https://www.faz.net/-gpc-8zyrt

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

Verschärfung der Reisehinweise : Das bedeutet der Türkei-Streit für Urlauber

Der türkische Küstenort Antalya bleibt nach wie vor ein beliebtes Reiseziel der Deutschen. Bild: dpa

Abermals verschärft das Außenministerium die Reisehinweise für Türkei-Urlauber. Reisenden wird geraten, sich in einer Liste registrieren zu lassen. Ein Recht auf Stornierung soll es jedoch nicht geben.

          Sich vor dem Urlaub in einer Liste eines deutschen Konsulats oder der Botschaft eintragen lassen – das hat wohl selten ein deutscher Badeurlauber vor dem Beginn seiner Sommerferien gemacht. Doch genau diesen Schritt empfiehlt das Auswärtige Amt nun Türkeiurlaubern. Das Ressort von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) verschärfte am Donnerstag die Sicherheitshinweise für das Land und rät sowohl Urlaubern als auch Geschäftsreisenden zu „erhöhter Vorsicht“. Gabriel sagte zur Begründung: „Deutsche Staatsbürger sind nicht vor willkürlichen Verhaftungen sicher.“ In den Reisehinweisen heißt es, in einigen Fällen seien „Deutsche von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen, deren Grund oder Dauer nicht nachvollziehbar war“.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bislang galt die Empfehlung zur Registrierung nur für geschäftlich Reisende, die sich in der Türkei jenseits der Pfade des Massentourismus bewegen. Nun wird sie für alle Personen ausgesprochen, „die aus privaten oder geschäftlichen Gründen in die Türkei reisen“. Ob dies auch für Pauschalreiseurlauber gelten soll, die ohnehin von ihren Reiseveranstaltern erfasst sind, blieb zunächst unklar. Abschreckend dürfte der Passus auf jeden Fall wirken. Vor dem drastischeren Schritt, eine Reisewarnung auszusprechen, schreckte das Ministerium allerdings zurück. Er hätte bedeutet, dass die Türkei hinsichtlich der Sicherheit auf einer Stufe mit Ländern wie dem Jemen, Syrien oder Afghanistan gestanden hätte.

          Die Reisehinweise für die Türkei waren in den vergangenen Monaten mehrfach angepasst worden. Nach Anschlägen kam der Passus hinzu, Besucher sollten sich von größeren Menschenansammlungen fernhalten. Auch ein Hinweis auf das Risiko gewaltsamer Auseinandersetzungen wurde eingefügt. Ausdrückliche Reisewarnungen sind dagegen sehr selten. In der Regel beschränkt sich das Auswärtige Amt auf Hinweise, rät von Reisen ab, warnt aber nicht – wie nun auch für die Türkei.

          Kein Recht auf Stornierung

          Für Urlauber, die ihren gebuchten Urlaub doch nicht an den Stränden der Region Antalya verbringen wollen, ist das misslich. Sie haben kein Recht, kostenfrei von der Reise zurückzutreten. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen forderte Pauschalreiseanbieter wie TUI, Thomas Cook und FTI daher auf, kulante Umbuchungsmöglichkeiten zu schaffen. „Wenn das Auswärtige Amt jetzt auch Reisende zu erhöhter Vorsicht mahnt und bei kurzfristigen Aufenthalten empfiehlt, sich in Listen bei Konsulaten und Botschaften einzutragen, gehen Urlaubsfreuden und Erholung baden“, sagte der Verbraucherzentralenvorstand Wolfgang Schuldzinski. „Wer angesichts dieser aktuellen Entwicklung von einer bereits gebuchten Reise zurücktreten will, sollte bei Veranstaltern auf Verständnis treffen.“

          Die Buchungszahlen für Türkei-Reisen sind ohnehin deutlich eingebrochen. 2015 reisten 5,6 Millionen Urlauber aus Deutschland in das Land, 2016 waren es noch rund vier Millionen. Für die laufende Saison liegen die Buchungen in den Reisebüros hierzulande nach Informationen dieser Zeitung gegenüber dem Vorjahr nochmals um mehr als ein Drittel niedriger. Allerdings buchten Schnäppchensucher vermehrt auf Online-Portalen, wo Türkei-Reisen zu Sonderpreisen beworben werden. So ist das Land das zweitwichtigste Flugpauschalreiseziel der Deutschen hinter Spanien geblieben. Der Flughafen von Antalya ist nach Daten des IT-Dienstleisters Traveltainment – allen Einbrüchen zum Trotz – der am häufigsten gebuchten Zielflughafen von Pauschalreisenden nach Palma auf Mallorca. Das spiegelt die Bedeutung der Region an der türkischen Südküste für die Branche wider. Nirgendwo sonst auf mittleren Flugdistanzen hat sie ein Ziel, an dem sich so viele Hotelbetten im Umland eines Flughafens befinden.

          „Reisen finden wie geplant statt“

          Für die Reisebranche wäre es ein Dammbruch, der Kulanzforderung der Verbraucherschützer zu folgen. Der Deutsche Reiseverband (DRV) bekräftigt daher: „Die Reisen für die Urlauber finden wie gebucht statt.“ Das Auswärtige Amt habe keine Neubewertung der Sicherheitslage vorgenommen. Traditionell sind Reiseveranstalter zurückhaltend, ein Stornorecht einzuräumen. Nach Anschlägen oder Naturkatastrophen ermöglichen sie innerhalb begrenzter Fristen ihren Kunden den Rücktritt. Eine Ausnahme sind offizielle Reisewarnungen, dann kündigen die Urlaubsanbieter die Reiseverträge von sich aus. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass Versicherer dann nicht mehr haften, falls Urlauber zu Schaden oder ums Leben kommen.

          Der DRV verweist zudem darauf, dass sich die Touristiker nach den Einschätzungen des Auswärtigen Amts richten. Das ist einerseits das Eingeständnis, dass sie alleine keine abschließenden Bewertungen treffen, andererseits soll es die Geschlossenheit der Branche demonstrieren. 2013 war es in Bezug auf Ägypten zum großen Streit gekommen, weil einige Konzerne – darunter TUI – Reisen absagten, Konkurrenten wie FTI aber unverändert an ihren Angeboten festhielten.

          Nicht nur für Urlauber bedeutet die Türkei-Diskussion einiges an Ungemach, sondern auch für die Touristiker. 2016 musste der DRV seine Jahrestagung kurzfristig vom türkischen Kusadasi nach Berlin verlegen, weil viele Branchenmanager die Anmeldung für die eigene Branchentagung in der Türkei verweigerten. Damals legte der Verband fest, stattdessen 2018 zum Gipfeltreffen der deutschen Reisebranche in die Türkei zu bitten. Diese frühe Festlegung dürfte in diesem Herbst, wenn die Touristiker im Emirat Ras al Khaimah tagen, für neue Diskussionen sorgen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Immer mehr, immer größer, immer schneller: Autos auf den Straßen von Berlin.

          Wandel der Mobilität : Augen auf vorm Autokauf!

          Ob Auto, Bahn oder Fahrrad – Mobilität ist individuell und abhängig von Bedürfnissen und Lebensumständen. Doch jeder sollte bereit sein, sich zu hinterfragen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.