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Trauerfeier im Kölner Dom : „Wir erschrecken über das Böse“

  • Aktualisiert am

Bundespräsident Gauck bei seiner Ansprache im Kölner Dom Bild: dpa

Im Kölner Dom haben rund 1400 Menschen bei einem Trauergottesdienst der Opfer des Flugzeugabsturzes gedacht. Neben etwa 500 Angehörigen waren auch Kanzlerin Merkel und der Bundespräsident gekommen. „Uns fehlen die Worte für diese Tag“, sagte Gauck.

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          „Wir wissen, dass wir mitten im Leben vom Tod umgeben sind. Aber wenn es passiert, sind wir fassungslos“, sagte Kardinal Rainer Woelki bei dem ökumenischen Gedenkgottesdienst für die Opfer des Germanwings-Absturzes im Kölner Dom. „Hier stehe ich nun also: als Mensch, als Christ, und, was gerade nicht so wichtig ist, als Erzbischof von Köln. Und ich habe keine theoretische Antwort auf das schreckliche Unglück.“

          Die Trauerfeier wurde auf die Domplatte übertragen.

          „Es soll Ihnen Trost sein, dass Sie jetzt nicht alleine sind“, wandte Woelki sich an die Angehörigen der Opfer. „Sie alle werden sich an Momente mit Ihren Lieben erinnern, die von einer solchen Dichte, von einer solchen Intensität, von einer solchen Intimität waren, dass die Erinnerung an sie unzerstörbar ist.“ Ein Chor und ein Kammerorchester hatten zuvor den Trauergottesdienst mit einem Requiem von Gabriel Fauré eröffnet.

          Miteinander weinen

          Der griechisch-orthodoxe Erzbischof Augustinos Lambardakis sprach ein Gebet und bat um die Heilung der Hinterbliebenen. Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche in Westfalen, fand Worte für den Schock des Ereignisses: „Unbeschreibliches ist geschehen, und Unbeschreibliches wurde getan. Abgründe klafften auf in Seele und in Menschenherz.“ Doch das Unbegreifliche müsse ausgehalten werden. Dazu rückten die Menschen nun zusammen, sagte Kurschus. Es sei gut, miteinander und füreinander zu weinen.

          Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, spricht im Kölner Dom.

          Kleine Engel aus Holz wurden einigen Trauergästen, darunter dem französischen Verkehrsminister und dem Bundespräsidenten Joachim Gauck, stellvertretend für alle Angehörigen überreicht. Sie sollen ein Zeichen des Trostes und der Zuversicht darstellen.

          Vertreter aus der Politik (v.l.n.r.): der hessische Ministerpräsident Bouffier, Bundeskanzlerin Merkel, Bundestagspräsident Lammert, die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten Daniela Schadt, Bundespräsident Gauck und die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Kraft

          Im Anschluss an den Gottesdienst begann ein Staatsakt für die Verstorbenen. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sprach zuerst und dankte allen Helfern und Seelsorgern. Sie habe bei ihrer Reise nach Frankreich gesehen, dass viele von ihnen über ihre eigenen psychischen und physischen Grenzen gegangen seien, um Trost zu spenden. Sie habe in diesen Tagen viel Trauer gesehen, aber auch Halt und Zuwendung. Anschließend spielte ein Ensemble des Joseph-König-Gymnasiums in Haltern das Thema aus dem Film „Schindlers Liste“. Das Gymnasium hatte 16 Schüler und zwei Lehrerinnen bei dem Flugzeugabsturz verloren.

          „Wir erschrecken über das Böse“

          „Wir sind verbunden durch Trauer, durch Schmerz und zugleich durch eine tief empfundene Ratlosigkeit“, sagte Gauck in seiner Ansprache. Er thematisierte den großen Schock des Unglücks: Dass der Kopilot den Absturz vorsätzlich herbeigeführt haben soll. „Dieser eine hat viele Menschen mit in den Tod gerissen, den er für sich selber gesucht hatte. Uns fehlen die Worte für diese Tat.“ Es gebe kein vollkommen kontrollierbares Leben. Das zeige, wie wir alle im täglichen Leben auf Vertrauen angewiesen seien. Deshalb danke er allen, die verantwortungsvolle Berufe ausfüllten.

          150 Kerzen im Kölner Dom

          „Wir erschrecken auch über das Böse, das sich hier gezeigt hat“, sagte Gauck. Immer wieder werde nun nach den Motiven für die Tat gefragt. „Aber hier gilt: Wir wissen nicht, wie es im Innern des Kopiloten ausgesehen hat, der sich und 149 anderen das Leben nahm.“ Auch die Angehörigen des Kopiloten hätten einen Menschen verloren, „den sie geliebt haben und der eine Lücke in ihrem Leben hinterlässt“. In einer solch schweren Zeit zeige sich außerdem, dass der Mensch zum Guten fähig sei.

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