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Abgebrochener Stierkampf : „Auch Toreros weinen“

  • -Aktualisiert am

In die Luft geschleudert: David Mora Bild: AFP

Die drei Toreros, die bei einem Stierkampf in Madrid schwer verletzt wurden, denken schon an die nächste Corrida. Und noch vom Krankenhausbett aus verteidigen sie Ehre und Existenzberechtigung ihrer Zunft.

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          Der „Tod am Nachmittag“ war sehr nahe am Dienstag in der Madrider Stierkampfarena Las Ventas. Am nächsten kam er David Mora, der den ersten der sechs Stiere dieser Corrida auf Knien erwartete und von zwei Hornstößen schwere Wunden im Unterarm und im Oberschenkel davontrug. Er war am Donnerstag außer Lebensgefahr. Antonio Nazaré, der Moras „Arbeit erledigte“, wurde auch am rechten Knie verletzt und musste in die Chirurgie. Er müsste nun eigentlich, wie die Ärzte sagen, sechs Wochen pausieren, will aber am 19. Juni programmgemäß schon wieder in Sevilla in der Arena stehen. Saúl Jiménez Fortes, der dritte Matador, der vom zweiten Stier mit drei Hornstößen verletzt wurde, hat es noch eiliger. Der Sohn der ehemaligen Torera Mary Fortes steht schon am Ende nächster Wochen wieder auf den Plakaten in Córdoba.

          Einen solchen abgebrochenen Stierkampf, der vier Kampfstieren – vorerst – das Leben rettete, hatte es in dem Madrider „Tempel der Tauromachie“ seit 35 Jahren nicht mehr gegeben. „Was denken nun die Feinde der Fiesta, die immer das Schicksal des 'armen Stiers' beklagen und dabei ignorieren, dass es sich um eines der wildesten Tiere handelt, die es gibt?“ Diese Frage stellte am Donnerstag der Stierkampfkritiker der Zeitung „ABC“ Andrés Amorós. Er beantwortete sie nicht, legte dafür aber ein gutes Wort für ein blutiges Schauspiel ein, bei dem es darum gehe, „ein enormes Risiko zu überwinden und Schönheit und Größe zu schaffen“.

          „Das ist kein Theater“

          Antonio Nazaré schlug vom Krankenbett aus in die gleiche Kerbe, um die Ehre und Existenzberechtigung seiner Zunft zu verteidigen: „Jener Nachmittag macht die Fiesta und ihre Wahrheit nur noch größer. Manchmal ist es ein Krieg. Dies ist kein Theater. Hier wird wirklich gestorben.“ Das mag die Tierschützer zwar nicht beschwichtigen. Nazaré gab aber einen Einblick in das Innenleben und die Philosophie eines mehr als gefährlichen Spiels, als er noch hinzufügte: „Auch Toreros weinen.“ Ihm kamen die Tränen, als er, schon verletzt, sah, wie der ihm folgende Saúl Jiménez Fortes aufgespießt wurde, und er ihm nicht zu Hilfe kommen konnte.

          Während ganze Prozessionen von Verwandten, anderen Matadoren, Pikadoren, Banderilleros, Stierzüchtern und einfachen Aficionados als tröstende Besucher in die Madrider Krankenhäuser zogen, in denen die drei Toreros behandelt werden, richtete sich der Blick auf die „erste Hilfe“ in der Las-Ventas-Arenas. Dort hat Chefchirurg Máximo García-Padrós seinem Patienten David Mora, der durch eine zerrissene Arterie schon viel Blut verloren hatte, mit einem raschen Eingriff und mehreren Transfusionen das Leben gerettet. Nicht weniger dankbar können ihm die beiden anderen Toreros sein, die der erfahrene Arzt außer Gefahr brachte.

          Der Operationssaal von Las Ventas, die zu den größten und renommiertesten Arenen Spaniens zählt, ist einer der bestausgerüsteten und mit einer erstklassigen medizinischen Mannschaft versehen. Wer denkt, dass die Ärzte und Krankenpfleger während der Corrida gelegentlich von ihrem Arbeitsplatz ohne natürliches Licht ein paar Schritte ins Freie treten und von den Rängen aus das Geschehen unten beobachten, täuscht sich. Sie verfolgen gleichwohl jede Faena mit großer Aufmerksamkeit, um im Fall einer Verletzung zu wissen, was genau wo passiert ist. Aber sie tun das auf einem Fernsehschirm in der Notaufnahme.

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