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Adam von Trott zu Solz : Außenpolitischer Berater des Widerstands

  • -Aktualisiert am

Zeitzeugin: Clarita von Trott zu Solz Bild: F.A.Z

Dem Andenken an Adam von Trott zu Solz hat seine Witwe Clarita ihr Leben gewidmet. Der junge Diplomat, Mitglied des „Kreisauer Kreises“ hatte in den 30er Jahren die Unterstützung Großbritanniens gesucht.

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          Am 19. Juni 1944 - dreizehn Tage nach der alliierten Landung in der Normandie, zwei Tage vor dem Beginn der sowjetischen Großoffensive im Frontgebiet der Heeresgruppe Mitte - reist Legationsrat Adam von Trott zu Solz noch einmal nach Stockholm. Seit Sommer 1939 hat der fünfunddreißigjährige Diplomat - getarnt durch offizielle Aufträge des Auswärtigen Amts und seine dienstlichen Funktionen - immer wieder solche Missionen unternommen. Ihr Ziel besteht darin, Verständnis und Unterstützung des Auslands zu gewinnen in Form von Zusagen an eine Nach-Hitler-Regierung.

          Dabei erscheint seit der am 24. Januar 1943 vom amerikanischen Präsidenten Roosevelt und vom britischen Premierminister Churchill in Casablanca verkündeten Formel von der "bedingungslosen Kapitulation" der Achsenmächte die Aussicht auf einen Kompromißfrieden mit Deutschland ausgeschlossen.

          Attentat auf Hitler befürwortet

          Trott zählt übrigens wie der ehemalige sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Julius Leber und der evangelische Kirchenmann Eugen Gerstenmaier zu der kleinen Minderheit im "Kreisauer Kreis", die ein Attentat auf Hitler befürworten. Daß dieses nun unmittelbar bevorstehe, deutet Trott am 24. Juni Willy Brandt an, der ein norwegisch-schwedisches Pressebüro leitet und die Mitteilung des Berliner Emissärs "aufregend neu" findet. Der Emigrant, der sich den Berliner Verschwörern für besondere Aufgaben in Skandinavien zur Verfügung stellt, versucht auch, auf Lebers Bitte ein Geheimtreffen des Legationsrats mit der sowjetischen Gesandtin Alexandra Kollontai zu vermitteln.

          Von dem an der britischen Gesandtschaft tätigen Geheimdienstoffizier David McEwan erfährt der deutsche Diplomat, daß die Anti-Hitler-Koalition keineswegs von der "bedingungslosen Kapitulation" abrücken wolle. So verfaßt Trott ein weiteres Memorandum an die britische Adresse, der er sich seit seinen diversen Aufenthalten in England und seinem Studium in Oxford Anfang der dreißiger Jahre besonders verbunden fühlt. Er zeigt sich in dem Schriftstück empört darüber, daß keine verbindlichen Prinzipien der Alliierten für Deutschland bestehen und deshalb unter den Deutschen die Furcht weit verbreitet sei, von einer gesetzlosen Tyrannei in eine andere zu fallen.

          Kehrte wegen der Familie nach Deutschland zurück

          Als Trott nach einigen Tagen Brandt ein zweites Mal besucht, verzichtet er auf den Kontakt zu Madame Kollontai, weil er vermutet, "daß es bei den Sowjets in Stockholm eine undichte Stelle gebe". Inga Kempe, einer schwedischen Vertrauten, gesteht er in jenen Tagen, daß er sich wie "mindestens 60" fühle, "und ich werde nie wieder jünger sein. - Ich habe getan, was ich vermutlich in meinem Leben zu tun hatte, was immer man von mir verlangte. Und ich bin zum Sterben bereit, aber ein paar Dinge sind noch zu tun." Den Rat, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren, schlägt er aus, wegen seiner Ehefrau Clarita und der beiden kleinen Töchter.

          Am 3. Juli 1944 fliegt Trott nach Berlin zurück, wieder ohne die erhofften Zusagen für das "andere Deutschland". Zwei Tage später werden die Sozialdemokraten Julius Leber und Adolf Reichwein verhaftet. Als Trott darüber Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dem Chef des Stabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres, berichtet, meint dieser: "Wir brauchen Leber! Ich hole ihn heraus. Ich hole ihn heraus."

          Auf den Versuch komme es an

          Am Abend des 16. Juli ist Trott dann in der Tristanstraße in Berlin und nimmt teil an jener letzten großen konspirativen Besprechung vor dem Attentat. Anwesend sind neben den Brüder Claus und Berthold Stauffenberg auch deren Vettern Caesar von Hofacker und Peter Graf Yorck von Wartenburg, dann Oberst Georg Hansen, Oberst Ritter Merz von Quirnheim, Ulrich Graf Schwerin von Schwanfeld und Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg. Jetzt vertritt der außenpolitische Berater die Auffassung, daß die "Feindseite" verhandlungsbereit sei, sobald dafür die Voraussetzung, nämlich die Beseitigung des nationalsozialistischen Regimes, geschaffen werde.

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