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Krawalle vor G 20 in Hamburg : Auf der Schanze brennen die Barrikaden

  • Aktualisiert am

Brennende Barrikaden: Im Schanzenviertel gibt es auch am späten Abend immer wieder Ausschreitungen Bild: Reuters

Am Rande des anstehenden G-20-Gipfels in Hamburg kommt es zu schweren Ausschreitungen zwischen der Polizei und vermummten Demonstranten. Mehrere Autoren von FAZ.NET sind mittendrin und berichten.

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          Tränengas, Steine, Schläge: Bei einer Demonstration gegen den G-20-Gipfel in Hamburg ist es am Donnerstagabend zu schweren Ausschreitungen gekommen. Wie mehrere Reporter von FAZ.NET berichteten, setzte die Polizei Wasserwerfer und Pfefferspray gegen die Demonstranten ein. Zuvor hatten die Einsatzkräfte den Protestzug gestoppt und rund eintausend Vermummte dazu aufgefordert, ihre Maskierungen abzulegen.

          Die Demonstranten, die bei ihrem Zug durch die Straßen „Antikapitalista“ skandierten, zeigten den Mittelfinger in Richtung der Wasserwerfer und Einsatzkräfte. Zwischenzeitlich standen sich die Polizei und der „Schwarze Block“ für rund eine Stunde gegenüber – bis die Situation eskalierte, berichteten unsere Reporter gegen 19:50 Uhr. „Krasse Ausschreitungen“, schilderte unser Reporter Johannes Krenzer aus Hamburg die Situation – und erkundigte sich nach seinem FAZ.NET-Kollegen Sebastian Eder, der die Eskalation auch erlebt hatte: „Haste auch Gas abbekommen?

          Eder schrieb über die Eskalation: Die Polizisten und die Vermummten belauern sich eine knappe Stunde, dann geht es plötzlich los. Ganz vorne bricht Hektik im Schwarzen Block aus, die Polizei hat weiter hinten wohl angefangen, Menschen aus der Menge zu holen. Die Vermummten versuchen zu entkommen, klettern auf die Uferpromenade. Von dort fliegen Flaschen auf die Polizei, die entschlossen eingreift. Die Wasserwerfer werden eingesetzt, es riecht nach Tränengas, Passanten und Journalisten versuchen sich mit ihren T-Shirts vor dem beißenden Geruch zu schützen. Unterdessen mischen sich Vermummte zwischen die Beobachteter, die sich in eine Nische zurückgezogen haben, schnappen sich Glasflaschen, die am Straßenrand stehen und werfen sie auf die Polizisten.

          Aus Sicht der Polizei hieß es per Twitter: „Unsere Wasserwerfer mussten eingesetzt werden“. Die Einsatzkräfte wurden demnach mit Latten angegriffen, zudem habe es „massiven Bewurf mit Flaschen und Gegenständen“ gegeben. Kurz nach 20 Uhr dann die Mitteilung von der Polizei: „Der Aufzug wurde soeben durch den Anmelder für beendet erklärt“. In den Seitenstraßen begannen Vermummte demnach damit, Gegenstände auf den Straßen zu sammeln. Auch werde „Wurfmaterial“ gesammelt.

          Großaufgebot in Hamburg: Die Polizei formiert sich abermals Bilderstrecke

          Während es Richtung Fischmarkt gegen halb 9 noch Krawalle gab und abermals Wasserwerfer eingesetzt wurden, verschwanden immer wieder Gruppen aus dem Schwarzen Block in Richtung Seitenstraßen, so Eder. Zwar machte die Polizei mehrere Ansagen, den Ort zu verlassen – sie kündigte nach Angaben unserer Reporter auch an, Wasserwerfer wieder einzusetzen. „Ganz Hamburg hasst die Polizei“, riefen die Demonstranten, die sich vereinzelt und vermummt formierten.

          Für ein wenig Entspannung sorgte ein Pizzabote, der den Mut aufbrachte und auf seinem Roller durch die Demonstranten auf die Wasserwerfer zufuhr – und großen Jubel unter den Demonstranten erntete. Ob die Polizei ihn durchgelassen hat? „Ach, die haben die doch bestellt“, sagte ein Demonstrant am Rand der Straße.

          In der St. Pauli-Kirche wurden Verletzte behandelt – Sanitäter und Demonstranten trugen einen Schwerverletzten in einem Tuch auf das Gelände. „Wer hat ein Auto, einen Lkw? Er muss in die Klinik“, schrie eine Demonstrantin. Aber auch wer nur Tränengas abbekommen hatte, konnte sich hier ausruhen, die Augen ausspülen oder medizinische Hilfe bekommen. „Es gab überhaupt keinen Grund, da so reinzugehen“, sagte ein Jugendlicher anschließend über den Einsatz der Polizei. Ein älterer Mann schimpfte: „Wie immer – erst genehmigen und dann zerschlagen.“ Über die genaue Anzahl der Verletzten lagen bisher noch keine Informationen vor.

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          Doch noch ist der Abend nicht vorbei: ⁠⁠⁠Nachdem die Polizei einen Teil des Demonstrationszugs auf der Reeperbahn gestoppt hatte, weil Vermummte unter den Demonstranten waren, ging es weiter. Die Passanten auf der Straße applaudierten, als die Demonstranten ankommen. „In Hamburg ist die Stimmung gerade ein bisschen wie im Nachtclub“, sagt ein junger Mann im Schanzenviertel. „Man trifft sich, fragt, was war auf deinem Floor los? Und zieht weiter.“ In den meisten Nachtclubs geht es aber zum Glück etwas friedlicher zu. Auf der Schanze vor der Roten den Flora verbrennen G-20-Gegner die Barrikaden – Lagerfeuerstimmung wenige Stunden vor dem Beginn von G 20.

          Doch dann wird abermals randaliert – und Sachbeschädigungen gemeldet. Nicht weiter davon entfernt stehen die Wasserwerfer der Polizei. Hundertschaften und Polizeikolonnen bewegen sich gegen Mitternacht in Richtung Schanze. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Zwischenfällen und Auseinandersetzungen.

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