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Familie ohne Kunststoff : Schatz, du hast das Plastik geschrumpft

Bild: Michael Götz

Windeln, Urlaub, Alltag: Für Familien ist das Thema Kunststoff besonders schwierig. Wie geht ein vierköpfiger Haushalt mit Plastikkonsum um, ohne in die Steinzeit zurückzufallen? Diese Familie aus Dortmund macht es vor.

          Laura Summann war nie öko, sagt sie. Noch vor zehn Jahren hätte sich die 35 Jahre alte Frau aus Dortmund überhaupt nicht vorstellen können, ohne Plastik zu leben. Doch weitermachen mit dem Kunststoff, wie sie es gewohnt war, wollte sie auch nicht. „Je mehr Dokus wir im Fernsehen gesehen haben, desto mehr war klar, dass wir bei uns anfangen müssen“, sagt sie. Zusammen mit ihrem Mann Thomas hat sie dem Kunststoff den Kampf angesagt. Plastik raus, Alternativen rein. „In dem Moment, in dem man anfängt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, merkt man, wie extrem viel Plastik es gibt.“ Dabei seien viele Lösungen oftmals naheliegend und problemlos umzusetzen.

          Martin Franke

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Die Familie wohnt idyllisch am grünen Stadtrand von Dortmund. Durch das Haus toben zwei kleine Kinder, zehn Monate und drei Jahre alt. Im Garten stehen ein Zelt und ein Gewächshaus, vor der Tür ein Auto. Da ist überall Plastik drin. Hundertprozentiger Verzicht sei nicht möglich, sagen sie. Sonst hätte Vater Thomas Summann auch keine Brille auf der Nase und keine Uhr am Handgelenk. Es zähle aber das Bewusstsein, sagt Laura Summann. Zum Beispiel das Fenster aus durchsichtigem Kunststoff bei einer Nudel-Verpackung, durch das man die Teigwaren sieht: „Oft sind es Kleinigkeiten.“ Nach einer plastikfreien Nudel-Verpackung hätten sie eine Woche lang gesucht. In einem Supermarkt fanden sie schließlich eine Sorte.

          Der erste Gedanke an ein Leben ohne Plastik kam mit den Windeln. „Es ist mega viel Müll, es ist ungesund für den Baby-Po, und da sind Super-Absorber drin“, sagt Laura Summann. „Chemie pur!“ Statt Wegwerfwindeln benutzt die Familie daher Stoffwindeln. Hinzu kommt eine gesunde Portion Skepsis gegenüber den Angaben der Hersteller. Dass die Hautverträglichkeit für Kleinkinder sichergestellt ist, bezweifelt Thomas Summann. In Reportagen habe er gesehen, dass selbst die Unternehmen nicht genau wussten, was alles in den Plastikwindeln ist und welche langfristigen Auswirkungen sie auf Kinder haben. Wenn sie nicht wiederverwertet werden, benötigen Plastikwindeln zudem rund 450 Jahre, bis sie zersetzt sind.

          „Es gibt keine Spontankäufe mehr“

          Nach den Windeln kamen bei den Summanns Kosmetika dran, Waschmittel und schließlich der Kühlschrank. Nicht alles auf einmal, sondern peu à peu führten sie den plastikfreien Alltag in ihr Leben ein. Den Bodenreiniger stellen sie nun selbst her, genauso wie die Müsli-Flocken, die sie aus Weizen und Dinkel frisch zum Frühstück mahlen. Dafür kommt eine kleine Mühle aus Holz zum Einsatz – sie war mit mehr als 100 Euro nicht ganz günstig. Im Bad ist die herkömmliche Zahnbürste der Bambusbürste gewichen. Die Zahnpasta kommt aus dem Glas, zum Waschen nehmen sie Seifen so wie früher ihre Großeltern. Was das preislich bedeutet, darüber sind sich Thomas und Laura Summann, beide von Beruf Informatiker, nicht einig: Er sagt, dass man wesentlich mehr bezahle, wenn man denselben Lebensstandard halten wolle. Allerdings könne man seinen Konsum verringern und auf bestimmte Dinge verzichten. „Dann kommt man aufs Gleiche heraus.“ Sie glaubt hingegen nicht, dass es unbedingt teurer sein muss, auf Plastikprodukte zu verzichten.

          Alternativen gibt es jedoch nicht immer: Thomas Summann sucht schon lange nach Büffelmozzarella ohne Plastikverpackung – und ist bis heute nicht fündig geworden. Auf dem Wochenmarkt gebe es zwar den Käse, aber nur in einem Gefäß, das von einer Plastiktüte abgedichtet werde. Das möchte die Familie nicht. „Wir fühlen uns manchmal wie Aliens“, sagt Laura Summann, weil sie im Supermarkt viele Produkte links liegenlasse. Dass sie nicht alle Produkte, die sie früher in den Einkaufswagen packte, konsumiert, findet sie nicht schlimm. Für sie sei der Verzicht ein Gewinn. „Man kauft einfach nicht so viel ein.“ Den Fleisch-, Milch- und Käsekonsum haben die Summanns zurückgefahren. Ebenso habe sich ihr Kaufverhalten verändert. „Es gibt keine Spontankäufe mehr.“ Mit Weckgläsern, Dosen und alten Spülmittelflaschen fahren sie zu Unverpackt- und Bioläden und füllen diese auf. Das bedürfe einer peniblen Planung, sagen sie. Auch koste es wesentlich mehr Zeit als der schnelle Gang in den Discounter. Wenn der plastikfreie Laden nicht um die Ecke liege, sollte man Spaghetti und Spülmittel gleich für mehrere Monate auf Vorrat einkaufen, rät Vater Summann.

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