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Kommentar : In Trauer vereint

François Hollande, Angela Merkel, Mariano Rajoy und Journalisten in der Nähe der Absturzstelle Bild: dpa

In den vergangenen Jahren hat Europa erleben müssen, wie schnell alte Ressentiments wieder in das Denken vieler Menschen eingedrungen sind. Unter dem Eindruck des Germanwings-Absturzes tritt in der Politik das Trennende zurück – und rückt das Verbindende in den Mittelpunkt.

          In der Trauer vereint – das ist ein furchtbarer und doch ein schöner, ein so menschlicher Satz im Angesicht einer großen Katastrophe. 150 Menschen haben am Dienstag ihr Leben verloren, als das Flugzeug, in dem sie saßen, in den südfranzösischen Bergen zerschellte: 72 Deutsche, viele Spanier sowie Staatsangehörige aus weiteren dreizehn Ländern, von Australien bis Venezuela. In Trauer vereint – das heißt auch, dass eine solche Tragödie uns manchmal eher zusammenzubringen vermag als der Alltag mit seinen oft nur vermeintlichen Gegensätzen und aufgebauschten Streitereien. In den vergangenen Jahren hat gerade Europa erleben müssen, wie schnell, vor dem Hintergrund der großen Krise, alte Ressentiments wieder in das Denken vieler Leute und das Handeln vieler Politiker eingedrungen sind. So ist Politik nun mal, könnte man sagen. Aber so ist sie nicht nur.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Denn jetzt können die deutsche Bundeskanzlerin und der spanische Ministerpräsident nur mit Dankbarkeit feststellen, wie groß Hilfe und Freundschaft der Franzosen sind, auf deren Gebiet das deutsche Flugzeug abstürzte. Unter dem Eindruck eines schrecklichen Ereignisses, für das es noch keine Erklärung gibt, tritt das Trennende zurück und rückt das Verbindende in den Mittelpunkt. In dem Einsatz der Rettungskräfte und in der Anteilnahme der Repräsentanten Frankreichs findet das seinen Ausdruck. Oder auch darin: Seite an Seite sind Kanzlerin Merkel und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Kraft an den Absturzort gereist, um ihre Erschütterung und ihr Mitgefühl für die Hinterbliebenen zu bekunden.

          Natürlich will man wissen, was die Ursache für das Unglück ist – möglichst schnell will man das wissen. Gab es einen technischen Defekt? War es menschliches Versagen? Oder eine verhängnisvolle Kette von Ursachen? Fielen Passagiere und Besatzung gar einem Verbrechen zum Opfer? Man wird diese Katastrophe restlos aufklären müssen, denn davon hängt das Vertrauen in die Sicherheit des Massenverkehrsmittels Flugzeug ab. Das wird den Angehörigen nicht die zurückbringen, die in den Alpen in den Tod flogen. Trost können die Hinterbliebenen allenfalls finden in den kleinen und großen Gesten der Anteilnahme so vieler Millionen und in der Professionalität derer, die tun, was jetzt zu tun ist.

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