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Abschied von der Mir (Teil 2) : 2.000 Pannen und zwei Katastrophen

  • Aktualisiert am

Nach der Kollision: Schäden am Sonnensegel Bild: dpa

Pannen gehörten zum Alltag auf der Mir. In einigen Fällen geriet das Leben der Crewmitglieder in ernste Gefahr - Grundlage für das Image der Station als fliegender Schrotthaufen.

          Schrott - ein Wort fasst die öffentliche Meinung über die Mir zusammen. Tatsächlich schien die Station noch bis zu ihrem Ende ihrem schlechten Ruf gerecht zu werden. Im Januar drohte der unförmige Flugkörper aus röhrenartigen Modulen und Sonnensegeln unkontrolliert auf die Erde zu stürzen. Der Navigationscomputer war ausgefallen und im russischen Raumfahrtkontrollzentrum machte man sich ernsthafte Sorgen. Doch das Problem wurde gelöst.

          Monument der Improvisationskunst

          Es war die letzte von mehr als 2.000 Pannen, die in 15 Jahren gezählt wurden. Eine riesige Anzahl, die die Station zum monumentalen Beweis der Improvisierfähigkeit der Russen gemacht hat. In so manchem Modul herrschte ein undurchdringliches Gewirr aus Leitungen und Versorgungsschläuchen, und in der Not musste auch schon mal eine Klemme eine Luke dicht halten. Allen Vorfällen zum Trotz hielt die Station durch - mehr als doppelt so lange wie es ihre Konstrukteure geplant hatten.

          Pannen wird es auch auf der ISS geben

          Trotz aller Vorkommnisse wollen die westlichen Astronauten nicht am schlechten Image der Station mitbasteln. „In meinen Augen ist das ungerechtfertigt“, sagt ESA-Astronaut Ulf Merbold, 1994 für einen Monat an Bord. Selbst Reinhold Ewald, der 1997 den Brand auf der Mir miterleben musste, will nicht auf die Station schimpfen. Jede Mir-Panne könne oder werde eines Tages auch auf der Internationalen Raumstation ISS geschehen, betont er.

          Das Katastrophenjahr

          1997 war das katastrophalste aller Mir-Jahre. Der Brand an Bord brach am 23. Februar aus. Die betagte Sauerstoffanlage war überlastet, beim Aktivieren einer Reserveanlage brach das Feuer aus. Nur mit Mühe konnte die Crew die Flammen ersticken - zuletzt nur mit einem nassen Handtuch. Fast noch schlimmer als der Brand selbst war der Rauch, der erst nach drei Tagen aus der Atemluft gefiltert war; schließlich kann man im Weltraum nicht einfach das Fenster öffnen, um frische Luft hereinzulassen. Einen Monat später war die Atemluft erneut verseucht. Diesmal waren gesundheitsschädliche Stoffe aus einem Leck im Kühlsystem ausgetreten. Wieder dauerte es Tage bis die Luft rein war.

          Am 25. Juni bangte die Welt erneut um die Besatzung der Mir. Das Andockmanöver eines unbemannten Progress-Frachters misslang. Das Schiff rammte die Station, beschädigte das zentrale Modul Spektr und die Sonnensegel. Aus den beschädigten Außenwänden entwich Luft, zeitweise musste das Modul aufgegeben werden - ein lebensdrohende Situation für die Besatzung. Durch die Schäden am Sonnensegel wurde die Station nicht mehr ausreichend mit Energie versorgt, ließ sich zudem nicht mehr korrekt ausrichten. Fünf Monate trieb die Station schwer angeschlagen durchs All. Erst der Austausch des Navigationscomputers brachte sie wieder auf Kurs.

          Aufgabe der Station diskutiert

          In dieser größten Krise wurde im Moskauer Raumfahrtkontrollzentrum zeitweise diskutiert, die Mir aufzugeben. Doch der unförmige Flugkörper erwies sich als widerstandsfähig. Man muss die Mir offenbar gezielt abstürzen lassen, um sie los zu werden.

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