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11. September : Die unsichtbare Grube

Wo einst die Zwillingstürme standen Bild: AP

„Ground Zero“ drei Jahre danach: An den Tag, als hier das "World Trade Center" in Schutt und Asche fiel, erinnert an der eigentlichen Stelle vor allem die getrübte Leere.

          2 Min.

          Von "Ground Zero" ist wenig zu sehen. Um das vier Hektar große Gelände im Süden von Manhattan ist ein hoher Zaun gezogen, der die Sicht behindert. Immer endet der Blick am engen Kästchenmuster aus Stahl. Auf den Zaun sind oft halb durchsichtige große Transparente gespannt, mit Merksätzen wie: "Wer in New York leben kann, kann überall leben."

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          An den Tag vor drei Jahren, als hier das "World Trade Center" in Schutt und Asche fiel, erinnert an der eigentlichen Stelle vor allem die getrübte Leere. Nur das sechs Meter hohe Stahlträgerkreuz ist zu erkennen. Die Arbeiter haben es stehenlassen. In dem siebengeschossigen Loch erahnt man Bauarbeiter, Bagger, Planen, Wasserlöcher. Und Blechdächer im Halbkreis: Sie schützen den Path-Zug. Der "Port Authority Trans-Hudson" verbindet den Süden von Manhattan mit New Jersey.

          Studenten verlesen Lebensläufe der Opfer

          Früher kamen die Leute von drüben hier an und konnten trockenen Fußes ins Büro gehen. Heute eilen sie über neue Aufgänge hinaus, stehen Touristen gegenüber und gehen an den Studenten vorbei, die kurze Lebensläufe der Opfer verlesen. Rund um die Grube ist viel zu sehen. An der Nordseite wird der Trade-Center-Turm Nummer sieben wieder aufgebaut. An der Pauls-Kapelle, damals Anlaufpunkt für viele Helfer, erinnert die "Bell of Hope" an den Tag.

          Wie eine offene Wunde in Manhattan

          Das Discount-Warenhaus Century 21 trägt noch eine alte Plakette, die auf den Komplex verweist, der damals gegenüber stand: "An jedem Wochentag arbeiten hier 50.000 Menschen auf zwölf Millionen Quadratfuß Büro-, Hotel- und Ladenfläche. An einem Tag können 10.000 Besucher mit den Nonstop-Expreßaufzügen fahren, von der Lobby zum 107. Stockwerk in 82 Sekunden, um die spektakuläre Aussicht zu genießen." Am Feuerwehrhaus in der Liberty Street steht eine Tafel mit den Gesichtern der drei Toten aus dieser Wache.

          Untergrund-Bahnfahrt mit Blick auf die Grube

          Auch der Übergang zum World Financial Center ermöglicht keinen Blick. Wo man zum Fotografieren ans Fenster treten könnte, ist ein Absperrband gespannt. Erst im World Financial Center, hinter der breiten West Street, hat man durch die schmutzigen Scheiben einen Ausschnitt. Man muß hinuntergehen in den neuen Path-Bahnhof am Rand der Grube. Hier unten, am Übergang zur U-Bahn-Linie E, schreitet man noch auf ein paar Metern über alte Travertin-Platten und wird auf einer Plakette auch gleich darauf hingewiesen. Vom Bahnhof am Rande der Grube wieder kein Blick.

          Man muß eine Fahrkarte nach New Jersey lösen, mit den Pendlern den Zug Richtung Jersey City oder Newark besteigen, sieben Minuten lang unter dem East River hindurch und über die Bundesstaatengrenze fahren, an der ersten Haltestelle, Exchange Place, aussteigen, den Bahnsteig wechseln, Richtung "World Trade Center" zurückfahren, sich in Fahrtrichtung links setzen, wieder unter den Fluß abtauchen, fünf Minuten, dann wird es hell, der Zug ruckelt langsamer im Halbkreis, und in den Fenstern links sieht man: die Grube. Von hier unten sieht sie größer aus als von jedem anderen Ort der Welt. Fotografieren darf man hier eigentlich nicht. Der einzige freie Blick auf die Baugrube, die immer seltener "Ground Zero" genannt wird, ist per Verordnung beschränkt. Vielleicht hat deshalb hier unten niemand an einen Zaun gedacht.

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