https://www.faz.net/-gum-81kfg

Germanwings-Absturz : Das tödliche Geheimnis des Andreas Lubitz

Auch FAZ.NET hatte zuvor berichtet, Lubitz habe sich einer ehemaligen Klassenkameradin mit dem Hinweis anvertraut, er habe während seiner Ausbildung aus psychischen Gründen eine Auszeit genommen. Am Freitag war dann schon von einer längeren psychiatrischen Behandlung die Rede, und davon, dass Lubitz mehrmals wegen Depressionen in seinen Flugschulkursen zurückgestuft worden sei. Während seiner Ausbildung an der Lufthansa Flight School in Arizona sei er angeblich zeitweise sogar als „flugunfähig“ eingestuft gewesen, berichtete die „Bild“-Zeitung. Auch der Segelflieger Peter Rücker hatte am Donnerstag in Montabaur von Arizona erzählt. Davon, dass sie beide, er und Lubitz das dortige Flugrevier kennen – und dass sie sich erst im vergangenen Herbst angeregt und in freudiger Erinnerung darüber unterhalten hätten.

Aber ganz normal scheint Lubitz eben doch nicht gewesen zu sein – nur hätte er wahrscheinlich allen, die lange genug nachgefragt hätten, diesen Eindruck vermittelt, einfach ganz normal zu sein. Das legen Ermittlungsergebnisse nahe, die sich am Donnerstag und Freitag in Düsseldorf ergaben. Sie machen die Katastrophe nach der Katastrophe nicht kleiner, sondern noch einmal etwas größer.

Kein Abschiedsbrief

In Düsseldorf liegt der zweite Wohnsitz von Andreas Lubitz, im Stadtteil Unterbach, nicht weit entfernt vom Germanwings-Heimatflughafen Köln und auch nicht weit vom Flughafen Düsseldorf entfernt. Unterbach ist eine begehrte Wohnlage. Es gibt dort einen kleinen See und viel Grün. Die Wohnanlage, in der Lubitz sein Appartement hatte, liegt direkt am Waldrand. In Düsseldorf scheint Lubitz noch weniger Kontakte gehabt zu haben als in seinem Heimatort Montabaur. Die Nachbarn, die ihn kannten, beschreiben ihn nicht anders als die Leute in Montabaur. Der junge Mann sei immer freundlich gewesen, unauffällig und „ganz normal“.

Nachdem seine Wohnung in Montabaur durchsucht worden war, machten sich Beamte des Polizeipräsidiums Düsseldorf in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mehr als vier Stunden lang auch im Appartement von Andreas Lubitz in Unterbach auf die Suche nach Hinweisen, was Lubitz getrieben haben könnte. Als die Gerüchte aufkamen, es gebe Hinweise auf eine Depression, auf eine psychische Erkrankung des Piloten, gingen die Fragen in die entsprechende Richtung: Wurden Medikamente gefunden? Gibt es einen Abschiedsbrief? Nein, einen Abschiedsbrief habe man nicht gefunden, hieß es dann sehr schnell. „Bitte gedulden Sie sich, die Staatsanwaltschaft wird in Kürze eine schriftliche Mitteilung herausgeben.“

Das geschieht gegen 12.30 Uhr am Freitag. Die Mitteilung war die nächste dramatische Wendung in diesem Fall der vielen Unfassbarkeiten: Ralf Herrenbrück, der Oberstaatsanwalt, bestätigt zwar, dass kein Abschiedsbrief gefunden worden ist und, wenigstens insoweit ist nicht noch eine Katastrophe zu vermelden, auch kein Bekennerschreiben. Wilde Behauptungen und Verschwörungstheorien hatten sich in Internetforen daran geknüpft. Es gebe, sagt Herrenbrück, also keine Anhaltspunkte für einen politischen oder religiösen Hintergrund der Tat. Aber dann kommt es: Es seien „Dokumente medizinischen Inhalts“ sichergestellt worden, teilt die Staatsanwaltschaft mit, „die auf eine bestehende Erkrankung und entsprechende ärztliche Behandlungen hinweisen“. Von einer „Depression“ ist allerdings nicht die Rede.

Topmeldungen

Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.