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Germanwings-Absturz : Wer war Kopilot Andreas Lubitz?

Kopilot Andreas Lubitz, hier während eines Aufenthalts in San Francisco. Die Aufnahme stammt aus dem sozialen Netzwerk Facebook. Bild: AP/Facebook

Das Rätselraten um die Ursache der Germanwings-Katastrophe hat ein Ende: Der Kopilot hat sie absichtlich herbeigeführt. Wer war Andreas Lubitz? Warum reißt ein junger Mann 149 Menschen mit sich in den Tod? Erste Hinweise könnten auf psychische Probleme hindeuten. 

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          Am Mittwoch dachte man noch, Andreas Lubitz unterscheide sich nicht von den anderen 149 Opfern, die in den französischen Alpen ums Leben gekommen waren. In seiner Heimatstadt Montabaur sprach Bürgermeisterin Gabi Wieland am Mittwoch im Stadtrat den Angehörigen ihr tief empfundenes Beileid aus. Es erhoben sich sichtlich betroffenen Ratsmitglieder zu einer Schweigeminute, wie es die Rhein-Zeitung in ihrer Ausgabe vom Donnerstag schildert. Am Tag darauf sieht nun alles danach aus, als sei der Kopilot der Germanwings-Maschine nicht eines von 150 Opfern, sondern ein Mann, der sich mit Absicht in den Tod stürzte – und 149 Menschen mit sich riss.

          Andreas Nefzger

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          L. hat die Katastrophe nach Einschätzung der Justiz vorsätzlich herbeigeführt. Er habe – zu dem Zeitpunkt allein im Cockpit – den Sinkflug der Maschine bewusst eingeleitet, sagte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, am Donnerstag am Flughafen Marignane. „Es sieht so aus, als habe der Kopilot das Flugzeug vorsätzlich zum Absturz gebracht und damit zerstört.“

          Mit diesem Satz endet das zwei Tage dauernde Rätselraten um die Ursache des Unglücks. Aber an die Stelle der alten Fragen treten neue. Wer war Andreas L.? Und: Was bringt einen jungen Mann dazu, ein vollbesetztes Flugzeug absichtlich in einem Gebirgsmassiv zerschellen zu lassen?

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          „Offenbar ein Burnout, eine Depression“

          Viel ist bislang nicht über Andreas L. bekannt. Er war 27 Jahre alt und wohnte bei seinen Eltern in Montabaur, daneben hatte er auch einen Wohnsitz in Düsseldorf gemeldet. Seit September 2013 war er für Germanwings tätig. Eine Lufthansa-Sprecherin sagte zur Deutschen Presse-Agentur, der Kopilot habe 630 Flugstunden absolviert. Vor der Anstellung sei der Mann an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa, der Muttergesellschaft von Germanwings, in Bremen zum Piloten ausgebildet worden.

          „Das war ein lieber Junge“, sagte die Mutter einer Klassenkameradin gegenüber FAZ.NET. Ihre Tochter ist in Tränen aufgelöst und steht für Gespräche vorerst nicht zur Verfügung. „Er hatte gute familiäre Hintergründe“, sagt sie. Allerdings habe sich Andreas Lubitz ihrer Tochter vor einigen Jahren anvertraut mit dem Hinweis, er habe in seiner Ausbildung eine Auszeit genommen: „Offenbar hatte er ein Burnout, eine Depression“. Die Tochter habe ihn zuletzt vor Weihnachten gesehen, da habe er ganz normal gewirkt. „Ich kann mir das Ganze nur als Kurzschlussreaktion vorstellen“, sagt sie. „Das kann nicht geplant gewesen sein, obwohl es ja eigentlich wie ein Amoklauf wirkte.“

          Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte am Mittwochnachmittag gesagt, Andreas Lubitz habe vor sechs Jahren während seiner Ausbildung „eine längere Auszeit genommen“. Zu den Gründen dürfte er keine Auskunft geben. Lubitz habe die Ausbildung später wieder aufgenommen und sämtliche Checks bestanden, auch medizinische. Er sei „flugtauglich ohne jegliche Einschränkungen“ gewesen. Spohr hob hervor, dass die Lufthansa die psychologische Eignung bei der Auswahl ihrer Piloten sehr wichtig nehmen – allerdings sähen die Routine-Test nach der Ausbildung keine expliziten psychologischen Tests mehr vor. Die fliegerischen Leistungen von Andreas Lubitz seien einwandfrei gewesen, sagte Spohr.

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          Das Fliegen war mehr als ein Beruf

          Das Fliegen war für Andreas Lubitz offenbar mehr als ein Beruf. Er war bereits als Jugendlicher Mitglied des Segelfliegervereins LSC Westerwald, wo er seine ersten Flugstunden erhielt, laut Rhein-Zeitung nur wenige Hundert Meter von seinem Elternhaus entfernt. „Sein großer Traum war es seit jeher, Pilot zu werden“ , sagte eine Nachbarin gegenüber der Zeitung. Sie erinnerte sich – da noch unter dem Eindruck, Lubitz sei Opfer eines Unglücks – an einen freundlichen jungen Mann. Das Ziel, Pilot zu werden, habe er „mit Nachdruck verfolgt und erreicht. Mit Laufen hielt sich der junge Flugzeugführer fit. Wie oft haben wir ihn an unserem Haus vorbeijoggen gesehen.“

          Das langjährige Mitglied des Fliegervereins Peter Rücker sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Lubitz sei ein netter junger Mann gewesen, „lustig und vielleicht manchmal ein bisschen ruhig“. Er sei beliebt und gut integriert im Verein gewesen, wo er immer Spaß gehabt habe. Er habe Freunde gehabt und sei kein Einzelgänger gewesen. Bereits am Mittwoch hatte der Verein eine Traueranzeige für den Piloten im Netz geschaltet hatte: „Er konnte sich seinen Traum erfüllen, den Traum, den er jetzt so teuer mit seinem Leben bezahlte.“

          Doch wenn stimmt, was die Ermittler vermuten, bezahlten viele Menschen mit ihrem Leben, weil Lubitz seines nicht mehr wollte. So wie es die Staatsanwalt darstellt, unterhielt sich der Kopilot zu Beginn des Fluges 20 Minuten lang noch ganz normal mit seinem Piloten. Als der Kollege dann auf die Toilette ging und L. das Kommando übertrug, leitete dieser offenbar vorsätzlich den Sinkflug ein und ließ seinen Vorgesetzten nicht zurück ins Cockpit. Bis das Flugzeug dann acht Minuten später zerschellte, sagte er kein Wort mehr, nicht zu sich selbst, nicht zum Piloten vor der Tür und nicht zum Tower in Marseille, der ihn immer wieder anfunkte. Der Sprachrekorder nahm nur noch Lubitzs Atemgeräusche auf.

          Wie die Familien vieler Opfer sind auch die Angehörigen von Andreas Lubitz zur Unfallstelle gereist, um dort Gewissheit oder Trost zu finden. Aber die Ermittler haben dafür gesorgt, dass sie den anderen Familien nicht begegnen. In Montabaur haben indes Polizisten schon damit begonnen, ihr Wohnhaus abzuschirmen.

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