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Schule in Trauer : Reden ist schwierig, Schweigen auch

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Nach einer schlaflosen Nacht: Schülerinnen des Joseph-König-Gymnasiums Bild: Daniel Pilar

Für die Fahrt nach Spanien hatten sich mehr Schüler aus Haltern angemeldet, als Plätze frei waren – also entschied ein Los, wer mitfliegen durfte.

          Zweimal in ihrem Leben hat Laura rote Rosen gekauft. Am Muttertag vor einem Jahr, zum Feiern. Und an diesem Mittwoch, zum Trauern. Sie ist früh aufgestanden, geschlafen hat sie nur wenig. Bis in die Nacht hat sie auf Twitter die Nachrichtenschnipsel verfolgt – „Flugzeugabsturz in den französischen Alpen“, „150 Tote“, „darunter 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus Haltern am See“. Auf Facebook hat sie ihren Freundinnen geschrieben – „Oh mein Gott“, „das ist so schlimm“, „ich mag morgen nicht alleine zur Schule gehen“. Deswegen steht sie jetzt an der Ecke in der Innenstadt von Haltern am See und wartet in der morgendlichen Kälte. Sie schaut auf ihr Handy, tippelt vom linken aufs rechte Bein. Sie weint.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Lauras Freundinnen biegen um die Ecke, auch sie haben Blumen dabei, manche Kerzen. Es sind nur ein paar hundert Meter bis zum Joseph-König-Gymnasium, wo sie die Oberstufe besuchen. Die Mädchen gehen schnell, vorbei an den Polizisten, die vor dem Schuleingang stehen, und vorbei an den Notfallseelsorgern der Malteser. Auf den Treppenstufen vor dem Schulgebäude flackern schon Hunderte rote und weiße Lichter. Schüler, Lehrer und viele andere Einwohner von Haltern am See hatten sie am Dienstagabend angezündet, nachdem am Mittag das Unglück gewiss war. 16 Schüler der zehnten Klasse und zwei Lehrerinnen waren eine Woche in Llinars del Vallès in der Nähe von Barcelona zum Sprachaustausch.

          Am Dienstagmorgen waren sie von ihren spanischen Gastfamilien zum Bahnhof gebracht worden. Mit dem Zug fuhren sie nach Barcelona, wo sie in ein Germanwings-Flugzeug, Flugnummer 4U9525, nach Düsseldorf stiegen. Dort wartete ein Bus auf die 18 Halterner. Aber am Mittag erhielt der Schulleiter des Joseph-König-Gymnasiums einen Anruf von der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin. Sie sagte, dass das Flugzeug in Südfrankreich in den Alpen verunglückt sei und dass darin auch die Schüler und Lehrer aus Haltern saßen. Nach der sechsten Stunde gab es dann eine Durchsage in der Schule. Der Nachmittagsunterricht falle aus, sagte der Schulleiter. Aber das sei kein Grund zur Freude. Es sei etwas Schlimmes passiert.

          Wie schlimm, merkt man vielleicht erst am Tag danach. Nicht nur die Kinder und Jugendlichen sind zur Schule gekommen, auch viele andere Einwohner. Manche kennen eines der verunglückten Kinder, andere nicht. Betroffen sind sie alle. Haltern am See liegt am nördlichen Rand des Ruhrgebiets, es hat ein paar Parks und kaum Industrie.

          Auf dem Marktplatz liegt Kopfsteinpflaster. Jedes Jahr kommen viele Touristen in die Stadt, die nur knapp 40.000 Einwohner hat. „In so einem recht kleinen Ort wie Haltern kennt man sich ja in der Regel“, sagt ein Mann, der auf der anderen Straßenseite steht. „Man glaubt ja nicht, dass so etwas hier passiert. In so einer ruhigen und schönen Gegend. Schrecklich.“ Dann fällt es ihm selbst auf. „Aber als ob das weniger schlimm wäre, wenn es in einer weniger schönen Gegend passiert wäre.“ Er schweigt nur noch und schaut.

          Reden ist schwierig an so einem Tag. Bei anderen Unglücken gibt es einen Amokläufer, Attentäter oder Irren, den man verfluchen kann. Den man anbrüllen kann. Aber diese 16 Schüler und zwei Lehrer sind wahrscheinlich durch ein reines Unglück ums Leben gekommen. Also wohin mit der Wut?

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