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Identifizierung der Opfer : Mit einem Bild vor Augen

Primäre und sekundäre Merkmale

An der Absturzstelle in den französischen Alpen sichern somit nun die Mitglieder der französischen Identifizierungsteams die „post-mortem“-Befunde. Dazu gehören vor allem Informationen über den Zustand der sterblichen Überreste und die jeweiligen DNA-Muster. Diese werden anhand von Proben aus Knochen und Gewebe gewonnen. Auch die an den Opfern sichergestellten Kleidungsstücke, persönliche Gegenstände wie Gepäck, Handtaschen oder Eheringe gehören dazu. Diese „Effekte“ gelten als sekundäre Identifizierungsmerkmale – denn der sichergestellte Schmuck oder eine Jacke könnte noch zu Lebzeiten kurzfristig ausgetauscht worden sein, muss somit nicht zwangsläufig dem Verstorbenen gehören. „Vielleicht wurde mit der Sitznachbarin noch ein Armband getauscht. Wenn man sich nur auf die sekundären Merkmale verließe, könnten Verwechslungen möglich sein.“  Ebenso zählen die körperlichen Beschreibungen zu Größe, Gewicht oder Tätowierungen, wie sie in der „ante-mortem“-Datei erfasst werden, zu den sekundären Merkmalen. Denn auch hier können Ungenauigkeiten nicht ausgeschlossen werden.

Als primäre Identifizierungsmerkmale gelten hingegen drei Kriterien, die zumeist am Wohnort recherchiert wurden: Zahnstatus, Fingerabdruck und DNA-Muster. Diese werden mit den entsprechenden primären Identifikationsmerkmalen bei den geborgenen Opfern verglichen: Gibt es hier eine Übereinstimmung von mindestens einem primären Merkmal und keine widersprechenden sekundären Merkmale, gilt die Person als identifiziert. „Alles, was sonst bei einem Opfer an sekundären Merkmalen gefunden wird, muss widerspruchsfrei zu der vermuteten Person passen, dann ist die Identifizierung gesichert.“ Somit wird bei jedem Opfer die Liste der „ante-mortem“-Daten mit der Liste der „post-mortem“-Befunde verglichen – jedes „matching“ bringt die Identifizierung ein Stück weiter.

Die Arbeit von Identifizierungsteams ist vor allem auch psychisch sehr belastend. Auf der einen Seite haben sie durch das Datenmaterial vielleicht das Bild eines lachenden Kindes am Strand vor Augen, in einer Momentaufnahme vom letzten Urlaub. Andererseits sind sie am Unglücksort mit dessen jähem Ende konfrontiert. „Es ist nie nur ein namenloses Opfer, es verbirgt sich immer ein Mensch, ein Schicksal dahinter.“ Auch würden manchmal die Angehörigen das Gespräch suchen und genaue Fragen zur Vorgehensweise stellen. „Hier ist dann größte Sensibilität geboten.“ Psychologen stünden während und nach dem Einsatz für die Mitarbeiter dieser Spezialeinheiten zur Verfügung. Aufgefangen werde der psychische Stress jedoch auch durch einen hohen Teamgeist. „Man rückt zusammen.“ Sie alle hätten ein gemeinsames Ziel: den Angehörigen Gewissheit zu verschaffen.

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