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Germanwings-Absturz : So arbeiten Flugschreiber

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Der Stimmrecorder der in Frankreich abgestürzen Germanwings-Maschine, aufgenommen am Mittwoch Bild: dpa/BEA

Der Stimmenrekorder der Germanwings-Maschine wurde gefunden. Die Bergungskräfte suchen weiterhin nach dem Flugdatenschreiber. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur sogenannten Black Box.

          Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine über den französischen Alpen wurde bereits am Dienstag der Stimmenrekorder (Voice Recorder) gefunden. Das Gerät sei „beschädigt, aber verwertbar“, sagte der französische Innenminister Cazeneuve. Der Stimmrekorder wird in Paris von Spezialisten untersucht.

          Was noch fehlt, ist der Flugdatenschreiber (Flight Data Recorder). Beide Geräte sind sehr wichtig, um nach einem Flugzeugabsturz den Unfallhergang rekonstruieren zu können.

          Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder sind im hinteren Teil eines Flugzeugs untergebracht

          Wie sehen Flugdatenschreiber aus?

          Die Flugdatenschreiber - häufig in der Signalfarbe grell-orange - werden umgangssprachlich Blackbox genannt. Das von dem Australier David Warren entwickelte Gerät wird seit Mitte der 50er Jahre serienmäßig in Flugzeuge eingebaut. Die meist im Heck der Maschine untergebrachten Stahlkästen sind etwas größer als ein Schuhkarton und wiegen je nach Hersteller vier bis fünf Kilogramm. Das Gehäuse übersteht Abstürze aus großer Höhe und ist absolut wasserdicht. Es kann hohem Wasserdruck und bis zu einer halben Stunde lang Temperaturen von bis zu 1100 Grad Celsius widerstehen.

          Welche Daten speichert die Blackbox?

          Das Gerät zeichnet auf allen Flügen relevante Daten wie Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe oder Neigungswinkel der Maschine auf. Durch das Speichern von GPS-Daten gibt es zudem Auskunft über den genauen Ort eines Unglücks - auch wenn die Trümmer später weit verstreut sind. Auf einem Stimmenrekorder sind Tonaufnahmen der Gespräche von Pilot und Co-Pilot sowie weitere Geräuschen im Cockpit gespeichert.

          Welchen Zeitraum umfassen die Daten?

          Der Flugdatenschreiber kann 25 Stunden lang aufzeichnen, auch Informationen des vorletzten Flugs sind darum meist noch erhalten. Neuere Modelle des Stimmenrekorders speichern einen Zeitraum von zwei Stunden, früher waren es etwa 30 Minuten. Wichtig für die Ortung nach einem Absturz im Meer: Die Box kann etwa einen Monat lang Positionsangaben senden, dann ist die Batterie des Signalgebers leer.

          Wer entwickelt die Geräte?

          Flugzeughersteller wie Airbus oder Boeing entwickeln Flugschreiber in Zusammenarbeit mit mehreren Behörden. Das sind zum Beispiel die Flugsicherheitsbehörde der Europäischen Union für die zivile Luftfahrt (EASA), die amerikanische Flugaufsicht FAA (Federal Aviation Administration), die für Flugzeugunglücke zuständigen Behörde NTSB (National Transportation Safety Board) der Vereinigten Staaten und die Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO.

          Wie aktuell ist die Technik?

          Die Bauvorschriften für Flugschreiber sind zum Teil veraltet. So müssen die Geräte zwar dem Druck in 6000 Meter Wassertiefe standhalten können, jedoch nur 30 Tage. Der eingebaute Sender, der „Underwater Locator Beacon“ (ULB), der im Wasser automatisch Ping-Signale abgibt, arbeitet 30 Tage, seine Reichweite ist mit etwa 2000 Meter aber zu gering für Tiefseegewässer.

          Welche Veränderungen sind geplant?

          Airbus verhandelt mit der europäischen Flugaufsicht über die Einführung auswerfbarer Flugschreiber. Sie sollen künftig in den beiden größten Airbus-Modellen A350 und A380 zum Einsatz kommen. Es wären die beiden ersten kommerziellen Flieger, in denen die Technik verwendet würde. Auswerfbarer Flugdatenschreiber trennen sich im Fall eines Absturzes über dem Meer vom Flugzeug und senden ein Satellitennotsignal. In militärischen Jets werden die Geräte seit langem verwendet.

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