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Polizeiskandal in Hamburg : „Wir alle waren am nächsten Tag einsatzfähig“

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Protestaktion vor dem G20-Gipfel in Hamburg, wegen dem die Berliner Polizisten in Hamburg waren. Bild: dpa

Nach einer Party sind Berliner Polizisten aus Hamburg abgezogen worden. Ein Betroffener vermutet, die Sicherheitsleute seien von der Hamburger Polizeiführung auf die Einheit angesetzt worden, um Fehlverhalten zu dokumentieren.

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          Die mehr als 220 Berliner Polizisten, die wegen skandalösen Benehmens aus Hamburg zurückgeschickt wurden, sind wieder im Dienst. Die Beamten sollten im Vorfeld des bevorstehenden G20-Gipfels im Juli in der Hansestadt eingesetzt werden. Welche Konsequenzen den Polizisten drohen, konnte die Berliner Behörde noch nicht sagen. „Man muss uns auch die Zeit geben, die Vorfälle aufzuklären“, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch. Der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt hatte am Dienstagabend von möglichen Disziplinarmaßnahmen gesprochen.

          Auf der Facebook-Seite der Berliner Behörde heißt es „Ja, wir haben gefeiert!“ Wie unangemessen die Feier war, lasse man sich von den Kollegen derzeit „detailliert schildern“ und entscheide dann über mögliche Konsequenzen. Kandt bedauerte das Verhalten der Berliner Polizisten in Hamburg. Der Vorfall sei „misslich“ und „grenzüberschreitend“, sagte Kandt in einem rbb-„Spezial“ dazu. „Es stehen schon einige Vorwürfe im Raum, die auch ernst zu nehmen sind.“

          Sehr viel sei „Spekulation“, heißt es in der Stellungnahme der Berliner Polizei bei Facebook. Bei der Feier auf einem abgeschlossenen Gelände jenseits der Öffentlichkeit „wurde getrunken, getanzt, gepinkelt und ja scheinbar auch „gebumst“, wie es unser Pressesprecher so schön formuliert hat. In unserer Einsatzkleidung stecken Menschen.“ Zwei Kollegen hätten Geburtstag gehabt. Ansonsten arbeiteten diese jungen Kollegen sehr „professionell und verantwortungsvoll“.

          „Es gab keine Ausfälle“

          Ein Polizist, der die Feier auf dem Gelände des ehemaligen Containerdorfes für Flüchtlinge miterlebt hat, fand die Berichterstattung und Kritik daran übertrieben. „Es wurde nichts beschädigt. Niemand wurde verletzt. Wir haben niemanden beleidigt oder bedrängt. Wir alle waren am nächsten Tag einsatzfähig, es gab keine Ausfälle“, sagte er am Mittwoch „Bild.de“.

          Von einer Beamtin, die im Bademantel mit einer Waffe hantiert haben soll, habe er nichts mitbekommen. Auch zu Auseinandersetzungen mit Wuppertaler Polizisten sei es nicht gekommen. „Die einzige Öffentlichkeit, die dort tangiert worden sein könnte, war das Sicherheitspersonal“, sagte der Beamte. Er äußerte außerdem die Vermutung, die Sicherheitsleute seien von der Hamburger Polizeiführung auf die Einheit angesetzt worden, um jegliches Fehlverhalten zu dokumentieren.

          Vor G-20-Gipfel : Exzessive Party: Hamburg schickt Berliner Polizisten zurück

          Über drohende Konsequenzen zu dem Verhalten der Beamten äußerte Polizeipräsident Kandt sich zurückhaltend. „Fakt ist, es ist gefeiert worden, zu laut und es ist gegen den Zaun gepinkelt worden. Alles andere ist offen“, so Kandt. Derzeit warte man auf die Informationen aus Hamburg. Nächste Woche werde er abermals fünf Hundertschaften zur Unterstützung der Hamburger beim G20-Gipfel schicken.

          Mehr als 220 Berliner Polizisten waren nach Hamburg geschickt worden. Bei einer Feier in der kärglichen Unterkunft in der Nähe von Bad Segeberg sollen zwei in der Öffentlichkeit Sex gehabt haben, eine Polizistin soll im Bademantel mit einer Dienstwaffe auf dem Tisch getanzt haben, Männer sollen draußen in einer Reihe stehend an einen Zaun uriniert haben. Die Hamburger Polizeiführung schickte die Berliner Polizisten daraufhin umgehend zurück. Ein solches Verhalten sei „unangemessen und inakzeptabel“, hieß es von den Hanseaten.

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