https://www.faz.net/-ijb-8zo2y

Krawalle in Hamburg : War es Staatsversagen?

„Solche Gipfel gehören nicht in große Städte“

Die Zahl der Polizisten und die Einsatztaktik vermag man während eines G-20-Gipfels ändern zu können – den Tagungsort hingegen nicht. Umso unverständlicher finden es nach dem Gewaltexzess in Hamburg viele, dass die Bundesregierung den G-20-Gipfel im Zuge einer politischen Entscheidung ausgerechnet nach Hamburg geholt hat, eine Metropole mit einer bekannt radikalen und gewaltbereiten Szene. In der Tat spricht vieles dafür, dass ein anderer Tagungsort vielleicht die einzige Maßnahme gewesen wäre, die die Gewalt beim Gipfel hätte verhindern oder zumindest reduzieren können. Deutsche Großstädte seien einfach zu klein für derartige Veranstaltungen, sagen Kritiker jetzt – und sie zu sichern mit den verfügbaren Polizeikräften fast unmöglich. Auch wenn der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, glaubt, solche Krawalle wie in Hamburg wären in der bayerischen Hauptstadt nicht passiert, weil man dort „jeden Kanaldeckel kennt“.

Also lieber aufs Land, wie auf Schloss Elmau oder nach Heiligendamm, oder, wie ein Twitter-Nutzer vorschlug, auf die Insel Helgoland, abseits von allem? So einfach ist es nicht. Denn im Vergleich zu G-7-Gipfel wie in Elmau, wo ein Hotel für alle Gipfelgäste ausreichte, ist der Tross von 20 Staats- und Regierungschefs so groß, dass er selbst in großen (deutschen) Städten nur mit Mühe unterkommen kann. und selbst ein abgelegener Ort ist keine Garantie, dass die Lage nicht eskaliert, das zeigen die Krawalle beim Gipfel 2008 in Heiligendamm, die sich ins benachbarte Rostock verlagerten.

Vielleicht wird sich ja der Vorschlag durchsetzen, den Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) am Wochenende machte: G-20-Gipfel sollen künftig nur noch in New York stattfinden, wo man derartige Veranstaltungen und die entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen gewöhnt ist. Ob die G 20 dem amerikanischen Präsidenten allerdings diesen Heimvorteil gewähren wollen, ist fraglich.

Rückkehr zu alten Tugenden?

Womöglich ist die Konsequenz aus Hamburg auch eine Rückkehr zu alten Tugenden: Als Helmut Schmidt und Valery Giscard d'Estaing 1975 die G-Gipfeltreffen erfanden, damals noch als G-6, trafen sie sich ohne Tausende Delegierte, Journalisten und Zehntausende Polizisten, dafür aber in aller Abgeschiedenheit.

Auch zu Schmidts Zeiten gab es schon hemmungslose Krawallmacher, die ohne Rücksicht auf Verluste und unter dem Deckmantel politischer Teilhabe ihre Gewaltsucht ausleben wollten. Aber ihre Bühne war damals deutlich kleiner.

Weitere Themen

Topmeldungen

Je mehr Privatpatienten in einem Gebiet, desto mehr Ärzte lassen sich dort nieder. Aber liegt das am Geld oder am sozialen Umfeld?

Gesundheitswesen : Abschaffung der Privatkassen soll Milliarden sparen

Der Beitrag für jeden gesetzlich Versicherten könnte um 145 Euro im Jahr sinken, wenn die Privatkassen abgeschafft würden. Das behauptet eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Beamte, Ärzte und Wissenschaftler halten die Berechnungen für hanebüchen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.