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Letzter G-20-Tag : Nach der Demo ist vor der Demo

  • Aktualisiert am

Aufräumen im Schanzenviertel nach einer beispiellosen Krawallnacht Bild: EPA

Der Nacht mit Krawall und Plünderungen folgt der letzte Tag des G-20-Gipfels. Zehntausende wollen heute friedlich protestieren. Aber auch weitere Krawalle sind nicht ausgeschlossen.

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          Nach einer langen Nacht mit Krawallen und Plünderungen geht der G-20-Gipfel in Hamburg in den zweiten und letzten Tag. Eine Einigung in wichtigen Streitfragen wie Klimaschutz und Freihandel ist so gut wie sicher. Zwar zeigten die Diskussionen am Freitag, dass die führenden Wirtschaftsmächte wegen der Abschottungspolitik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump tief gespalten sind, dennoch soll es ein gemeinsames Bekenntnis gegen Protektionismus geben. Angesichts der Gewaltszenen auf der Straße gab es Kritik daran, das Spitzentreffen der Wirtschaftsmächte in einer Millionenstadt wie Hamburg abzuhalten.

          Im Hamburger Schanzenviertel waren die Proteste am späten Freitagabend eskaliert. Geschäfte wurden geplündert, Autos und Barrikaden in Brand gesteckt. Mehrere Stunden lang wurde die Straße Schulterblatt praktisch zur rechtsfreien Zone, weil die Polizei die Randalierer gewähren ließ. Erst danach ging sie mit einem massiven Aufgebot und Spezialkräften gegen die Chaoten vor. Mit gepanzerten Fahrzeugen wurden Barrikaden weggeschoben. Wasserwerfer und Tränengas kamen zum Einsatz.

          60 Straßenkehrer in St. Pauli und im Schanzenviertel

          Im Laufe der Nacht beruhigte sich die Lage. Vereinzelt kam es in den frühen Morgenstunden noch zu Flaschenwürfen auf Polizeifahrzeuge. Der zuvor eingestellte S-Bahn-Betrieb und der Bahn-Fernverkehr liefen wieder an. Die Randalierer hinterließen im Schulterblatt aber eine Spur der Verwüstung. Es roch nach verbranntem Plastik. Steine, Trümmer, zerstörte Fahrräder und Mülltonnen lagen auf der Straße. Die Hamburger Stadtreinigung ist seit 6.00 Uhr im Schanzenviertel und in St. Pauli mit 60 Mitarbeitern, einem Radlader und Großkehrmaschinen im Einsatz.

          Unterstützer der G-20-Gegner dementierten eine Erstürmung des Kulturzentrums Rote Flora im Schanzenviertel durch die Polizei. Es befinde sich kein Polizist in dem Gebäude, sagte ein Mitglied des sogenannten Legal Teams. Die Anwälte unterstützen Protestler. Die seit fast 30 Jahren besetzte Rote Flora gilt bundesweit als eines der wichtigsten Zentren der autonomen Szene.

          Bei den Krawallen wurden nach Polizeiangaben vom Samstag bereits 213 Beamte verletzt, darunter seien keine Schwerverletzten. Zur Zahl der verletzten Demonstranten konnten weder Polizei noch Feuerwehr Angaben machen. Ein Feuerwehrsprecher sagte, die Demonstranten hätten eigene Sanitäter dabei, so dass sie in vielen Fällen nicht auf fremde Hilfe angewiesen seien.

          Eine Teilnehmerin der Demonstration „Grenzenlose Solidarität statt G20“ fordert Konsequenzen für die Ausschreitungen im Schanzenviertel. Bilderstrecke
          Nach den Verwüstungen : Hamburg räumt auf – und demonstriert weiter

          In der Krawallnacht nahm die Polizei 14 Personen fest und 63 in Gewahrsam. Ein Haus in der Straße Schulterblatt im Schanzenviertel wurde gestürmt. Spezialkräfte hätten das Gebäude „taktisch betreten und gesichert“, hieß es am frühen Samstagmorgen. Zuvor waren Randalierer ein Gerüst hinaufgeklettert, das an dem Haus befestigt ist.

          Feuerpause für Syrien

          Beim eigentlichen Gipfel sollten die Zuarbeiter der Staats- und Regierungschefs über Nacht versuchen, ein Abschlusspapier abzustimmen. In den zwei letzten offiziellen Gipfelrunden geht es am Samstag um eine engere Partnerschaft mit Afrika, Migration, Gesundheit und bessere Entwicklungschancen für Frauen. Danach will Merkel als Gastgeberin vor der Presse ihre Bilanz des Gipfels ziehen. Greenpeace-Aktivisten demonstrierten am Samstagmorgen für einen Ausstieg aus der Kohlenutzung, indem sie sich von der 50 Meter hohen Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen abseilten und ein 18 mal 40 Meter großes Banner entrollten. Darauf stand: „G20: End Coal“.

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