Germanwings-Unglück :
Die letzten acht Minuten

Von Majid Sattar, Michaela Wiegel, Paris/Berlin
Lesezeit: 5 Min.
Ein Trümmerteil des abgestürzten Airbus A320 in den Alpen bei Seyne-les-Alpes.
Was geschah im Airbus 320 nach Düsseldorf? Der Atem des Kopiloten ist ganz regelmäßig – während der Kapitän an der Tür des Cockpits rüttelt und das Flugzeug die Felswand ansteuert.

Totenstille. So beschreibt Staatsanwalt Brice Robin die letzten acht Minuten im Cockpit, „kein Wort, kein Schrei, kein Fluch, nichts, nichts“, sagt er. Dann radebrecht er nochmals auf Englisch für einen ausländischen Journalisten: „no word, nothing!“ Robin ist Staatsanwalt in der Verbrechenshochburg Marseille, ein erfahrener Jurist, den nichts so schnell erschüttert. Aber am Donnerstagmittag ist ihm anzumerken, wie unfassbar ihm das Geschehen im Germanwings-Airbus von Barcelona nach Düsseldorf erscheint. Bevor er vor die Journalisten tritt, hat er am Flughafen von Marseille eine Stunde lang mit 200 Angehörigen der Opfer gesprochen, spanischen und deutschen Familien, die er über den Stand der Ermittlungen informiert. „Das ist das mindeste, was wir ihnen schuldig sind“, sagt er. Sie sind auf der Durchreise zum Absturzort und sie bewegt vor allem die Frage: „Wussten die Flugpassagiere, dass sie in den Tod flogen?“ So erzählt es der Staatsanwalt und schluckt: „Und natürlich wollen sie auch wissen, wann sie die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen erhalten.“ Er habe sie um Geduld bitten müssen, denn die Bergungs- und Identifizierungsarbeiten könnten sich Wochen hinziehen. Jede Familie könne durch freiwillige DNA-Proben den Identifizierungsprozess beschleunigen. Auch die Familie des Kopiloten hat sich auf den Weg in die südlichen Alpen gemacht, weiß der Staatsanwalt.

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