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13 Tote bei Busunglück : Suche nach der Unfallursache

  • Aktualisiert am

Das Wrack des demolierten Reisebusses Bild: ddp

Einen Tag nach dem schwersten Busunglück in Deutschland seit 15 Jahren werden am Dienstag Details zum Umfallhergang erwartet. Auf der Autobahn Dresden-Magdeburg waren bei einem Verkehrsunfall 13 Menschen ums Leben gekommen.

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          Einen Tag nach dem schwersten Busunglück in Deutschland seit 15 Jahren werden an diesem Dienstag Details zum Umfallhergang erwartet. Auf der Autobahn Dresden-Magdeburg waren am Montag bei einem Verkehrsunfall 13 Menschen ums Leben gekommen und 36 verletzt worden, einige von ihnen schwer.

          Bei mindestens zwei Menschen war der Zustand nach Angaben der Polizei auch am frühen Dienstagmorgen noch kritisch. Das Unglück hatte nach ersten Erkenntnissen der Polizei ein unaufmerksamer Lastwagenfahrer verursacht, der vermutlich ungebremst auf den Bus auffuhr. In dem mit 49 Menschen besetzten Bus war eine Seniorengruppe aus Hopsten in Nordrhein-Westfalen auf dem Weg zu einer Städtereise nach Dresden.

          Opfer für Stunden eingeklemmt

          Das Fahrzeug kam am Montagnachmittag auf der Autobahn 14 zwischen Plötzkau und Könnern in Sachsen-Anhalt von der Straße ab, stürzte einige Meter eine Böschung hinab und blieb auf dem Dach liegen. Viele Opfer wurden in dem Wrack eingeklemmt und konnten zum Teil erst nach Stunden gerettet werden.

          Bergung des Wracks am Montagabend
          Bergung des Wracks am Montagabend : Bild: ddp

          Die Unfallursache ist noch unklar. Der Busfahrer war laut Polizei langsam gefahren, als er von dem Lastwagen von hinten gerammt wurde. Der 46 Jahre alte Lkw-Fahrer wurde bei dem Unfall verletzt und kam in ein Krankenhaus. Zu seinem Gesundheitszustand wie auch der anderen Verletzten lagen der Polizei in der Nacht keine neuen Erkenntnisse vor. Nach den Aufräumarbeiten wurde die Sperrung der Autobahn in der Nacht aufgehoben, teilte die Polizei in Dessau mit. Seit 0.30 Uhr sei der Streckenabschnitt wieder in beiden Richtungen befahrbar.

          Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer und Nordrhein-Westfalens Regierungschef Jürgen Rüttgers (beide CDU) äußerten sich bestürzt und sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Tiefensee sagte am Abend am Unfallort: „Meine Gedanken sind bei den Angehörigen, die plötzlich so viel Leid auszuhalten haben.“

          Der Unfall war das schwerste Busunglück seit September 1992. Damals starben bei Donaueschingen im Schwarzwald 21 Menschen.

          Die schwersten Busunfälle der vergangenen Jahre:

          21. Mai 1996 - Vier deutsche Touristen kommen beim Frontalzusammenstoß eines Busses mit einem Lastwagen in der Nähe des türkischen Ferienortes Antalya ums Leben.
          25. November 1997 - Beim Zusammenstoß zweier Reisebusse im Westen der Türkei kommen 13 Menschen, darunter acht deutsche Urlauber, ums Leben.
          28. Juli 1998 - Auf der Urlaubsfahrt nach Spanien werden bei einem Busunglück in der Nähe der Kleinstadt Savasse im Rhône-Tal sieben Reisende getötet, darunter drei Deutsche.
          6. Dezember 1998 - Vier Rentner sterben in Österreich, als ihr Reisebus auf der steilen, schneebedeckten Zufahrtstraße zu einem Hotel in Windischgarsten im Bezirk Kirchdorf an der Krems eine acht Meter tiefe Böschung hinabstürzt.
          16. Oktober 1999 - Beim Zusammenprall eines Lastwagens mit einem Reisebus kommen in der Westtürkei in der Nähe der Stadt Milas vier deutsche Urlauber und drei Türken ums Leben.
          21. August 2000 - Ein Reisebus wird in einer Baustelle auf der Westautobahn A1 bei Pöchlarn in Niederösterreich von einem in entgegengesetzter Richtung fahrenden Lastzug gerammt, dabei kommen acht Jugendliche aus Deutschland ums Leben.
          21. Juli 2002 - Nördlich von Berlin fährt auf der A24 ein Bus in ein Stauende. Sechs Menschen kommen ums Leben, darunter fünf Kinder.
          25. November 2002 - Bei der Kollision eines Kleintransporters mit einem Reisebus auf der Autobahn Hamburg-Berlin werden vier Menschen getötet.
          10. Januar 2003 - Drei Tote und 45 Verletzte sind die Folge eines schweren Busunfalls auf der bayerischen Inntalautobahn. Ein voll besetzter belgischer Reisebus wird nacheinander von zwei Lastwagen gerammt.
          8. Mai 2003 - Beim Zusammenstoß eines mit deutschen Touristen besetzten Reisebusses mit einem Passagierzug sterben nahe der ungarischen Ortschaft Siófok am Plattensee 32 Menschen.
          17. Mai 2003 - Ein Reisebus aus Hannover kommt bei strömendem Regen auf der Autobahn nördlich von Lyon von der Fahrbahn ab und stürzt eine Böschung hinunter. 28 Insassen kommen ums Leben.
          7. Juni 2003 - Ein deutscher Doppeldeckerbus verunglückt auf der Autobahn in der Nähe der italienischen Stadt Vicenza. Sechs Insassen kommen ums Leben, darunter ein Kind.
          24. August 2003 - Ein mit 23 Passagieren besetzter Reisebus kommt auf der Fahrt von München nach Kiel bei Weißenfels in Sachsen-Anhalt von der A9 ab und stürzt die Böschung hinunter. Dabei werden fünf Menschen getötet.
          19. Dezember 2003 - Bei einem schweren Unfall eines deutschen Reisebusses nahe der belgisch-französischen Grenze sterben elf Insassen, darunter zehn Deutsche.
          24. Januar 2004 - Mit überhöhter Geschwindigkeit rast ein dänischer Reisebus auf dem Weg in die Skiferien in Österreich auf der A9 in Thüringen in zwei stehende Lastwagen. Drei Fahrgäste werden getötet.
          4. August 2005 - Beim Zusammenstoß eines Busses mit einem Lastwagen in der Region Kurgan im Westen Sibiriens kommen neun Menschen ums Leben, darunter sechs Deutsche.
          9. Februar 2006 - Ein auch mit Schülern besetzter Linienbus stößt im Landkreis Hameln-Pyrmont auf schneeglatter Fahrbahn mit einem Sattelzug zusammen, dabei werden mindestens drei Fahrgäste getötet.
          28. Januar 2007 - Bei einem Busunfall auf der A3 bei Würzburg werden mehr als 40 belgische Winterurlauber teils lebensgefährlich verletzt.

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