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100 Jahre Edersee : Ein Feriensee taucht wieder auf

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Freilich hat sich die Bedeutung der Wasserstraße im „Modal-Split“ der Verkehrsträger gewandelt. Schienen-, Straßen- und Luftverbindungen kamen hinzu und traten in Konkurrenz zum Binnenschiff. Auf der Oberweser und ihren Zuflüssen, mit den Hafenstädten Wanfried an der Werra, Kassel und Rotenburg an der Fulda, kam der Schiffsverkehr nach und nach zum Erliegen, während sich der Edersee zu einem Ferien- und Freizeitparadies wandelte. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg, in dem der Edersee neben dem Nationalpark Kellerwald liegt, entwickelte sich mit drei Millionen Übernachtungen im Jahr zu Hessens beliebtester Ferienregion.

Aber inzwischen erlebt die Weserschifffahrt eine Renaissance. Denn das Straßennetz verschleißt, immer mehr Autobahnbrücken sind mit schweren Lasten nicht mehr zu befahren, der nordhessische Maschinenbau wird in der Weltwirtschaft wichtiger, und man entdeckt die ökologischen Vorteile des Binnenschiffs wieder. Etwa ein Dutzend Transporte von Investitionsgütern mit einem Gewicht von durchaus mehreren 100 Tonnen aus einem nordhessischen Unternehmen werden jährlich von Hannoversch Münden aus gen Norden verschifft. Weil die Oberweser ein sehr flaches Gewässer ist, bedarf es für diesen Transport spezieller Schiffe und vielfach einer Welle, die 17 Stunden zuvor aus dem Edersee abgelassen wird, denn so lange braucht das Wasser aus dem Edersee, bis es die Weser erreicht, um von Hannoversch Münden aus nach weiteren 50 Stunden in Minden einzutreffen.

Regulierung des Wasserstands notwendig

Mit dem kostbaren Wasser im Feriensee muss man also sparsam umgehen. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in Hannoversch Münden verlangt daher geeignete Wasserfahrzeuge mit geringem Tiefgang und die Bündelung der Transporte. Denn nach zehn Abgabewellen kann der Edersee schon leer sein. Die Leiterin des Amtes, die Ingenieurin Katrin Urbitsch, muss es den Touristikern am Edersee und an der Oberweser, wo auch Ausflugsschiffe fahren, recht machen. Die Unterlieger der Talsperren verlangen weiterhin nach Hochwasserschutz, die Energieerzeuger am Fuß der Sperrmauer nach Wasserkraft zum Betrieb ihrer Turbinen. Die Wassersportler wollen Flottwasser unterm Kiel haben. Die Fliegenfischer mögen eine ruhig fließende Eder. Aal und Haubentaucher verlangen nach der Laich- und während der Brutzeit nach einem konstanten Wasserstand im Edersee. Der Fischlaich erfröre im Sediment, wenn das Wasser zu weit abgelassen würde, und die Nester der Wasservögel liefen auf Grund.

Darum misst die Behörde den Zufluss in den Edersee und steuert den Abfluss. Das ist leichter gesagt als getan. Denn das Einzugsgebiet des Sees umfasst 1443 Quadratkilometer. Zwischen der Quelle der Eder und dem Stausee liegen etwa 100Flusskilometer. Für diesen Weg benötigt das Wasser etwa einen Tag. Die Behörde misst nicht nur den Wasserstand der Eder, sondern berücksichtigt die Aufnahmefähigkeit des Bodens bei Regen und im Winter die Schneehöhen. Für den Hochwasserschutz an der Fulda und der Oberweser müssen die Mitarbeiter des Amtes den Blick bis in den Thüringer Wald, die Rhön und ins kurhessische Bergland richten, denn in der Fulda fließt nahezu alles Wasser aus der westlichen Rhön, dem nördlichen Hessen und dem östlichen Sauerland zusammen, während die Werra das Wasser aus den regenreichen Westhängen des Thüringer Waldes und aus ihrem eigenen Tal mitbringt.

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