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Trauerfeier im Kölner Dom : Ins Mark getroffen

150 Kerzen im Kölner Dom Bild: dpa

Im Kölner Dom gedenken 1400 Menschen der Opfer des Flugzeugabsturzes vor drei Wochen – auch des Kopiloten, der die Katastrophe verursacht hatte. Das Urteil über ihn müsse man Gott überlassen, sagt der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki.

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          Die Flammen von 150 weißen Kerzen bewegen sich im Luftzug des Kölner Doms. Jede der Kerzen steht für einen der Menschen, die bei dem Absturz eines Germanwings-Flugzeugs in den französischen Alpen gestorben sind. Der Kopilot Andreas Lubitz hatte die Maschine auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf nach Erkenntnissen der Ermittler in voller, selbstmörderischer Absicht gegen ein Bergmassiv gesteuert. Den Tod von 149 Passagieren und Crewmitgliedern nahm er in Kauf. Der Kopilot war allem Anschein nach nicht Opfer, sondern Täter. Und doch brennt nun auf den Stufen zum Altar des Kölner Doms auch für ihn eine Kerze. Vor der zentralen Trauerfeier mit Bundespräsident Joachim Gauck hatte der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki klargestellt, dass es am 24. März 150 Opfer gegeben hat. Das Urteil über den Kopiloten müsse man Gott überlassen.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Es ist ein bewegender ökumenischer Gottesdienst, den Woelki gemeinsam mit der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, am Freitagmittag feiert. Mehr als 1400 Gäste sind in den Dom gekommen, darunter 500 Angehörige der Opfer. Neben dem Bundespräsidenten sind auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Minister der spanischen und französischen Regierung nach Köln gereist. Präses Kurschus sagt in ihrer Predigt, ein ganzes Land rücke zusammen im Aushalten-Müssen und im Begreifen-Wollen. Kein Luftfahrtexperte und Psychologe, auch kein Bischof oder Präses, könne eine Brücke schlagen über dem aufgerissenen Abgrund. „Gott selbst muss einstehen für das, was geschehen ist und was er hat geschehen lassen.“ Und Woelki sagt, er habe keine theoretische Antwort. Die Antwort liege im Glauben. „Wir glauben, dass diese 150 Menschen nicht verschwunden und nicht ins Nichts gegangen sind.“

          Als Zeichen der Hoffnung überreichen zwei Notfallseelsorger, die den Angehörigen der Opfer in den Tagen nach der schrecklichen Nachricht zur Seite standen, kleine Holzskulpturen. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Kreuze, doch es sind Engel, die sich in die Hand schmiegen. Die Engel sollen ein Zeichen der Solidarität, des Trostes und der Anteilnahme sein. „Menschen brauchen Engel, die ihnen den Weg zeigen und ihnen zur Seite sind“, sagte der katholische Seelsorger Christoph Dörpinghaus. Der Engel solle dazu ermutigen, „nach Quellen der Bestärkung und der Zuversicht“ zu suchen, ergänzt seine Kollegin Jutta Unruh von der Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland. Auch Sarah, die am 24. März ihre Schwester verloren hat, bekommt im Gottesdienst einen Engel überreicht. Nur ein paar Augenblicke später findet sie die Kraft, eine Fürbitte zu sprechen. „Trockne unsere Tränen, stärke die schönen Erinnerungen und schenke uns allen neuen Lebensmut“, sagt sie – und kämpft mit den Tränen. „Lass die Liebe inmitten der Trauer stärker sein als die Verzweiflung.“ Zum Auftakt des staatlichen Trauerakts, der sich an den Gottesdienst anschließt, spricht die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Kraft von den vielen Momenten menschlicher Verbundenheit, die sie in den vergangenen Wochen der Trauer erlebt habe – etwa am Düsseldorfer Flughafen, in Frankreich oder in Haltern am See, von wo 16 Schüler und zwei Lehrerinnen herstammten, die am 24. März auf dem Rückweg von einem Spanienaustausch waren. „Ich spürte die Verzweiflung und den Schmerz. Ein Schmerz, der nicht zu ermessen ist. Aber ich spürte auch Halt und Trost, den wir einander gerade in den dunkelsten Stunden geben können.“

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