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Germanwings-Absturz : Risiko Pilot

  • -Aktualisiert am

Piloten an Bord eines Airbus A320 Bild: Imago

Hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben? Ja, aber trotzdem muss die Gefahr verringert werden, dass ein Selbst- und Massenmörder im Cockpit zuschlagen kann. Ein Kommentar.

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          Es ist verständlich, dass die Lufthansa den Absturz in Frankreich im ersten Schreck als Folge eines extremen Einzelfalls dargestellt hat, der nichts über die Flugtauglichkeit und Gesundheit ihres übrigen Personals aussagt. Dass der Kopilot den Dienst antrat, obwohl er krankgeschrieben war, ist ein Hinweis darauf, dass da in der Tat jemand am Werke war, der – aus welchen Gründen auch immer – seinen Arbeitgeber und die ihm anvertrauten Menschen in einem Maße hintergangen hat, das in einem verantwortungsvollen Beruf eine seltene Ausnahme sein sollte.

          Trotzdem ist der Vorfall so schwerwiegend, dass grundsätzlich darüber nachzudenken ist, wie der Flugverkehr vor dem Risiko Pilot besser geschützt werden kann. Wenn 149 Kunden und Mitarbeiter ums Leben kommen, muss das betroffene Unternehmen, aber auch der Gesetzgeber jedes Verfahren überprüfen und in Frage stellen.

          Dass die deutschen Fluggesellschaften nun vereinbart haben, dass künftig kein Pilot mehr allein im Cockpit bleiben darf, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. In einem Szenario, wie es sich vermutlich auf dem Germanwings-Flug abgespielt hat, könnte eine Flugbegleiterin immerhin noch die Tür für den ausgeschlossenen Piloten öffnen oder vielleicht durch ihre bloße Anwesenheit das Schlimmste verhindern.

          Der andere Schluss, den die bisher bekannten Umstände nahelegen, lautet, dass die Fluglinien sich besser um die mentale Stabilität ihres Personals kümmern müssen. Wenn ein Pilot über längere Zeiträume psychische Probleme hat, dann sollte ein Facharzt durchaus in der Lage sein, das zu erkennen. Auf Hinweise der Arbeitskollegen kann man da nicht vertrauen, denn dafür sind sie nicht geschult.

          Gegen solche Maßnahmen wird oft eingewandt, dass es keine hundertprozentige Sicherheit geben könne. Auch der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa hat so argumentiert. Das ist richtig, trifft aber nicht den Kern der Sache. Eine Fluggesellschaft unterlässt ja auch nicht das Warten ihrer Turbinen, weil stets die Gefahr des Vogelschlags besteht.

          In der Flugsicherheit geht es darum, erkannte Risiken so weit wie möglich zu verringern. Auf dieser langen Liste steht nun auch der Selbst- und Massenmörder im Cockpit. Jede Vorkehrung, die nur einen von seiner Tat abhält, rettet viele Menschenleben.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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