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38 Millionen Euro im Jackpot : Fragen an das Lotto-Glück

  • Aktualisiert am

Diese Zahl verzaubert die Lottospieler - und andere Bild: ddp

Alle wollen an das große Geld, wenn Lottofee Franziska Reichenbacher an diesem Samstag zur Ziehung der Jackpot-Zahlen schreitet. Axel Wermelskirchen fasst zusammen, was man wissen sollte, wenn man die 38 Millionen Euro gewinnen will.

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          Die Gelegenheit, mit zwölf Strichen in sechs Kästchen aus 75 Cent 38 Millionen Euro zu machen, kommt nicht alle Tage. Deshalb werden die 24.500 Lotto-Annahmestellen in Deutschland seit Tagen förmlich überrannt. Alle wollen an das große Geld, wenn Lottofee Franziska Reichenbacher an diesem Samstag in der ARD zur Ziehung der Jackpot-Zahlen schreitet. Axel Wermelskirchen beantwortet die wichtigsten Fragen.

          Was ist überhaupt los?

          „Die Leute stehen Schlange bis auf die Straße“, sagt am Freitag Barbara von Aufschnaiter von „Tobacco Exclusiv“ in der Bad Homburger Louisenstraße. „Ich vermute, die Einsätze sind doppelt so hoch wie normalerweise.“ Sie betreibt das Geschäft und die Lotto-Annahmestelle seit 1969. „Dieser Tage kommen auch Leute, die für 700, 800, 1000 Euro Lotto spielen, um den Jackpot abzuräumen. Beim Scheinausfüllen wird geträumt. Die meisten sagen, sie wüssten gar nicht, was sie mit den 38 Millionen machen sollen, wollen aber auf jeden Fall etwas spenden, für Kinder, für Alte. Sonst sind es die üblichen Wünsche: ein schönes Haus, viele Reisen. Und der alte Kalauer, dass man dem Chef sofort den Bettel hinwirft.“ Barbara von Aufschnaiter findet es richtig, dass der Jackpot nicht endlos größer werden kann, sondern spätestens am 12. Dezember zwangsausgeschüttet wird. Dann genügen schon sechs Richtige oder - wenn auch die niemand erreicht - fünf Richtige mit Zusatzzahl.

          Kann man das Geld nicht verteilen?

          Von Sachsens Lottospielern waren am Freitag klassenkämpferische Töne zu hören. Nicht wenige Spieler, so wurde berichtet, hätten in den Annahmestellen angerufen und gefordert, den Jackpot auf die unteren Gewinnklassen zu verteilen. Das aber verbietet das Reglement. Ohnehin: Die allermeisten Lottospieler, also wir alle, die wir noch nie richtig was gewonnen haben, können uns wohl der Erkenntnis nicht verschließen, dass Lottospielen nicht gerade die schärfste Waffe im Kampf gegen die Ungerechtigkeit der Welt ist.

          Wie tippe ich am besten?

          Möglichst Zahlen am Rand des Kästchens nehmen, nicht solche in der Mitte, die tippen die meisten. Zahlenmuster oder Grafiken wie Weihnachtsbäume vermeiden. Wenn solche Zahlen gezogen werden, muss man sich den Jackpot mit vielen anderen teilen. Beispiele: Am 23. Januar 1988 werden die beiden Drillinge 24, 25, 26 und 30, 31, 32 gezogen. Diese sechs Richtigen haben damals nicht weniger als 222 Spieler. Resultat: Jeder von ihnen bekommt 84.803,90 Mark. Am 10. April 1999 werden die Zahlen 1, 2, 3, 4, 5 und 26 gezogen. Die Folge: 38.008 Spieler mit fünf Richtigen bekommen je 194,24 Euro. Über den niedrigsten Gewinn für fünf Richtige mit Zusatzzahl dürfen sich am 15. Februar 2003 insgesamt 25.141 Spieler ärgern. Sie erhalten je 201,30 Euro. Die Gewinnzahlen bildeten eine Reihe auf dem Tippschein: 4, 6, 12, 18, 24, 30, Zusatzzahl 36.

          Warum gewinnen immer die anderen?

          Weil es nach den Regeln der Kombinatorik 139.838.160 Möglichkeiten gibt, sechs Richtige und die richtige Superzahl zu tippen. Alle denkbaren Reihen zu spielen würde etwa 120 Millionen Euro kosten. Den höchsten Gewinn strich am 7. Oktober 2006 ein 41 Jahre alter Krankenpfleger aus Westfalen ein: Im Jackpot waren 37,7 Millionen Euro. Dem Mann reichte damals ein Spieleinsatz von 9,50 Euro.

          Wer gewinnt immer?

          Knapp die Hälfte der Einnahmen gehen als Gewinne an die Gemeinschaft der Tipper (siehe Grafik). Knapp 40 Prozent der Einnahmen erhält der Fiskus. Merke: Während sich bei jeder Ziehung nur wenige Spieler freuen können, freut sich der Fiskus bei jeder Ziehung.

          Schein oder nicht Schein?

          Gewinnen ist ja so einfach: Man nimmt den Lottoschein, tippt und gibt den Lottoschein bei der Annahmestelle ab. Aber immer einmal wieder kommt es im Gewinnfall zu herz- und sonstwaszerreißenden Szenen, wenn nämlich ein Spieler den Lottoschein genommen hat, getippt hat - und ihn abzugeben vergessen hat. Übrigens: Für Baden-Württemberg, dessen Lottogesellschaft gerade den Vorsitz des Deutschen Toto-Lotto-Blocks innehat, werden die Lottoscheine im Druckhaus Karlsruhe hergestellt, pro Jahr etwa 200 Millionen. Vom Druckhaus gehen sie zu den zwölf Bezirksdirektionen und von dort zu den etwa 3600 Annahmestellen des Landes.

          Wie gewinne ich richtig?

          Spätestens am zweiten Morgen nach dem einschneidenden Ereignis sollte die Champagnerzufuhr gedrosselt werden. Wer bis dahin nicht schon allen Freunden, Verwandten und Kollegen trunken vor Glück von demselben erzählt hat, sollte klaren Kopf gewinnen. Die abschreckendsten Beispiele für glücklose Millionengewinner sind Lotto-Lothar und Lotto-Claus. Lothar Kuzydlowski, arbeitsloser Teppichleger, gewann 1994 fette 7,8 Millionen Mark. Als Erstes kaufte er sich einen feuerroten italienischen Luxuswagen, und auf sein Goldarmband ließ er sich drei L gravieren für Lotto, Lothar, Lamborghini. „Nur das L für Leber hat gefehlt“, soll seine Freundin gesagt haben, als Lotto-Lothar alles verprasst hatte und 1999 an Leberzirrhose starb. Lotto-Claus, arbeitsloser Fliesenleger und dreifacher Vater aus Thüringen, gewann 1997 gut eineinhalb Millionen Mark. Als das Geld weg war, wollte er nicht wieder von Sozialhilfe leben, weil er sich schämte. Sieben Jahre später wurde er wegen 60 Diebstählen und Einbrüchen zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

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