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Todeszelle in Italien : Willkommen im Kerker

  • -Aktualisiert am

Der älteste Todeskerker der Welt in Rom steht wieder für Besucher offen. Bild: AP

Der älteste Todeskerker der Welt in Rom ist wieder für Besucher geöffnet. Es ist ein grausiger Ort: Historiker sprechen von „widerwärtigen und schrecklichen“ Eindrücken.

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          Es ist den Päpsten zu danken und einem besonderen Häftling, der diesen Raum aber wohl nie sah, dass sich in Rom bis heute die wohl trostloseste und älteste Todeszelle der Welt erhalten hat. Der „Mamertinische Kerker“, das antike Staatsgefängnis der Römer, in dem Petrus auf die Hinrichtung gewartet haben soll, ist wieder für Touristen zugänglich. Hier soll der Apostel vor seinem Tod noch die Wächter zum Glauben an Jesus geführt und getauft haben - darum wurde der Raum später von der Kirche gehegt. Zunächst erinnerten im Geschoss über der Todeszelle mittelalterliche Fresken an Petrus, später eine Kapelle. Heute prangt darüber eine barocke Kirche, die dem Heiligen Josef als dem Schutzpatron der Schreiner geweiht ist.

          Das antike Rom kannte nur wenige Gefängnisse. Die Festgenommenen saßen nämlich nur bis zur Verurteilung im Kerker. Haftstrafen gab es nicht. In der Regel wurden Schuldige mit Geldbußen belegt, manche wurden geächtet, verloren ihr Vermögen oder ihr Bürgerrecht, sie wurden verbannt oder grausam wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen. Staatsgefangene warf der Senat bis zur Vollstreckung des Urteils durch Köpfen oder Erhängen in diese Todeszelle.

          Todeszelle für wichtige Staatsfeinde

          Der „Mamertinische Kerker“, dessen Name an seinen Erbauer, König Anco Marzio aus dem siebten Jahrhundert vor Christus erinnern soll, war wohl für besonders wichtige Staatsfeinde vorgesehen. Er liegt am Rande des Forums, nicht weit von der Triumphstraße, auf der die siegreichen Feldherren ihre unterlegenen Feinde zur Schau stellten, um sie dann zur Hinrichtung freizugeben. So ging es nach dem Geschichtsschreiber Plutarch dem römischen Vasallenkönig Jugurtha aus dem heutigen Algerien und Tunesien, der gegen Rom einen Aufstand versucht hatte und nach zunächst mehreren Erfolgen 105 vor Christus unterlag. 46 vor Christus landete der gallisch-keltische Heerführer Vercingetorix in der Todeszelle, der gegen Caesar verloren hatte und erdrosselt wurde.

          Zunächst aber war auch er von dem oberen Raum (heute mit den Fresken) durch das enge runde Loch in die Tiefe „geworfen“ worden: in ein kreisrundes Gelass, in das kein Licht eindringen kann. Hier ist es stickig und feucht. Auf dem Steinboden stakst ein kleiner Krebs. An Spinnweben hängen Tropfen. Jugurtha bewies Galgenhumor, als er zu den Wächtern sagte: „Bei Jupiter, was habt ihr Römer für ungemütliche Bäder.“

          „Widerwärtig und schrecklich“

          Vom römischen Historiker und Politiker Sallust stammt die bis heute nachvollziehbare Beschreibung der Zelle, in die sein Zeitgenosse Lentulus geworfen wurde, einer der Mitverschwörer um Catilina, der 63 vor Christus die Republik stürzen wollte: Der Raum „ist ungefähr vier Meter in die Tiefe hinunter ausgeschlachtet; ihn sichern ringsum Mauern; nach oben ist er durch ein steinernes Gewölbe abgedeckt. Durch seinen verwahrlosten Zustand, die Dunkelheit und den Gestank ist der Eindruck widerwärtig und schrecklich.“

          Hier hinein sei Lentulus hinabgelassen und im Auftrag des Senats erdrosselt worden. Der alte Sitz des Senats, die Kurie, liegt nur ein paar Schritte von diesem grauenvollen Kerker entfernt. Ihn aber kann man derzeit nicht besichtigen.

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