https://www.faz.net/-gum-8f86v

AfD-Vorsitzende : Interview mit Frauke Petry wird zum Netzhit

„Ich habe versucht, eine direkte Antwort aus Ihnen herauszubekommen, aber es ist mir nicht gelungen.“ Tim Sebastian im Interview mit Frauke Petry. Bild: Screenshot Conflict Zone/Deutsche Welle

Der englische Journalist Tim Sebastian hat Frauke Petry interviewt. Und sie zum Stottern gebracht. Was nicht an ihrem Englisch lag, sondern an seinen unermüdlichen Nachfragen.

          2 Min.

          Ein Interview mit Frauke Petry hat in den sozialen Medien für Begeisterung gesorgt. Geführt hat es der englische Journalist Tim Sebastian für die Deutsche-Welle-Sendung „Conflict Zone“, und er ist extra dafür nach Leipzig gereist. 26 Minuten lang stellt Sebastian der AfD-Vorsitzenden beharrlich Nachfrage um Nachfrage. Der renommierte Journalist, der auch schon Bill Clinton und Michail Gorbatschow interviewte, lässt sich dabei nicht mit ausweichenden Antworten abspeisen und reagiert gelassen auf Petrys zunehmende Gereiztheit.

          Leonie Feuerbach
          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Bei Twitter und Facebook wurde das Interview in den vergangenen Tagen tausendfach angeklickt und geteilt. „Sollte man sich ansehen – verräterisches Interview mit der ,Lügenpresse'“, schreibt etwa der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Ralf Stegner bei Twitter. Die Aktivistin Anne Roth twittert: „So wie sich alle über das Petry-Interview freuen, könnten vielleicht einfach mehr solche gemacht werden. Statt der Angststarre in Talkshows.“

          „Ganz großes Kino“

          Und Katharina Nocun, Bloggerin und ehemals Geschäftsführerin der Piratenpartei, schreibt: „Tim Sebastian hat Frauke Petry in seiner einmaligen Hartnäckigkeit befragt und dabei ganz einzigartige Statements eingefangen. Seine Taktik: Einfach so lange fragen, bis man eine echte Antwort auf die Frage bekommt. Ganz großes Kino.“

          Bild: Screenshot Facebook/Extra 3

          Die NDR-Satiresendung „Extra 3“ macht sich darüber lustig, wie Petry immer wieder behauptet, bestimmte Dinge nicht so gemeint oder gesagt zu haben: In einer auf einen Screenshot vom Interview montierten Sprechblase distanziert sie sich von ihrem eigenen Namen.

          Isa Lange, Sprecherin der Universität Hildesheim, zeichnete Sebastian und twittert dazu einfach bloß: „asking questions“. Fragen stellen kann Tim Sebastian tatsächlich gut. Wenn Petry sagt, sie habe zwar gefordert, an der Grenze zu schießen, aber nicht, auf Flüchtlinge zu schießen, bohrt er konsequent nach: „Sie haben aber nicht gefordert, in die Luft zu schießen, oder?“

          „Das ist, was eine freie Presse tut“

          Petry weicht weiter aus, was Sebastian zu der Feststellung bringt: „Ich habe versucht, eine direkte Antwort aus Ihnen herauszubekommen, aber es ist mir nicht gelungen.“ Als Petry sich zunehmend in die Ecke gedrängt fühlt und klagt, Sebastian solle nicht weiter auf diesem Zitat herumreiten, sondern sie fragen, wie die AfD Deutschland und Europa verändern wolle, antwortet er mit dem bezeichnenden Satz: „Ich werde die Fragen stellen, die ich stellen möchte, denn das ist, was eine freie Presse tut.“

          Im weiteren Verlauf des Interviews zitiert er mehrmals aus dem geleakten vorläufigen Parteiprogramm der AfD, in dem etwa gefordert wird, Beschneidungen zu verbieten. „Warum ist eine politische Partei so interessiert am männlichen Penis?“, will Sebastian wissen. Nicht nur hier kommt Petry ins Stottern, obwohl sie fließend Englisch spricht.

          Auch auf die Frage, ob die deutsche Kultur so verletzlich sei, dass sie durch Menschen mit anderen Religionen und Kleidervorschriften bedroht sei, weiß sie keine wirkliche Antwort und erklärt stattdessen, sich in Frankreich ja auch an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten. „Wir sprechen hier nicht von Geschwindigkeitsbegrenzungen, sondern davon, eine Kultur zu unterdrücken, um eine andere zu stärken“, erwidert Sebastian. Als das Interview vorbei ist, geht Petry, ohne ihm die Hand zu geben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Belgien, Brüssel: Angela Merkel, Bundeskanzlerin von Deutschland, spricht beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs mit Journalisten.

          Treffen in Brüssel : Merkel kann Idee von EU-Russland-Gipfel nicht durchsetzen

          Die 27 Staats- und Regierungschefs der EU haben sich nicht das von Deutschland und Frankreich vorgeschlagenen Treffen mit Russland einigen können. Mit Ungarn jedoch habe man ob seiner homophoben Gesetze „kontrovers und sehr ehrlich“ gesprochen, so Kanzlerin Merkel.
          Die HMS Defender bei ihrer Ankunft im Hafen von Odessa am 18. Juni

          Vorfall im Schwarzen Meer : Wollte die Royal Navy Russland provozieren?

          In Großbritannien verstärkt sich der Eindruck, dass die Royal Navy im Schwarzen Meer ein Zeichen setzen wollte. Moskau droht für Wiederholungen mit Bombenangriffen „nicht einfach in den Kurs, sondern auf das Ziel“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.