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100 Jahre Edersee : Ein Feriensee taucht wieder auf

  • -Aktualisiert am

47 Meter hoch, 400 Meter breit: Die 100 Jahre alte Staumauer des Edersees Bild: dpa

Der Edersee wird 100 Jahre alt. Einst von zentraler Bedeutung für die Binnenschifffahrt, hat sich das Freizeitparadies inzwischen zur beliebtesten Ferienregion in Hessen entwickelt.

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          Der Edersee spannt sich in seinem Tal unterhalb des Schlosses Waldeck, als wäre er eine Schöpfung der Romantik. Mal erscheint er unwirklich fern zwischen bewaldeten Hängen und unter weiß-grauen Nebeln, mal als schneebedeckte eisige Ebene, mal unter dem blauen Himmel eines sorgenfreien Sommertages, an dem die Boote über das Wasser fliegen und die Menschen am Ufer liegen.

          Für ganze Generationen ist das der Inbegriff eines Ausflugs in die Natur mitten in Deutschland. Dabei ist die Natur hier eine Illusion. Denn am südöstlichen Ende des Sees fällt der Blick vom Schloss auf ein gewaltiges Bauwerk, das von den Tosbecken auf der anderen Seite aus betrachtet steil und bedrohlich aufragt. Die Edertalsperre ist ein Geniestück der Ingenieurkunst und trotz ihrer Höhe von 47 Metern und der Breite von 400 Metern doch nur ein kleiner Baustein in einem Gesamtbauwerk von kontinentalem Rang, das Duisburg-Ruhrort als größten Binnenhafen und Dortmund als den größten Kanalhafen Europas über künstliche und natürliche Wasserstraßen quer durch Norddeutschland mit Bremen, Hannover, Magdeburg, Berlin, Stettin und Dresden verbindet.

          Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden im westlichen Quellgebiet der Weser die Eder und die Diemel aufgestaut, um mit Hilfe der beiden Talsperren den Wasserstand auf der Oberweser und im Mittellandkanal zu regulieren. Wegen der Bedeutung für die deutschen Wasserstraßen sind das bis heute die einzigen Talsperren in Obhut der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Vor 100 Jahren war der Bau der Edertalsperre vollendet, und der Deutsche Kaiser wollte die Mauer am 25. August 1914 offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Doch wegen des damals eben erst ausgebrochenen Konflikts, der später als der Erste Weltkrieg in die Geschichte eingehen sollte, staute die Mauer fortan auch ohne die guten Wünsche des Kaisers erfolgreich die Eder auf 27 Kilometern Länge auf – und lieferte aus dem Wasserreservoir von 199,3 Millionen Kubikmetern Zuschusswasser für den Mittellandkanal, diente der Niedrigwasser-Aufhöhung der Oberweser, verhinderte ungezählte Hochwasser an Eder, Fulda und Weser und stellte schließlich aufgestaute Kraft zur Erzeugung von Strom bereit.

          Renaissance der Weserschifffahrt

          Schon im 16. Jahrhundert gab es erste Überlegungen, die norddeutschen Flüsse miteinander zu verbinden. Doch große Lösungen, wie sie in Frankreich zur Erschließung des Landes verwirklicht wurden, gelangen in Deutschland lange nicht. Das preußische Abgeordnetenhaus diskutierte um 1890 den Bau eines ausgedehnten Kanalsystems, um das reiche rheinisch-westfälische Industriegebiet mit den agrarisch strukturierten und bis heute dünn besiedelten Landesteilen im Osten zu verbinden. Vor allem der Stadtstaat Bremen hatte ein Interesse an einer besseren Verbindung. Er schloss 1899 einen Staatsvertrag mit Preußen und verpflichtete sich zum Bau eines Kanals nach Minden, doch die Preußen lehnten ab und entschieden sich erst sechs Jahre später mit der Verabschiedung des Gesetzes „betreffend die Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen“ vom 1. April 1905 für eine umfassende Lösung. So hatte der Gesetzgeber die Grundlage jener Wasserstraßen samt ihrer Infrastruktur geschaffen, die bis heute den Norden Deutschlands durchziehen. Der Bau der Waldecker Talsperre begann 1908.

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