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Germanwings-Absturz : Andreas Lubitz war offenbar in psychiatrischer Behandlung

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Andreas Lubitz im September 2009, als er in Hamburg an einem Halbmarathon teilnahm. Bild: Reuters

Stundenlang haben Ermittler die Wohnungen von Andreas Lubitz durchsucht. Dabei fanden sie unter anderem eine zerrissene Krankmeldung, die auch für den Flugtag galt. Litt Lubitz an einer psychischen Erkrankung? Die Hinweise darauf verdichten sich.

          Bereits am Donnerstag hatte FAZ.NET Hinweise erhalten, wonach der Kopilot der abgestürzten Germanwings-Maschine an einer psychischen Erkrankung litt. Nun melden immer mehr Medien übereinstimmend, dass Andreas Lubitz offenbar psychiatrisch behandelt wurde. Die „Bild“ schrieb in ihrer Freitagsausgabe unter Berufung auf Quellen bei der Lufthansa, dass sich Lubitz anderthalb Jahre in psychiatrischer Behandlung befand und deshalb immer wieder in seinen Flugkursen zurückgestuft wurde.

          Im Laufe des Tages meldeten dann auch der „Tagesspiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“, entsprechende Informationen erhalten zu haben. Der „Tagesspiegel“ gab an, aus informierten Kreisen erfahren zu haben, dass der Kopilot am Uniklinikum Düsseldorf wegen Depressionen in Behandlung war. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb auf ihrer Internetseite, Lubitz sei bei mehreren Medizinern in psychiatrischer Behandlung gewesen. Das soll aus den Unterlagen hervorgehen, die bei der Durchsuchung seiner Wohnung sichergestellt wurden.

          Offiziell gibt es dafür bislang keine Bestätigung. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf spricht zwar von einer Krankheit, will jedoch keine Details nennen. Nach der akribischen, vier Stunden dauernden Durchsuchung der Wohnungen von Andreas Lubitz in Düsseldorf und Montabaur gab die Behörde am Freitagnachmittag erste Ergebnisse bekannt.

          Wie sie in ihrer schriftlichen Stellungnahme mitteilte, seien Dokumente medizinischen Inhalts sichergestellt worden, die auf eine bestehende Erkrankung und entsprechende ärztliche Behandlungen hinwiesen. Die Ermittler gehen davon aus, „dass der Verstorbene seine Erkrankung gegenüber dem Arbeitgeber und dem beruflichen Umfeld verheimlicht hat“. Das schließen sie unter anderem aus einer zerrissenen Krankschreibung, die den Angaben zufolge auch den Tag des Fluges umfasst.

          Wie die Staatsanwaltschaft hervorhob, sei weder ein Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben beim Kopiloten der in den Alpen abgestürzten Germanwings-Maschine gefunden worden. Ebenso wenig hätten sich Anhaltspunkte für einen politischen oder religiösen Hintergrund des Geschehens ergeben.

          Schließlich erklärte die Behörde, dass die Vernehmungen in dieser Sache sowie die Auswertung von Behandlungsunterlagen noch einige Tage dauern würden. Sobald belastbare Erkenntnisse vorlägen, werde die Behörde die Angehörigen und die Öffentlichkeit weiter informieren.

          Die Fluggesellschaft Germanwings hat sich nicht zu den Ermittlungsergebnissen geäußert, dass der Kopilot am Unglückstag krankgeschrieben war. Wenn Andreas Lubitz die Krankschreibung nicht von sich aus beim Arbeitgeber eingereicht habe, habe Germanwings davon keine Kenntnis bekommen, sagte ein Sprecher am Freitag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Das sei wie bei anderen Berufen auch.

          Nach momentanem Kenntnisstand der französischen Ermittler hat Andreas Lubitz den Airbus A320 vorsätzlich zum Absturz gebracht und damit sich und 149 weitere Menschen in den Tod gestürzt. Zuvor hatte er den Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt.

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