https://www.faz.net/-gum-81qik

Germanwings-Absturz : Der unbekannte Kopilot

Kopilot Andreas Lubitz, hier während eines Aufenthalts in San Francisco. Die Aufnahme stammt aus dem sozialen Netzwerk Facebook. Bild: AP/Facebook

Einzelne Sätze und verstreute Fakten – mehr ist auch gut eine Woche nach der Germanwings-Katastrophe nicht über den Kopiloten Andreas Lubitz bekannt. Es sind Puzzlestücke, die nun zusammengesetzt werden, in der Hoffnung, dass man am Ende ein Bild erkennt.

          4 Min.

          An die Zeit in Goodyear erinnern sich Lufthansa-Piloten gerne. Der Campus in der Nähe von Phoenix im amerikanischen Bundesstaat Arizona liegt am Fuß der roten Estrella-Berge, über die sich schon um fünf Uhr morgens die Strahlen der Sonne schieben. In vielen Zimmern brennt dann schon Licht. Bett, Tisch, Regal, Kleiderschrank – mehr passt nicht in die engen Stuben, aber die sind ohnehin nur zum Lernen und Schlafen da. Das Bad ist auf dem Gang. Die Klimaanlage läuft rund um die Uhr.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Die Lufthansa verwöhnt ihre Flugschüler während der vier Monate in Goodyear nicht allzu sehr, trotzdem genießen die angehenden Piloten diese Zeit. Denn hier geht es nur ums Fliegen, um nichts Anderes. Unter den Pilotenschülern kreisen dort legendäre Sätze vom Fliegen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden: Ein Flugzeug fliegt man mit Bauchgefühl und seinem Hintern. Ein anderer Satz: Piloten sind eigentlich langweilige Menschen, sie gehen wenige Risiken ein. Sie sind allenfalls überdurchschnittlich durchschnittlich begabt.

          Nach allem, was man bisher weiß, trifft diese Beschreibung auch auf Andreas Lubitz zu. Nach einer ersten Theoriephase an der Pilotenschule in Bremen ging er nach Goodyear. Laut dem „Stern“ soll er, als er mal wieder zu Hause in Montabaur war, einem Segelflugkameraden begeistert von seiner Zeit in der Wüste erzählt haben. Peter Rücker, Werkstattmeister beim Segelflug-Verein LSC Westerwald, der den jungen Mann schon lange kannte, sagt demnach über den Besuch: „Ich habe mir gedacht: Der ist gut drauf.“ Ein Bekannter von ihm schreibt, dass er „ein fröhlicher Mensch“ gewesen sei. Wenn auch „etwas schüchtern zurückhaltend“.

          Einzelne Sätze und verstreute Fakten

          Viel mehr als solche einzelnen Sätze und verstreuten Fakten sind aus dem Leben des Mannes, der vor gut einer Woche vermutlich absichtlich ein Germanwings-Flugzeug mit 149 Personen gegen eine Felswand in den französischen Alpen steuerte, bisher nicht bekannt. Es sind Puzzlestücke, die nun zusammengesetzt werden, in der Hoffnung, dass man am Ende ein Bild erkennt.

          Schon zu Grundschulzeiten soll Andreas Lubitz den Traum gehabt haben, später einmal Pilot zu werden. Er kam aus einem bürgerlichen Elternhaus, der Vater arbeitete als Ingenieur, die Mutter spielt Orgel in der evangelischen Gemeinde. Mit 14 Jahren begann er mit der Segelfliegerei in seiner rheinland-pfälzischen Heimat. Er soll kein herausragend talentierter Pilot gewesen sein, erinnern sich Bekannte. Aber er soll immer solide geflogen sein. Eben überdurchschnittlich durchschnittlich.

          Seine Bewerbung an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa war dann nur der nächste logische Schritt. Seit 1955 haben bei der Lufthansa etwa 10000 Männer und einige Frauen die zweijährige Ausbildung zum Piloten absolviert. Die Lufthansa gehört damit zu den wenigen Fluggesellschaften, die ihr Personal fürs Cockpit noch selbst rekrutiert, viele andere Unternehmen greifen auf die Absolventen privater Flugschulen zurück. Die Theorie wird in Bremen gepaukt, für den praktischen Teil geht es wegen des guten Wetters nach Arizona. Nur an zehn Tagen im Jahr kann dort nicht geflogen werden.

          Topmeldungen

          Suzanna Randall: Eine von zwei Kandidatinnen für den Flug zur Internationalen Raumstation ISS

          Nach erstem Frauenduo auf ISS : Wie männlich ist der Weltraum?

          Die Nasa fremdelte lange mit der weiblichen Biologie. So vermuteten Ingenieure, weiblicher Urin sei schleimbasiert und könne im All Leitungen verstopfen. Raumanzüge in der richtigen Größe sind heute noch ein Problem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.