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Germanwings-Absturz : Staatsanwalt fordert Herausgabe von mutmaßlichem Absturzvideo

Rettungskräfte suchen am Absturzort in Südfrankreich noch immer nach dem Flugdatenschreiber. Bild: AP

Angeblich ist ein Video aus der abgestürzten Germanwings-Maschine aufgetaucht. Sollte es existieren, müsse es sofort der Justiz übergeben werden, forderte der Staatsanwalt. Auch an anderer Stelle zürnen die Ermittler, weil Informationen zuerst an die Presse gingen.

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          Die französische Justiz hat die Herausgabe eines Videos gefordert, das die letzten Sekunden im Inneren der in den französischen Alpen abgestürzten Germanwings-Maschine zeigen soll. Am Mittwoch appellierte der Staatsanwalt an das französische Magazin „Paris Match“ und an die Bild-Zeitung, ermittlungsrelevante Informationen der Justiz zu übergeben. Beide Blätter hatten über eine eine entsprechende Videoaufzeichnung berichtet, die vorgeblich von einem am Absturzort gefundenen Mobiltelefon stammen soll. „Wenn jemand über ein solches Video verfügt, sollte sie dieses ohne Verzug den Ermittlern der Gendarmerie übergeben“, teilte Robin in einem Kommunique mit. Der Staatsanwalt deutete damit an, dass er nicht ausschließe, dass Unbefugte in den ersten Stunden nach dem Absturz Mobiltelefone gefunden und mitgenommen haben könnten. Für die Gendarmerie war es sehr schwer, das unwirtliche Gebiet zwischen Felshängen abzusichern.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Ein Sprecher der französischen Gendarmerie bezeichnete die Information der beiden Presseorgane am Mittwoch hingegen als „komplett falsch“. Die Mobiltelefone, die am Absturzort gefunden worden seien, seien noch nicht ausgewertet worden. Die Telefone würden derzeit von einer Spezialeinheit des Instituts für kriminelle Ermittlungen der Gendarmerie (IRCGN) in Rosny-sous-Bois nahe Paris analysiert, sagte der Gendarmerie-Sprecher. An der Absturzstelle in den französischen Alpen konzentrierten sich die Bergungsteams am Mittwoch auf die Sicherung persönlicher Gegenstände der Flugpassagiere. Die Bergung der sterblichen Überreste ist nach Angaben der Gendarmerie am Dienstagabend abgeschlossen worden. Die Suche nach dem zweiten Flugschreiber gehe weiter.

          Der Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings war am Dienstag vergangener Woche in den südlichen französischen Alpen zerschellt. Alle 150 Menschen an Bord starben. Der deutsche Copilot Andreas Lubitz steht im Verdacht, die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht zu haben. Am Dienstagabend teilte die Lufthansa mit, dass der Copilot den Konzern frühzeitig über „eine schwere depressive Episode“ informiert hatte.

          Ermittlungen wegen Geheimnisverrats

          Wie bestimmte Informationen an die Presse gelangen konnten, beschäftigt die Ermittler derzeit nicht nur in Zusammenhang mit dem angeblichen Video über die letzten Sekunden von Flug 4U9525. Der Direktor der französischen Flugunfalluntersuchungsbehörde BEA, Rémi Jouty, wurde wegen mutmaßlicher Verletzung des Untersuchungsgeheimnisses von Gendarmen in Paris verhört. Die von der satirischen Wochenzeitung „Le Canard Enchaîné“ veröffentlichte Information wurde am Mittwoch von einem BEA-Sprecher in Paris bestätigt.

          Jouty sei verhört worden, über den Inhalt des Verhörs könne er sich jedoch nicht äußern, sagte der BEA-Sprecher. „Rémi Jouty wird vorgeworfen, die Gendarmerie nicht als erste über den Inhalt des Flugstimmenschreibers unterrichtet zu haben“, schreibt „Le Canard Enchaîné“ in seiner Mittwochsausgabe. So soll der BEA-Direktor zunächst eine Kopie der Aufzeichnung des „Cockpit Voice Recorders“ (CVR) an das Transport- und Umweltministerium weitergeleitet haben. Der BEA-Direktor ist dem Transportminister unterstellt. Die Wochenzeitung schreibt, eine Regierungsquelle habe die Weitergabe der Aufzeichnung an das Ministerium bestätigt.

          Es wird vermutet, dass aufgrund dieser Kopie Journalisten an detaillierte Informationen über die Aufzeichnung gelangten. Der BEA-Sprecher dementierte am Mittwoch, dass Jouty eine Kopie an das Transportministeriums weitergeleitet habe. „Die Kopie der CVR-Aufzeichnung ist am vergangenen Mittwoch um 20 Uhr an einen Justizvertreter übergeben worden“, sagte der Sprecher. Der für die Ermittlungen zuständige Staatsanwalt in Marseille, Brice Robin, hatte sich bei einer Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag darüber beschwert, erst nach der Presse vom BEA informiert worden zu sein und „zu spät“ das Protokoll der Rekorderaufzeichnung erhalten zu haben. Robin soll in Erwägung gezogen haben, ein Strafverfahren wegen Verletzung des Untersuchungsgeheimnisses zu eröffnen.

          Spohr sagt Angehörigen Hilfe zu

          Unterdessen sind Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Germanwings-Chef Thomas Winkelmann am Mittwoch abermals zur Absturzstelle gereist. Spohr sagte den Angehörigen der Opfer langfristige Hilfe beider Unternehmen zu. „Wir helfen nicht nur diese Woche. Wir möchten solange helfen, wie Hilfe benötigt wird“, sagte er in Le Vernet nahe der Absturzstelle in den französischen Alpen an.

          „Nichts wird mehr sein wie vorher“, sagte der Lufthansa-Chef weiter. Er dankte Einsatzkräften, Helfern und den Menschen im Absturzgebiet abermals für ihre Unterstützung. Er zeigte sich „tief beeindruckt von der Professionalität, der Energie, dem Mitgefühl und der Sympathie“. Auch ihnen sagte Spohr Hilfe der Lufthansa zu, die Folgen des Absturzes in der vergangenen Woche zu bewältigen.

          Die gute Zusammenarbeit mit den französischen Verantwortlichen sei eine große Hilfe für Lufthansa und das Tochterunternehmen Germanwings. Gegen Ende seines Statements in englischer Sprache bedankte sich Spohr ausdrücklich noch einmal bei französischer Bevölkerung und Einsatzkräften auf Französisch. Auf anschließende Fragen gingen Spohr und Winkelmann nicht ein. Anschließend fuhren sie ab. Sie sollten nach Lufthansa-Angaben später in Marseille noch mit Angehörigen der Opfer zusammenkommen.

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