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Germanwings-Absturz : So funktioniert eine Cockpit-Tür

Diese drei Möglichkeiten gibt es, eine Cockpit-Tür zu ent- oder verriegeln Bild: Screenshot Youtube-Video

Ein Pilot des abgestürzten Germanwings-Airbus’ kam während des Sinkflugs nicht mehr ins Cockpit zurück, nachdem er dieses vorher verlassen hatte. Dabei lässt sich die Verriegelung im Notfall lösen - allerdings nur unter einer Voraussetzung.

          Es ist weiterhin unklar, warum die Germanwings-Maschine abgestürzt ist. Nun gibt es einen Bericht der New York Times und von AFP, der sich auf die - noch nicht veröffentlichte - Auswertung des Stimmenrekorders beruft und einige Hinweise für eine Erklärung gibt. Denn laut dieses Medienberichts hat ein Pilot das Cockpit vor dem Sinkflug verlassen. Als er zurückkam, war demnach die Tür verschlossen und er kam nicht mehr ins Cockpit hinein.

          Das wirft Fragen auf: Kann der Pilot, der sich im Cockpit befindet, den anderen „aussperren“? Wie gut ist es möglich, ins Cockpit zu gelangen, wenn etwa der andere Pilot handlungsunfähig ist? Und:: Ist es möglich, die Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen? In einem Video zur Funktion einer Cockpit-Tür in einem Airbus 320 wird anschaulich erklärt, was möglich ist und was nicht.

          Zahlenfeld für die Flugbegleiter, Hebel für die Piloten

          Es gibt zwei wichtige „Schlüssel“ innerhalb und außerhalb des Cockpits. Das ist auf der einen Seite in der Kabine ein kleines Terminal, um einen Code einzugeben, und die Kommunikation per Bord-Telefon. Auf der anderen Seite haben die Piloten einen dreistufigen Hebel, um verschiedene Sicherheitsmodi für die Verriegelung der Tür einzustellen: „unlock“, „norm“ und „lock“. Zudem gibt es einen „Escape panel“, der nur vom Cockpit ausgelöst werden kann. Desweiteren gibt es eine Dreifachverriegelung wie bei normalen Türen.

          Logischerweise sind die Sicherheitsvorkehrungen für den Fall ausgelegt, dass jemand ins Cockpit hinein will. Dennoch müssen aber auch Piloten - je nach Zustand der Verriegelung - mehrere Handlungen ausführen, um ihren Raum zu verlassen. So müssen sie einen Knopf betätigen, um den Flugbegleitern zu signalisieren, dass eine Person das Cockpit jetzt verlässt.

          Fünf Sekunden Zeit, um ins Cockpit zu kommen

          Und so kommt man ins Cockpit: Will etwa eine Flugbegleiterin den Piloten etwas zu essen oder trinken bringen, nachdem diese ihren Wunsch vorher am Telefon geäußert haben, drückt sie zunächst auf dem Tastenfeld die Raute-Taste. Bei den Piloten ertönt ein Signal; sie können darauf die Tür entriegeln, indem sie den Hebel auf “Unlock“ stellen. Sollten die Piloten die Tür per „Lock“ verriegelt haben, weil ihnen etwas verdächtig vorkam, sind „Buzzer“, die automatische Türöffnung und das Zahlendisplay für fünf Minuten gesperrt. Um hineinzugelangen, muss man die Piloten kontaktieren. Dann können sie manuell entriegeln.

          Das Szenario, das im Falle des Germanwings-Flug passiert sein könnte, ist folgendes: Der Pilot, der wieder ins Cockpit hinein will, versucht diesen zu kontaktieren. Zunächst per Telefon, dann per “Buzzer“, also Raute-Taste auf dem Zahlenfeld. Doch in beiden Fällen kommt keine Antwort. Dann gibt es eine strenge Abfolge von Schritten, um im Notfall ins Cockpit zu gelangen. Erstens muss man einen Zahlencode eingeben. Dieser Notfallcode dient hauptsächlich der Identifikation. Für dreißig Sekunden ertönt für die Piloten dann ein Signal, um anzuzeigen, dass sich die Tür gleich automatisch entriegelt. Und zwar für genau fünf Sekunden. Solange ein Pilot diese Notfall-Entriegelung nicht bewusst durch einen Tastendruck ablehnt, kann man von außen ins Cockpit gelangen.

          Sollte es nun im Fall des Germanwings-Flug so gewesen sein, dass der im Cockpit verbliebene Pilot handlungsunfähig war, als der andere wieder zurückkam, wäre es mittels des Notfall-Zugangs-Verfahrens möglich gewesen, dennoch ins Cockpit zu gelangen. Vorausgesetzt, er hätte den richtigen Code eingegeben und die Tür in dem genannten Zeitraum von fünf Sekunden geöffnet. Sollte beides der Fall gewesen sein, gäbe es nur eine Erklärung, warum der Pilot nicht wieder hineinkam: weil der im Cockpit verbliebene Flugzeugführer das Notfall-Verfahren bewusst blockierte.

          Ähnlicher Fall vor zwei Jahren

          Auch wenn so ein Szenario sehr unwahrscheinlich ist. Es gab mindestens einmal diesen Fall: Ende 2013 bei einem Flug der Linie Linhas Aéreas de Mocambique. Während des Fluges verließ der Co-Pilot das Cockpit, um auf die Toilette zu gehen. Das Flugzeug begann kurz darauf mit einem Sinkflug. Als er zurückkam, war die Tür verschlossen. Der Pilot hatte sie verriegelt.

          Nach sieben Minuten kam es zum Unglück, das Flugzeug mit 34 Menschen an Bord zerschellte am Boden. Auch hier konnte man im Nachhinein durch die Aufnahmen des Stimmrekorders hören, wie der Co-Pilot versuchte, mit dem Piloten Kontakt aufzunehmen, ohne dass dieser reagierte.

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