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Irie Révoltés : Für immer Antifaschisten

  • -Aktualisiert am

Aufschrift das Banners: „Der Kapitalismus stirbt sowieso. Du entscheidest, wann.“ Bild: YouTube/Irie Revoltes

Als Irie Révoltés vor der Roten Flora auftraten, war von dem Chaos noch nichts zu ahnen, das später ausbrach. Die Band steht für Revolutions-Soundtrack. Für diejenigen, die es in Hamburg auf die Straße getrieben hat, war es das perfekte Aufwärmtraining.

          „Antifaschist“, der wohl bekannteste Song der linken Bank Irie Révoltés, ist ein Lied, das Faschisten, Nazis und Ultrakapitalisten ins Gesicht spuckt; ein Glaubensbekenntnis für alle die, denen die Beschreibung „Autokrat“ zu wohlwollend wäre für Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin, die gegen das Treffen der Mächtigen und die Interessen der Großen sind. Für die, die glauben, dass der Kapitalismus dem Ende geweiht ist – so oder so. Für die, die Antifaschisten bleiben werden, bis sie sterben. Radikal, Radikal, Radikal, so lautet der Text, so schrie ihn die Menge am Freitagabend vor der Roten Flora im Schanzenviertel mit, die Fäuste in der Luft, die Pyrotechnik im Hintergrund am grüne Funken sprühen.

          Für diejenigen, die es in Hamburg auf die Straße getrieben hat, war es vielleicht das perfekte Aufwärmtraining, die ideale Titelmusik für Protestaktionen. Geliefert hat ihn eine neunköpfige Band aus Heidelberg, heute wohnhaft in Berlin, die inzwischen auch außerhalb der linken Szene einen Bekanntheitsgrad erreicht hat, der ihnen Einladungen für die Abendperformances der großen Festivals beschert, der ihnen eine breite Bühne bietet. Irie Révoltés – die glücklichen Rebellen – haben in einer Branche, die vor kapitalistischen Interessen nur so strotzt, einen, wie Sänger Mal Élevé selbst sagt, „Spagat“ geschafft und sind sich und ihren Überzeugungen treu geblieben. Vielleicht, weil sie in ihren Texten nicht gezielt zum Steine schmeißen aufrufen. Der Soundtrack der Revolution ist energetisch, aber fröhlich.

          Wie soll das gehen?

          Viele, die den Protest der letzten Tage, die Gewaltausschreitungen, zu denen es immer wieder kam, und die die Schlagzeilen dominierten, verfolgt haben, werden sich fragen, wie das gehen soll – ein fröhlicher Kampf gegen den Kapitalismus? Der Kampf der letzten Tage war geprägt von Steinen und Flaschen, Wasserwerfern und Tränengas – wie man es auch am Donnerstagabend in Hamburg gesehen hat. Dazu passt eher Punkrock, harter Hip-Hop vielleicht. Die Musik von Irie Révoltés aber hört sich nach einem Mix aus Reggae, Ska und Rap an. Die Band sagt: Es geht um die Themen, nicht um die Musikrichtung. Und darum, dass es überhaupt so etwas wie Musik gibt, die die Polizeisirenen auch mal übertönen kann.

          „Das schlimmste Gefühl ist eingekesselt und machtlos zu sein“, sagt Mal Élevé. Eigentlich heißt er Pablo Charlemoine, sein Bruder ist der zweite der Band, der bei Auftritten am Mikrofon steht. Die Bandmitglieder haben jahrelange Demoerfahrung, wenn sie nicht spielen dann laufen sie mit. „Musik gibt in solchen Momenten Kraft und Energie“, sagt Mal Élevé. Deshalb sei die Musik auch so wichtig, um die Menschen in solchen Situationen bei Laune zu halten.

          Auch am Donnerstagnachmittag, als sich die Demonstranten nach und nach am Fischmarkt für „G 20 - Welcome to Hell“ versammelten, stand Mal Élevé auf der Bühne, gemeinsam mit der linken Hamburger Band Neonschwarz. Einen Song performte er, „Rebelles“. Das Lied – der Text ist, wie so oft bei Irie Révoltés, französisch – handelt von einem Appell an die Moral, davon, dass man Rebell bleibt, Homosexuelle verteidigt, aber auch davon, dass der Rebell weiß, dass das Leben schöner sein könnte.

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