Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenien, Kasachstan und Kirgisien teilgenommen.

          Bei einigen der Länder sind allerdings Zweifel angebracht, ob sie es mit der ablehnenden Haltung gegenüber dem Drogenhandel Ernst meinen. Vor allem die afghanischen Nachbarländer Tadschikistan und Turkmenistan sind nach Auffassung von internationalen Beobachtern in die Drogenwege zwischen Afghanistan und den Märkten in Europa eingebunden.

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