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Ärger um Zidane-Skulptur : Vor den Kopf gestoßen

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Riesenkopfstoß: Zidane attackiert Materazzi jetzt am Strand von Doha Bild: AFP

Zinedine Zidane rammt Marco Materazzi den Kopf in die Brust: Eine frisch angekaufte Statue verursacht in Qatar großen Ärger. Die Gründe für die Kritik an „Coup de Tête“ aber sind andere als zuvor in Paris.

          Es war eine emblematische Szene der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland: Zinedine Zidane, Frankreichs großes Fußballidol, rammt Marco Materazzi im Finale den Kopf in die Brust, nachdem der ihn beleidigt hat. Zidane sieht rot und tritt unrühmlich von der Fußballbühne ab.

          Der algerische Künstler Adel Abdessemed hat die Szene in einer Bronzestatue mit dem Titel „Coup de Tête“ (Kopfstoß) verewigt. Die monumentale Skulptur wurde zum ersten Mal 2012 vor dem Centre Pompidou in Paris ausgestellt – und rief eine öffentliche Kontroverse hervor. Der Kurator der Ausstellung, Philippe-Alain Michaud, sagte, das Kunstwerk sei „eine Ode an die Niederlage“. Die Präsidenten der Liga-Vereine kritisierten, die Statue beschädige Zidanes Ruf als großer Fußballer.

          In der vorvergangenen Woche nun wurde die fünf Meter hohe Skulptur in Doha aufgestellt, der Hauptstadt des Emirats Qatar, wo 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden soll. Die staatliche Qatar Museum Authoriy (QMA) hat die Zidane-Materazzi-Statue für eine unbekannte Summe erworben. Die Kulisse am neuen Standort ist zwar eine andere. Aber die öffentliche Kontroverse bleibt auch mit Palmen, Sand und Meer.

          Von gläubigen Muslimen gar nicht gern gesehen

          „Wer ist dieser Zidane, der mit solch einer Statue gewürdigt wird?“, fragt ein Twitter-User namens Maryam Almohnadi. „Was hat er, bitte, für Qatar geleistet?! Muss denn gleich jeder auf Kosten der Religion und des Glaubens so geehrt werden?“ Bei gläubigen Muslimen ist die Skulptur nicht gern gesehen. Abbilder von Menschen oder Tieren gelten im Islam als Götzen. Auf Twitter fielen die Reaktionen denn auch heftig aus. Einige Nutzer fordern, von moralischem Furor ergriffen, ein islamisches Rechtsgutachten: „Wir wollen eine Fatwa vom Ministerium für Stiftungsangelegenheiten für die Statue!“, schreibt etwa @malyahri. „Statuen sind im Islam nicht akzeptabel, und Zidanes Aktion war nicht ethisch.“

          Andererseits: Auch in muslimischen Ländern werden politische Führer oder Staatsgründer auf Münzen oder Briefmarken verewigt, ihre Porträts prangen an Straßen und Plätzen. Unter dem arabischen Hashtag „Zidanes Statue an der Corniche“ wird jedenfalls weiter diskutiert. „Saulustig“, befindet Amr M Hussein. Andere äußern sich gleichgültig. „Ehrlich gesagt, sehe ich nicht, warum Zidane wichtig sein soll“, schreibt Mohammed Al-Jufairi. Einige fordern vehement den Abbau der Installation.

          Jean Paul Engelen, der Direktor für Öffentliche Kunst der QMA, zeigt sich unbeeindruckt. Er glaubt, dass die Statue der Stadt noch viel Aufmerksamkeit eintragen wird. Der „Doha News“ sagte er: „Wir nehmen an, dass noch eine Menge Fotos davon gemacht werden. Das ist doch auch ein beeindruckendes Stück, wie eine Figur aus der griechischen Mythologie. Sie zeigt, dass Fußballer, obwohl wir sie manchmal so behandeln, eben doch keine Götter sind, sondern nur Menschen.“

          Auf kunstferneren Gebieten wird der Mensch in Qatar nicht so sehr in den Mittelpunkt des Interesses gestellt, wenn man den jüngsten Berichten über die Wanderarbeiter Glauben schenkt, die auf den Baustellen der Spielstätten für die Fußball-WM 2022 ums Leben kamen. Dieses Thema wird totgeschwiegen in Qatar. Das Emirat will sich der Fußball-Welt als kunstbeflissenes Land präsentieren, das mehr als Wüste und Shopping Malls zu bieten hat. Neben dem „Coup de Tête“ werden im QMA-Programm noch 14 weitere Skulpturen enthüllt, unter anderen „The Miraculous Journey“ von Damien Hirst. Ob das nach dem Geschmack der Qataris ist, wird sich zeigen. Immerhin: Das Emirat erlebt zurzeit eine echte kulturpolitische Kontroverse – dem Fußball sei Dank.

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