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Germanwings-Absturz : Zahl der toten Deutschen nach unten korrigiert

  • Aktualisiert am

Ein Foto des französischen Innenministeriums zeigt die Bergungsarbeiten von Arbeitern in den südfranzösischen Alpen. Bild: dpa

Das Auswärtige Amt korrigiert die Zahl der deutschen Opfer des abgestürzten Fluges 4U 9525 von 75 auf 72. Lufthansa-Chef Spohr ist abermals an die Absturzstelle gereist. Er macht den Angehörigen der Opfer ein Versprechen.

          Der Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa hat den Angehörigen der Opfer des Absturzes in den Alpen langfristige Hilfe versprochen. „Wir helfen nicht nur diese Woche. Wir möchten solange helfen, wie Hilfe benötigt wird“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei einem abermaligen Besuch mit Germanwings-Chef Thomas Winkelmann an der Unglücksstelle in den französischen Alpen. Im besonders betroffenen westfälischen Haltern fand am Mittwochabend ein öffentlicher Gedenkgottesdienst statt. Unter den 150 Toten des Unglücks waren nach jüngsten Angaben 72 statt 75 Deutsche.

          Das Auswärtige Amt begründete am Mittwoch die Korrektur der Zahl damit, dass es zunächst noch Unklarheiten bei den Passagieren mit doppelter Staatsangehörigkeit gegeben habe.

          Am Unglücksort trafen auch zwei Bundeswehr-Hubschrauber ein. Sie sollen sich ab Donnerstag an den Bergungsarbeiten beteiligen. Die Besatzungen bestehen aus je drei Soldaten. Zusätzlich sind drei Wartungskräfte dabei. Frankreich hatte um die Hilfe der Bundeswehr gebeten.

          Auch ein Ermittlerteam aus Düsseldorf kam an der Absturzstelle an. Mit den vier deutschen Polizisten flogen die vier französischen Ermittler, die die Arbeit in Düsseldorf bisher unterstützten. Zum deutschen Team gehört ein Spezialist des Landeskriminalamts für lasergestützte Tatortvermessung und digitale Spurenkarten.

          An der Absturzstelle wurden derweil weiter persönliche Gegenstände der Toten gesichert. Die Bergung der Opfer war nach Angaben der Gendarmerie am Dienstag abgeschlossen worden. Außerdem ging die Suche nach dem Flugdatenschreiber weiter.

          Etwa 500 Menschen kamen nach einer Schätzung der Polizei zum Gedenken in der Halterner St.-Sixtus-Kirche zusammen. „Jeder in der Stadt kennt jemanden, der betroffen ist“, sagte der katholische Pfarrer Martin Ahls während des ökumenischen Gottesdienstes. Erwartungsgemäß waren sehr viel mehr Menschen gekommen, als die Kirche fassen konnte. Predigt, Redebeiträge und klassische Musik wurden deswegen über Lautsprecher auf den Marktplatz übertragen, wo Hunderte Menschen Graupelschauern und Sturmböen trotzten.

          Unter den Opfern der Tragödie sind 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des Halterner Gymnasiums. Bereits am Freitag waren Bundespräsident Joachim Gauck und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei einem Gedenkgottesdienst gewesen. Im Kölner Dom ist für den 17. April ein weiterer Gedenkgottesdienst für die Opfer geplant.

          In Le Vernet nahe dem Absturzort drückte Lufthansa-Chef Spohr abermals sein tiefes Bedauern über die Katastrophe aus und sagte: „Nichts wird mehr sein wie vorher.“ Mit Blick auf die Hilfe vor Ort zeigte sich der Konzernchef zugleich „tief beeindruckt von der Professionalität, der Energie, dem Mitgefühl und der Sympathie“.

          Lufthansa-Chef Carsten Spohr (links) und Germanwings-Chef Thomas Winkelmann legen einen Kranz am Gedenkstein nieder. Bilderstrecke

          Auch Helfern und Anwohnern sagte er Hilfe der Lufthansa zu, die Folgen des Absturzes in der vergangenen Woche zu bewältigen. Auf Fragen gingen Spohr und Winkelmann nicht ein. Anschließend trafen sie in Marseille noch mit Angehörigen von Opfern zusammen.

          Der Airbus war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einer Felswand in Südfrankreich zerschellt. Der 27 Jahre alte Copilot Andreas Lubitz wird verdächtigt, seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit Absicht in die Katastrophe gesteuert zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war er vor Jahren suizidgefährdet. Für den Unglückstag war er krankgeschrieben.

          Am Dienstagabend hatte die Lufthansa mitgeteilt, Lubitz habe die Lufthansa schon während seiner Ausbildung über eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ informiert. In einer E-Mail habe der damalige Flugschüler 2009 die Verkehrsfliegerschule in Bremen unterrichtet. „Die Unterlagen wurden erneut durchgesehen inklusive der E-Mails“, erläuterte eine Lufthansa-Sprecherin in Frankfurt. Die „neue Erkenntnis“ sei vom Unternehmen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Bereits bekannt war, dass der Copilot des Germanwings-Flugs 4U9525 seine Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule mehrere Monate unterbrochen hatte.

          Marseiller Staatsanwalt fordert mutmaßliches Absturzvideo

          Das Bundesverkehrsministerium will vor Entscheidungen über mögliche Konsequenzen für die Pilotenauswahl die weiteren Ermittlungen abwarten. Die bestehenden Anforderungen an die Flugtauglichkeit von Piloten bei Bewerbungen und den jährlichen Überprüfungen seien hoch, sagte eine Sprecherin. Die Erkenntnisse seien in Ruhe auszuwerten, um dann möglicherweise Schlüsse aus den Ergebnissen zu ziehen.

          Zu Berichten über einen angeblichen Mitschnitt des Unglücks aus dem Inneren der Maschine sagte der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin Nachrichtenagentur AFP, Videos seien bislang nicht Gegenstand der Untersuchung. Für den Fall, dass jemand über ein Video verfüge, solle dies unverzüglich an die Ermittler übergeben werden.

          Bereits am Dienstagabend hatte Robin der Deutschen Presse-Agentur gesagt, er wisse nichts von einem Video-Fund. Es seien eine Reihe von Handys gefunden worden, die noch ausgewertet würden. Sie seien aufgrund des Aufpralls aber in einem sehr schlechten Zustand.

          Ein Video aus der Germanwings-Unglücksmaschine soll Medienberichten zufolge Bilder aus den letzten Sekunden des Flugs 4U 9525 zeigen. „Bild“ und das französische Magazin „Paris Match“ berichteten, Mitarbeiter hätten die Sequenz ansehen können. Das Video sei am Unglücksort von einer Person gefunden worden, die zum Kreis der Ermittler gehöre. Der Zeitung zufolge ist die Szenerie an Bord chaotisch und völlig verwackelt, einzelne Personen seien nicht identifizierbar. Die Echtheit des Videos sei unzweifelhaft.

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