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50 Jahre Raumfahrt : Schockierende Kugel

  • -Aktualisiert am

Das erste offizielle Bild des russischen Satelliten Sputnik 1 Bild: ASSOCIATED PRESS

Die Russen eröffneten mit Sputnik das Raumfahrt-Zeitalter - und setzten die Amerikaner unter Druck. Erst nachdem die Russen einen Erfolg nach dem anderen eingefahren hatten, konnten die Amerikaner mit den Apollo-Missionen glänzen.

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          Gedacht war sie nur als rascher Ersatz für einen richtigen Forschungssatelliten - die polierte Kugel, die am 4. Oktober 1957 von Kasachstan aus in den Weltraum gebracht wurde und in den folgenden Wochen als erster künstlicher Trabant die Erde umkreiste. Sputnik 1 brachte der Sowjetunion einen Propaganda-Erfolg, mit dessen Ausmaß nicht einmal die Verantwortlichen gerechnet hatten.

          Nicht nur in der Sowjetunion waren die Leute vom überraschenden Vorstoß in den Weltraum begeistert. Überall auf der Welt versuchten Funkamateure, das Piep-Piep von Sputnik 1 zu empfangen, und überall hielten Menschen Ausschau nach dem neuen Lichtpunkt, der da über den Himmel zog. Der Westen dagegen fiel aus allen Wolken: Er hatte der technisch für unterlegen gehaltenen Sowjetunion den frühen Vorstoß in den Weltraum nicht zugetraut und es für sicher gehalten, dass der erste Erdsatellit aus den Vereinigten Staaten kommen werde.

          „Künstlicher Begleiter der Erde“

          Von Moskaus Chefkonstrukteur Sergej Koroljow wusste die Öffentlichkeit damals noch nichts, schon gar nicht, dass er das Zeitalter der Raumfahrt mit einem weit größeren Satelliten hatte einläuten wollen, dem späteren Sputnik 3, mit dem man tatsächlich Forschung betreiben konnte. Aber dessen Entwicklung hatte sich verzögert, so dass Koroljow im September 1957 den Bau von Sputnik 1 beschloss - „Iskustwienny Sputnik Zemlie“, „Künstlicher Begleiter der Erde“. Das war eine Kugel von 58 Zentimeter Durchmesser und 83,6 Kilogramm Gewicht, deren zwei Sender aus einer Flughöhe zwischen 229 und 946 Kilometern nur Temperatur- und Druckwerte aus der Kapsel zur Erde übertrugen: ein eintöniges Piep-Piep.

          Ein russischer Dokumentarfilm zeigt den Start von Sputnik 1

          Obwohl Koroljow also sein Ass, den großen Forschungssatelliten, gar nicht ausspielen konnte, traf der Coup mit Sputnik 1 den Westen wie ein Schlag. Im Juli 1955 hatten die Vereinigten Staaten angekündigt, sie wollten im Internationalen Geophysikalischen Jahr, das für die Zeit vom 1. Juli 1957 bis zum 31. Dezember 1958 angesetzt worden war, einen Forschungssatelliten in eine Erdumlaufbahn bringen. Dass zwei Tage später Leonid Sedow, Mitglied der sowjetischen Akademie der Wissenschaften, auf einem Kongress in Kopenhagen einen vergleichbaren Plan der Sowjetunion für denselben Zeitraum bekanntgab, wurde nicht weiter beachtet.

          „Kriegsbeute“ ins Land geholt

          In den Vereinigten Staaten war man der Meinung, für den Start in das Zeitalter der Raumfahrt viel besser gerüstet zu sein. Die meisten der Peenemünder Wissenschaftler und Ingenieure unter Wernher von Braun, die im Zweiten Weltkrieg die erste Großrakete der Welt, die V 2, entwickelt hatten, waren nach Amerika geholt worden. Außerdem konnte man sich auf die Erfahrungen Robert H. Goddards beim Bau der Flüssigkeitsrakete stützen. Doch Rivalitäten in den amerikanischen Streitkräften führten zu Rückschlägen. Im August 1955 fiel die Entscheidung, der erste Satellit Washingtons solle mit einer Vanguard-Rakete der Marine in den Weltraum gebracht werden. Inspektoren des Pentagons sorgten penibel dafür, dass von Brauns Raketen beim Heer nicht die aktive vierte Stufe erhielten, mit der sie zum Satellitenträger hätten werden können.

          Auch die Sowjetunion trieb den Bau von Großraketen voran. Dort konnte man sich auf die theoretischen Arbeiten Konstantin Ziolkowskis stützen, aber auch auf die praktischen Erfahrungen der seit langem bestehenden und leistungsfähigen Raketengruppen Mosgird (in Moskau) und Lengird (in Leningrad). Zusätzlich hatte man nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls - wenngleich in kleinerer Anzahl - deutsche Wissenschaftler und Ingenieure mit einschlägigen Erfahrungen als „Kriegsbeute“ ins Land geholt. Sie lieferten das Knowhow der V-2-Entwicklung und gleichsam im Nachbau die erste russische Großrakete, die R-1. Am Bau der daraus entstandenen ersten Interkontinentalrakete R-7 waren die Deutschen dann nicht mehr beteiligt. Sie wurde dann in leicht abgewandelter Form zur Trägerrakete für die Raumfahrt.

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