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Absturz : Die Hälfte aller Flugunfälle passieren bei der Landung

  • Aktualisiert am

Dunkler Rauch steigt von der Absturzstelle auf Bild: dpa

Starts und Landung sind nach Erkenntnissen von Flugexperten die gefährlichsten Phasen bei einem Flug. Hier geschehen nahezu alle Unfälle.

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          Nach einer Untersuchung im Auftrag mehrerer Flugzeughersteller ist der Start und vor allem die Landung die gefährlichste Phase eines Fluges.

          Demnach passieren allein in der Landephase die Hälfte aller Flugzeugunglücke, die Startphase ist mit gut 20 Prozent aber ebenfalls kritisch. Am Boden und hoch in der Luft ereignen sich vergleichsweise wenige Unfälle: Knapp fünf Prozent der Unglücke ereignen sich am Boden und jeweils gut zwölf Prozent beim Flug und dem Sinkflug vor der Landung.

          70 Prozent "menschlicher Faktor"

          In der Studie wurden 1017 Unfälle weltweit zwischen 1959 und 1994 in der gewerblichen Luftfahrt mit Düsenflugzeugen ausgewertet. Als Unfall gelten dabei alle Fälle, in denen ein Flugzeug schwer beschädigt oder Menschen im Zusammenhang mit dem Flug tödlich oder schwer verletzt wurden. Die meisten Unfälle gehen dabei auf Fehler der Besatzung zurück. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig schätzt diesen „menschlichen Faktor“ auf 70 bis 75 Prozent. Für die übrigen Unglücke sind technische Störungen oder das Wetter verantwortlich.

          Start und Landung sind die Phasen, in denen sowohl die Besatzung wie auch das Flugzeug am meisten belastet sind: Die Piloten müssen Funkkontakt zum Boden halten und gleichzeitig unzählige Schalter bedienen, etwa für das Fahrwerk, die Landeklappen und die Triebwerke. Der Stress oder auch Unstimmigkeiten zwischen den beiden Piloten können da vergleichsweise leicht zu Fehlern führen.

          Die Maschine verwandelt sich beim Start von einem Bodenfahrzeug zum Flugzeug und bei der Landung wieder zurück. Hinzu kommt beim Start das besonders hohe Gewicht. Nach einem Flug auf die Kanaren wiegt ein Urlaubsflieger wegen des verbrauchten Treibstoffs etwa 20 Tonnen weniger, bei einem Flug im Jumbo über den großen Teich können es 80 bis 100 Tonnen weniger sein - ein Gewicht, das die Tragflächen zunächst in die Luft hieven müssen.

          "Da kann eine Menge passieren"

          Dass vor allem bei der Landung Unfälle passieren, erklärt die BFU mit den engen Pisten: Beim Start ist das Flugzeug schon auf der Piste, bei der Landung muss der Pilot sie treffen. Vor allem der Bremsvorgang ist dann technisch problematisch. Der Flug in luftiger Reisehöhe gilt für die Piloten dagegen als Phase, „in der man sich mal ausruhen kann“. Danach könne das Umschalten auf volle Konzentration für den Landeanflug schwierig sein, vor allem bei Langstreckenflügen mit Zeitverschiebung, erklären die BFU-Unfalluntersucher. Technisch kann den Piloten vor allem der Ausfall von Geräten oder Triebwerken zu schaffen machen. Die Experten der BFU vergleichen Flugzeuge mit einer kleinen autonomen Stadt: „Da kann eine ganze Menge passieren.“

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