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Germanwings-Absturz : Der unbekannte Kopilot

Lubitz zog voller Vorfreude nach Bremen

Mit diesen Aussichten ging er in den mehrstufigen und sehr schwierigen Auswahltest. Lubitz bestand und zog nach Bremen, voller Vorfreude. Dabei soll er schon zu diesem Zeitpunkt psychisch labil, womöglich depressiv gewesen sein. Wie die Lufthansa am Dienstag mitteilte, musste der Mann die Schulung mehrfach wegen Depressionen unterbrechen. Noch vor Erlangen seiner Fluglizenz musste er sich einer psychiatrischen Behandlung unterziehen, wie die ermittelnde Düsseldorfer Staatsanwaltschaft mitteilte. Bei der Behandlung sei auch eine Selbstmordgefährdung festgestellt worden. Wie die Lufthansa nun bestätigt, hat ihr Flugschüler über seine depressive Phase Auskunft gegeben: Als er 2009 wieder seine Ausbildung aufnahm, schrieb er seinem Arbeitgeber in einer Mail, dass eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ diagnostiziert worden sei – das habe man erst jetzt entdeckt, teilte die Lufthansa mit, nachdem man die Unterlagen und Mails noch einmal durchgesehen habe.

In seinem Tauglichkeitszeugnis und seiner Pilotenlizenz wurde dementsprechend der Vermerk „SIC“ eingetragen („specific regular medical examination“ – „besondere regelmäßige medizinische Untersuchung“). Über die Art der Krankheit gibt der Vermerk keine Auskunft. In den vergangenen Jahren konsultierte er weitere Ärzte, ohne dass ihm aber eine Suizidalität oder Fremdaggressivität bescheinigt wurde.

Dass der Kopilot, der seit 2013 bei der Lufthansa-Tochter Germanwings angestellt war, auch in jüngster Zeit unter psychischen Problemen litt, legen die Psychopharmaka nahe, die Ermittler bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden. Auch zerrissene Krankschreibungen fanden sie – auch für den Tag der Tat.

Freundin wusste wohl von psychischen Problemen

Am Mittwoch berichtete „Bild“, dass seine Lebensgefährtin, eine Lehrerin, mit der er in Düsseldorf angeblich zusammenlebte, von den psychischen Problemen ihres Partners gewusst habe. Sie dachte aber wohl, dass er sich auf dem Weg der Besserung befinde. Ein nicht namentlich genannter Beamter einer europäischen Regierung sagte gegenüber dem Fernsehsender CNN, dass das Paar „optimistisch“ gewesen sei, die gesundheitlichen Schwierigkeiten gemeinsam bewältigen zu können. „Bild“ will erfahren haben, dass der Kopilot bei einem seiner letzten Arztbesuche am 16. März bei einem Neurologen Selbstmordgedanken verneint habe.

Ein Grund dafür könnte sein, dass der junge Pilot Angst hatte, seine Lizenz zu verlieren, würden seine gesundheitlichen Probleme vollständig bekannt. Das Auswahlverfahren für die Pilotenausbildung ist hart, nur zehn Prozent aller Bewerber schaffen es – auch wegen der hohen medizinischen Hürden. Nach einem mehrstündigen Test am Computer, bei dem Mathematik- und Logikaufgaben gelöst werden müssen, werden die Bewerber während zweier Tage von einer Auswahlkommission mit Fragen gelöchert. Am Ende steht der Medizintest. Früher fiel schon durch, wer eine Brille trug. Inzwischen sind bis zu drei Dioptrien erlaubt. Wer aber Rot nicht von Grün unterscheiden kann oder Diabetes hat, wird nicht genommen. Der Luftfahrtpsychologe Reiner Kemmler ergänzt, dass auch eine endogene Depression, die immer wieder und anlasslos auftritt, ein Ausschlusskriterium sei. Der Traum vom Pilotenleben wäre damit zerstört.

Auch wenn der Siebenundzwanzigjährige vor solch einem Schicksal Angst gehabt haben sollte – weshalb riss er so viele andere Menschen mit sich in den Tod? Seine Tat hat er ruhig ausgeführt. Als der Pilot, mit dem er zusammen das Flugzeug von Barcelona nach Düsseldorf flog, auf die Toilette ging und seinem Kopiloten das Kommando übertrug, leitete dieser offenbar vorsätzlich den Sinkflug ein und ließ seinen Vorgesetzten nicht mehr zurück ins Cockpit. Er sagte kein Wort mehr, reagierte nicht auf die Funksprüche aus dem Tower in Marseille. Der Rekorder nahm nur noch seine Atemgeräusche auf. Acht Minuten später zerschellte das Flugzeug.

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