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Lufthansa nach der Katastrophe : Der Feind im Cockpit

Schicksalhafter Schalter: Mit einem solchen Knopf, hier in einem Flugsimulator, lässt sich die Cockpit-Tür verriegeln. Bild: Reuters

Nach dem tragischen Unglück des Germanwings-Flugzeugs ist eine hitzige Debatte um die Sicherheit im Cockpit und die Verlässlichkeit des Personals entbrannt. Die Lufthansa trifft all das in ihrer schwierigsten Phase. Findet die Fluggesellschaft den Weg aus der Krise?

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          Die Konkurrenz reagierte blitzschnell. Nur wenige Stunden nachdem die französische Staatsanwaltschaft die Ursache für das tragische Unglück der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen mit menschlichem Versagen erklärte, preschten die Billigfluganbieter vor, um solche Risiken in ihrer Flotte zu begrenzen. Es sind Rezepte, die bei amerikanischen Fluggesellschaften längst im Einsatz sind und sich dort angeblich auch bewährt haben.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          „Ab sofort gilt im Cockpit das Vier-Augen-Prinzip“, teilte der skandinavische Preisbrecher Norwegian als Erster mit. Die Riege der schnellen Problemlöser wächst seitdem fast im Stundentakt: Norwegian folgten kurz darauf Easyjet und Ryanair. Inzwischen gehören auch Air Berlin oder Air Canada dazu. Sie alle versprechen ihren Passagieren, dass kein Pilot mehr allein im Cockpit agieren darf, um so die Gefahr eines Selbstmords, der beim tragischen Absturz am Dienstag den Tod von 150 Menschen verursacht hat, nach Möglichkeit zu bannen.

          Auch die von der Katastrophe betroffenen Gesellschaften Germanwings und Lufthansa werden wohl in Kürze folgen – selbst wenn Zweifel an der Wirksamkeit der Zwei-Personen-Regel im Cockpit im eigenen Haus bleiben. „Ich frage mich, ob sich ein Mensch mit einer solchen Energie, einen kriminellen Akt zu begehen, von einem Flugbegleiter davon abhalten lässt“, gibt Germanwings-Chef Thomas Winkelmann zu bedenken.

          Ein Fachkundiger kann auch verdeckt Schaden anrichten

          Der erfahrene Luftfahrtmanager spricht damit Bedenken an, die viele Kollegen mit ihm teilen: Bekommt man das menschliche Risiko beim Steuern eines Flugzeugs tatsächlich in den Griff? Auch in Frankreich, wo der Airbus von Germanwings am Dienstag zerschellte, entzündet sich darüber eine heftige Debatte. Air France, mit mehr als 4000 Piloten die mit Abstand größte Fluggesellschaft des Landes, steht dabei im Mittelpunkt. „Wir verfolgen mit größter Aufmerksamkeit die aktuelle Diskussion, die nur zu mehr Bürokratie und neuen Vorschriften führen könnte“, befürchtet ein Sprecher.

          Air France hat sich daher in diesem Punkt noch nicht festgelegt, bringt aber handfeste Einwände vor. Die Anwesenheit einer zweiten Person in der Flugzeugkanzel hindert nicht unbedingt einen fachkundigen Menschen daran, verdeckt Schaden anzurichten, wenn er dazu fest entschlossen ist, heißt es auch dort. Sowohl das Abstellen der Triebwerke kurz nach dem Start oder aber ein bewusst herbeigeführter Druckabfall im Flugzeug könne durch einen weiteren Kontrolleur im Cockpit kaum verhindert werden, glauben Vertreter von Air France.

          Vorfälle mit terroristischem Hintergrund sind wesentlich häufiger

          So geschehen bei einer weiteren Tragödie in der internationalen Luftfahrtgeschichte, die dem Fall von Germanwings ähnelt: 1999 ließ ein Kopilot der Egypt Air eine Passagiermaschine von Boeing mit 217 Menschen in den Atlantischen Ozean stürzen. Er deaktivierte zuvor die Triebwerke und ließ die Maschine in den Sturzflug übergehen. Der Chefpilot kam zu spät ins Cockpit zurück. Er konnte die Katastrophe nicht mehr verhindern. Alle Insassen kamen ums Leben.

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