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Tragische Unglücke : Pilot als Selbstmörder ist kein Einzelfall

An der Absturzstelle der LAM 470 auf dem Flug von Maputo nach Luanda in Namibia. Der Pilot soll das Unglück mit 33 Todesopfern am 29. November 2013 verursacht haben. Bild: AFP

So unglaublich der Fall der verunglückten Germanwings-Maschine nach derzeitigem Kenntnisstand ist: In den vergangenen Jahrzehnten gab es mehrere dokumentierte Fälle, in denen Piloten sich mit ihrem Flugzeug umgebracht haben.

          Die Staatsanwaltschaft in Marseille geht derzeit davon aus, dass der Kopilot von 4U9525 den Absturz der Germanwings-Maschine absichtlich herbeigeführt hat, nachdem der Pilot das Cockpit verlassen hatte. Es ist denkbar, dass der 27 Jahre alte Kopilot Andreas L. Selbstmord begehen wollte. Er riss 149 Menschen mit sich in den Tod.

          Monika Ganster

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Ähnliche Vorfälle aus den vergangenen Jahrzehnten haben Verkehrsbehörden weltweit dokumentiert. Aufzeichnungen der Flugschreiber und Untersuchungen der Absturzorte lieferten dabei die Grundlage der Ermittlungen.

          Bei diesen Unglücken soll ein Pilot den Absturz der Maschine absichtlich herbeigeführt haben:

          29. November 2013

          Eine Maschine der Linhas Aéreas de Mocambique (LAM) verunglückt auf dem Flug von Maputo nach Luanda in Angola. Erste Ermittlungen ergeben, dass der Absturz der LAM 470 absichtlich herbeigeführt worden sein soll. Der Co-Pilot hatte das Cockpit verlassen, der Pilot hatte offenbar einen Sinkflug eingeleitet. 33 Menschen kamen bei dem Absturz ums Leben.

          31. Oktober 1999

          Ein Flugzeug der Egypt Air, eine Boeing 767, stürzt etwa 30 Minuten nach dem Start vom New Yorker John F. Kennedy Flughafen in den Atlantischen Ozean ab. Kurz zuvor hatte der Pilot das Cockpit verlassen.  Die Ermittlungen über das Unglück,  das 217 Menschenleben forderte, zogen sich über Wochen hin. Die ägyptischen Behörden - zuständig, weil der Absturz über internationalen Gewässern stattfand - hatten zunächst die Hilfe der amerikanischen Verkehrsbehörde NTSB angefordert. Diese zog das FBI hinzu, weil es Hinweise auf das vorsätzliche Verschulden des Kopiloten gab. Dieses Ergebnis wird bis heute von den ägyptischen Behörden angezweifelt.  Eine eigene Untersuchung der ägyptischen Verkehrsbehörde kam zu dem Ergebnis, dass ein technischer Defekt an der Höhenmessung Auslöser der Katastrophe war.

          11. Oktober 1999

          Chris Phatswe, ein Pilot der Air Botswana, dem man aus medizinischen Gründen die Flugerlaubnis entzogen hatte, entwendete ein Flugzeug des Typs ATR-42 . Er kreiste über dem Flughafen von Gaborone und kündigte über Funk an, dass er Rache nehmen wolle für seine Suspendierung. Er lenkte die Maschine beim Absturz auf dem Seretse Khama-Flughafen in weitere Air Botswana Flugzeuge. Andere Menschen kamen bei diesem Unglück nicht zu Schaden. Air Botswana verlor auf einen Schlag alle drei damals verfügbaren Maschinen.

          19. Dezember 1997

          Eine Boeing 737 der Silk Air war auf dem Flug von Jakarta, Indonesien, nach Singapur, als sie abstürzte und 104 Menschen in den Tod riss. Die Untersuchungen kamen zu keinem eindeutigen Ergebnis. Die amerikanische Verkehrsbehörde NTSB ging aber davon aus, dass der Pilot Selbstmord begangen haben muss, indem er absichtlich einen Sinkflug auslöste. Beide Flugschreiber waren ausgeschaltet, der Co-Pilot könnte das Cockpit verlassen haben. Ermittelt werden konnte, dass der Pilot in den letzten Monaten vor seinem Tod Probleme am Arbeitsplatz und  finanzielle Schwierigkeiten gehabt hatte.

          21. August 1994

          Eine ATR-42 der Royal Air Maroc stürzte kurz nach dem Start in Agadir im Atlasgebirge ab. Die offizielle Untersuchung des Unglücks ergab, dass der Autopilot der Maschine vom Piloten des Flugzeugs absichtlich ausgeschaltet worden war, der dann den Absturz herbeiführte. Unter den 40 Passagieren war auch der Bruder des damaligen kuwaitischen Verteidigungsministers.  44 Menschen fanden den Tod.

          26. September 1976

          Ein russischer Pilot entführte eine Antonov 2 und lenkte sie in einen Häuserblock in Novosibirsk, in dem seine geschiedene Frau lebte. 12 Menschen starben bei diesem Unglück.

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