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Familie ohne Kunststoff : Schatz, du hast das Plastik geschrumpft

Was machen im Urlaub?

Dennoch gibt es Situationen im Leben, da denken beide Elternteile gerne an ihr altes Leben zurück. „Wir schränken uns selbst ein, ich zahle dann auch noch mehr dafür“, sagt Thomas Summann. Da frage er sich manchmal schon: „Warum bin ich derjenige, der damit anfangen muss? Warum sind es nicht die anderen?“ Die Eltern verhalten sich trotz aller Einschränkungen nicht ideologisch, sondern pragmatisch. Das Kinderspielzeug von Lego haben die beiden Kinder Emil und Alma von ihren Eltern geerbt. Neues Spielzeug kauft die Familie nicht. Wenn sie es genau nehmen würde, sagt Laura Summann, dürfte sie ihren Kindern auch keine Bücher mehr kaufen. „Jedes zweite Buch ist mit einer Plastikschicht laminiert.“ Es sei kein Steinzeit-Leben, und altmodisch seien sie auch nicht. Sie berufen sich nur auf „alte Werte“. Der Wille zum Verzicht ist da, an manche Situationen passen sie sich aber an.

Wenn etwa die Großmutter mit zwei Paketen Wegwerfwindeln vor der Tür stehe, wie vor wenigen Wochen. Die Summanns haben sie nicht einfach weggeworfen. Sie seien ja nun mal da, lautete ihr Argument. Ausnahmesituationen wie diese gibt es immer wieder. Ihren Urlaub in Schweden überließ die Familie dagegen nicht dem Zufall. Laura Summann recherchierte und fand drei Unverpacktläden in dem skandinavischen Land. Selbst im Urlaub gab es keinen Urlaub von plastikfrei. Am liebsten würde sie sogar einen dieser Unverpacktläden, in denen fast alles ohne Verpackungen zu haben ist, in Dortmund aufmachen.

Laura und Thomas Summann investieren viele Abende in die Plastik-Recherche. Die beiden kennen einzelne Plastikarten und zeigen sich illusionslos. Anfang des Jahres verbot zum Beispiel China die Einfuhr von Kunststoff-Abfällen aus Industrie und Gewerbe. Laura Summann glaubt, dass der Müll nun eben andere Wege in die Umwelt findet. „Anstatt darüber nachzudenken, das Plastik zu reduzieren, denken alle darüber nach, wo sie das Plastik jetzt hinbringen können.“ Zwar würden der Grüne Punkt und der Gelbe Sack in Deutschland „mit gutem Gewissen“ zur Entsorgung genutzt werden, „weil jeder denkt: Plastik ist Plastik“. Das sei aber nicht der Fall. „Viele Plastiksorten können nicht wiederverwertet werden.“ Aus vielen Plastikabfällen würden mindere Produkte wie Plastikbänke hergestellt. „Ich dachte immer, da ist ein Grüner Punkt drauf, da wird eine tolle Flasche draus“, sagt Laura Summann.

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Die Resonanz von Nachbarn, Freunden und Arbeitskollegen fällt unterschiedlich aus: „Zu umständlich“, sagen die einen. „Wir allein können doch die Welt nicht retten“, sagen die anderen. Thomas Summann lässt das Argument „Es macht sowieso keinen Unterschied“ nicht gelten. Der Familienvater sagt dann fast kämpferisch: „Doch, es macht einen Unterschied, wenn jeder einen kleinen Schritt geht.“ Bei den meisten ihrer Bekannten komme das Projekt gut an, viele von ihnen achteten nun mehr auf den eigenen Einkaufskorb oder fragten die Familie sogar um Rat, etwa wenn es um Shampoo gehe.

Die Bilanz der Familie lässt sich sehen: Ein Viertel des Plastiks verbrauchen die Summanns noch, seitdem sie ihren Kunststoffkonsum zurückgefahren haben. Das ist ein ganzer Haufen, meinen sie. Ganz ohne Plastik im Alltag geht es aber nicht.

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