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Germanwings-Absturz : Trauer in den Bergen

Trauerfeier: Ein Geistlicher in Seyne-les-Alpes wartet auf Angehörige der Opfer. Bild: AFP

Abgeschirmt von der Öffentlichkeit sind die Angehörigen der Opfer von Flug 4U9525 in Le Vernet in der Nähe der Absturzstelle zusammengekommen. Die Familien der Besatzung und jene der Passagiere wurden streng getrennt.

          Der Geleitzug hinterließ allein schon wegen seiner Länge einen tiefen Eindruck: Sieben Busse mit den Angehörigen der Todesopfer von Flug 4U9525 trafen am Donnerstagnachmittag in dem südfranzösischen Dorf Le Vernet ein, um in der Nähe der Absturzstelle der Toten zu gedenken. Der 190-Seelen-Ort in den südfranzösischen Alpen ist das letzte Dorf vor dem Unfallort, an dem am Dienstag das Flugzeug mit 150 Menschen an Bord in den Bergen zerschellte.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Begleitet von Dutzenden Polizeimotorrädern, Feuerwehrwagen und Sanitätsautos kamen die Trauergäste in der kleinen Gemeinde in den Bergen an. Nachdem die Familienmitglieder und Freunde den Bussen entstiegen waren, nahmen sie auf einer Wiese an einer kleinen Trauerfeier teil. Ab und an flog ein Bergungshubschrauber auf dem Weg zur Absturzstelle über sie hinweg. Die Flaggen der betroffenen Länder waren auf dem Boden ausgebreitet worden. Die Präfektin Patricia Villaert sowie die deutsche Botschafterin, Susanne Wasum-Rainer, hielten kurze Ansprachen, in denen sie den rund 200 anwesenden Familienangehörigen und Freunden ihr Beileid aussprachen. „Ich teile die Trauer meiner Landsleute“, sagte die Botschafterin und sicherte den Angehörigen zu, sie so weit wie möglich in ihrer Trauer „zu begleiten“.

          Wurden Angehörige von Passagieren und Crew getrennt?

          Die Medienvertreter, die den ganzen Tag lang auf die Ankunft der Angehörigen gewartet hatten, wurden von ihnen fern gehalten. Die französischen Behörden wollten verhindern, dass die Familien belästigt würden. Dies trug freilich auch dazu bei, dass den ganzen Donnerstag über viele Gerüchte kursierten. So sollen die Angehörigen der Piloten zuerst zusammen gereist sein, doch nachdem bekannt wurde, dass der Kopilot die Maschine womöglich absichtlich zum Absturz gebracht hat, sollen sie getrennt worden sein, hieß es. Niemand fand sich freilich, um diese Information zu bestätigen. Dass die Angehörigen der Insassen nach Abstürzen getrennt werden, ist an sich nicht ungewöhnlich: hier die der Passagiere, dort jene der Besatzung. Im tiefen Schmerz wollen die Verantwortlichen zusätzliche Spannungen durch mögliche Vorwürfe und Schuldzuweisungen vermeiden.

          Nach den jüngsten Erkenntnissen über den Absturz des Germanwings-Fluges 4U9525 erschien diese Trennung freilich angebrachter denn je, zumal die Reise in die südfranzösischen Alpen zur Absturzstelle für sie schon Prüfung genug war. So waren die Familien der Besatzung und die Familien der Passagiere am Donnerstag nicht zusammen unterwegs. Am frühen Donnerstagmorgen waren insgesamt etwa 70 Angehörige der deutschen Passagiere von Düsseldorf zum Flughafen Marignane bei Marseille aufgebrochen. Aus Spanien kamen etwa 80 Familienmitglieder und Freunde. In Marseille wurden sie zunächst von Vertretern der französischen Behörden und der Staatsanwaltschaft in Empfang genommen und über den Stand der Bergungsarbeiten und Ermittlungen informiert. DNA-Proben wurden entnommen, um die Identifizierung der Opfer zu erleichtern. Bald darauf ging es in Bussen Richtung Nordosten auf die 175 Kilometer lange Strecke nach Le Vernet. Zur gleichen Zeit fand in der Kleinstadt Seyne-les-Alpes eine Trauerfeier für die Angehörigen der Piloten statt. Der Ort liegt mindestens zehn Autominuten von Le Vernet entfernt. Schon zu dieser Zeit achteten die Verantwortlichen peinlich darauf, die beiden Gruppen der Trauernden nicht zusammenzubringen.

          Den Familien sollte auch die Gelegenheit gegeben werden, wenn gewünscht, Vertreter der Bergungskräfte zu treffen. Für Donnerstagabend war die Rückfahrt Richtung Deutschland vorgesehen. Wer wollte, konnte aber auch im Ort oder in Nachbargemeinden bleiben. „Wir haben genügend Betten zur Verfügung“, sagte der Bürgermeister von Seyne-les-Alpes. Auch etliche Privatleute hatten Unterkünfte bereitgestellt. Die Trauerfeier in Le Vernet fand am gleichen Ort statt, an dem sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Präsident François Hollande und der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy mit Bergungskräften getroffen und sich in Kondolenzbücher eingetragen hatten.

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