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Germanwings-Absturz : So funktioniert ein Stimmenrekorder

Demoliert, aber brauchbar: Die Aufnahmen aus dem Cockpit konnten die Behörden retten Bild: dpa

Der Stimmenrekorder des abgestürzten Airbus 320 hat sogar das Atmen des Kopiloten aufgezeichnet. Wie genau arbeitet eigentlich dieser Teil der Blackbox und was nimmt er alles auf?

          Obwohl die Bergungskräfte noch immer nach dem Flugdatenschreiber des abgestürzten Airbus 320 in den französischen Alpen suchen, war der Fund des Stimmenrekorders (Voice Recorder) wohl entscheidend, um eine Erklärung für den Absturz zu finden. Doch was hat der Stimmenrekorder alles aufgezeichnet?

          Wir wissen lediglich, was der französische Staatsanwalt auf der Pressekonferenz am Donnerstag gesagt hat. Man würde hören, wie ein Sitz zurückgeschoben wurde, die Cockpit-Tür danach geschlossen wird und etwas später eine Person, wahrscheinlich der Pilot, an die Tür klopft. Man würde auch hören, wie der Kopilot während der letzten acht Minuten ruhig atmete und dass kurz vor dem Aufprall die Passagiere geschrien hätten. Das würde bedeuten, dass der Stimmenrekorder verschiedene Schallquellen aufnimmt. Und das tut er auch.

          Mindestens drei Mikrofone

          Im Cockpit sind mindestens drei Mikrofone verbaut, die Geräusche aufnehmen. Dazu zählen zunächst die Mikrofone der Headsets, die die beiden Piloten benutzen. Diese nehmen also alle Gespräche der Piloten auf: Dialoge zwischen Pilot und Kopilot oder der Piloten mit der Crew oder den Kontrollinstanzen am Boden. Dabei wird natürlich auch das Atmen der Piloten registriert.

          Des Weiteren gibt es ein Mikrofon, das zentral im Cockpit installiert ist. Es ist im Wesentlichen für die Aufnahme der Geräusche zuständig. Das wäre dann das Drücken von Knöpfen, Bewegen von Hebeln, Rücken eines Sitzes oder eben Klopfen gegen die Tür. Ebenfalls aufgezeichnet werden die Geräusche der Triebwerke.

          Dass dies alles im Nachhinein so deutlich zu hören ist, liegt wohl auch daran, dass die Signale zunächst verstärkt werden in der „Associated control unit“. Diese analogen Signale werden dann im Stimmenrekorder mittels Digital-Analog-Wandler digitalisiert und als verschlüsselte Datei abgelegt. Das Auslesen dieser Daten kann schnell gehen. In manchen Fällen hat es nur zirka zwanzig Minuten gedauert.

          Flash-Speicher ist weniger anfällig

          Ältere Blackboxes haben die Daten noch auf Magnetbändern aufgenommen. Das Verfahren war also ähnlich dem eines klassischen Kassettenrekorders. Schon seit Anfang der Neunzigerjahre benutzen die Hersteller SSD-Speicher (Solid State Disc), auch als Flash-Speicher bekannt. Diese findet man mittlerweile in vielen Notebooks oder Smartphones.

          Im Vergleich zur immer noch gebräuchlichen Festplatte, gibt es keine mechanischen Teile, die sich bewegen. Dadurch ist der SSD-Speicher weniger anfällig etwa für Stöße. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er bei einem Flugzeugabsturz nicht beschädigt wird. Der Speicher befindet sich innerhalb des Gehäuses wie es auf dem Foto zu sehen ist.

          Und dieses ist sehr gut geschützt. Es ist mehrschichtig aufgebaut mit Materialien wie Spezialstahl, Fiberglas und Isoliermaterial. Angeblich sei es härter als ein Tresor. Für Bruchteile von Sekunden hält es eine vieltausendfache Beschleunigung aus.

          30 Minuten sind immer drauf

          Der Stimmenrekorder nimmt etwa 2 Stunden Audiodaten auf. Dauert ein Flug länger, beginnt er die Daten von vorne zu überschreiben, sodass im Falle eines Absturzes immer die letzten Minuten zu hören sind. In der Regel sind das zirka 30 Minuten, die definitiv aufgezeichnet sind.

          Bevor die aufgenommen Daten in die Blackbox übertragen werden, die im Heck des Flugzeuges sitzt, werden sie - auch die für den Flugdatenschreiber - vorher in der Flight-Data Acquisation Unit (FDAU) gesammelt. Dies befindet sich vorne im Flugzeug unterhalb des Cockpits.

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