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Gravierende Folgen : Wie gefährlich ist Mikroplastik?

Nach dem Mikroplastik kommt das Nanoplastik

Studien des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, zeigen seit Jahren, wann und wie Speisefische und Pflanzenfresser Mikroplastik fressen – und was der Eintrag für die Umwelt bedeutet. „Die Wechselwirkungen zwischen großen marinen Organismen und Mikroplastik sind gänzlich anderer Natur als diejenigen zwischen Mikroorganismen und Plastik.“ Fische und Muscheln im Sediment unterscheiden nicht zwischen Plankton und Mikroplastik. Doch nicht nur Fische sind betroffen. Auch Menschen essen Mikroplastik mit. Kommt beim Backen eines Kuchens der Mixer im Plastik-Rührtopf an den Rand, entsteht Abrieb, im schlimmsten Fall wird im Ofen krebserregendes Formaldehyd freigesetzt. Küchenmaterialien sind dennoch eher unkritisch, sagt Fath, da sie kaum Additive wie Flammschutzmittel, UV-Stabilisatoren und Farbstoffe beinhalten. Dieses Mikroplastik wird im Darm wieder extrahiert. Ein anderes Beispiel ist Meersalz zum Kochen: Fath hat einen Salzklotz aus den 1980er Jahren aus einer Salzmine in Formentera mit einer Probe von heute verglichen und festgestellt, dass der Mikroplastik-Gehalt am marinen Salz um das Dreifache angestiegen ist. Die massenweise Kunststoffproduktion seit den vierziger Jahren korreliert demnach auch mit den Rückständen in Lebensmitteln.

Noch weniger erforscht ist die nächstkleinere Einheit, wo die Wissenschaft ganz am Anfang steht: Nanoplastik. Diese Partikel sind so winzig, dass sie Zellwände und die Blut-Hirn-Schranke durchdringen können sowie sich in Organen ansammeln. Erste Experimente bei Karpfen haben es nachgewiesen und festgestellt, dass Nanoplastik das Verhalten der Essensaufnahme verändert. Im Körper interagieren die Plastikteilchen. Bisher ist nicht klar, welche Reaktionen der menschliche Körper darauf zeigt oder zeigen würde. „Einkapseln oder Zellteilungsprozesse sind vorstellbar“, sagt Fath. Dennoch glaubt er, „dass wir das Problem schon haben, aber noch nicht erkannt haben.“

Fath forscht daran, wie aus dem Kunststoff-Müll eine Wertigkeit gemacht werden kann: Er beschäftigt sich damit, herauszufinden, welche Kunststoffe geeignet sind, um sie als Wasserfilter einzusetzen. Da Plastik Schadstoffe bindet, könnten solche Materialien im Abwassersystem eingebaut werden und Flüsse vor der hormonellen Überflutung bewahren. Im Belebungsbecken der Kläranlagen schaffen es die Mikroorganismen nicht, alle Rückstände abzubauen. Fath betont aber: „Man muss an der Quelle ansetzen.“ Auch in Industrieanlagen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, bei denen Antibiotika in größeren Mengen zum Einsatz kommt, sowie im landwirtschaftlichen Bereich hätte eine Art Kunststoff-Mehl einen großen Nutzen.

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