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Teilnehmer beim G-20-Gipfel : Diesmal ohne Rempler und Schimpftiraden

  • -Aktualisiert am

Die neue Unübersichtlichkeit: Die Gipfelteilnehmer gruppieren sich zum sogenannten Familienfoto. Bild: Daniel Pilar

Beim G-20-Gipfel sind alle Teilnehmer auffallend um Ausgleich bemüht. Auch Amerikas Präsident hält sich bislang zurück. Nur eine Aktion sorgt für Verwirrung.

          5 Min.

          Die beiden Präsidenten haben sich auf einen Termin verständigt, der durchaus symbolträchtig ist. Während sich die G-20-Runde am Freitagnachmittag zur Arbeitssitzung mit dem Titel „Nachhaltige Entwicklung, Klima und Energie“ versammelt, ziehen sich Donald Trump und Wladimir Putin zu einem bilateralen Treffen zurück.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Der erste Handschlag der beiden fand schon am Vormittag statt, nach der Begrüßung der Staats- und Regierungschefs durch die G-20-Vorsitzende Angela Merkel. Kremlsprecher Dmitrij Peskow teilte hernach hochoffiziell mit: „Sie gaben einander die Hand und sagten, dass sie sich extra treffen und bald sehen werden.“

          „Aber: wen interessiert’s! We will MAGA“

          In der Anti-Terror-Sitzung wird Trump zwischen Gastgeberin Merkel und der britischen Premierministerin Theresa May plaziert. Der Präsident scherzt mit der Kanzlerin. Putin tauscht sich derweil ein paar Sitze weiter mit dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto aus. Man sitzt – demonstrativ locker – in breiten Ledersesseln ohne Konferenztisch.

          Überhaupt ist Trump darum bemüht, gelassen und entspannt zu wirken. Am Morgen hatte er bereits getwittert, er freue sich auf sein Treffen mit Putin. Tatsächlich hieß es, selbst ranghohe Mitarbeiter des Weißen Hauses hätten keinen blassen Schimmer, was Trump dem russischen Präsidenten zu sagen beabsichtige – abgesehen davon, dass ein vorgelagertes Treffen der Außenminister Rex Tillerson und Sergej Lawrow, in dem es um Syrien und die Ukraine ging, die Begegnung ihrer Präsidenten vorbereitete. Es herrsche daher durchaus eine große Nervosität.

          Grund für die Anspannung sind selbstredend weniger die diversen außenpolitischen Krisen, die das amerikanisch-russische Verhältnis belasten, als die heikle innenpolitische Lage in Amerika angesichts der Untersuchungen zu möglichen Absprachen des Trump-Teams mit dem Kreml zur Beeinflussung der amerikanischen Präsidentenwahl. Wie sehr Trump auch in Hamburg an das heimische Publikum denkt, offenbarte ein anderer Tweet: Er werde sein Land gut vertreten, textete er. Die „fake media“ würden nie ehrlich über ihn berichten. „Aber: wen interessiert’s! We will MAGA“ – die Trumpsche Abkürzung für sein Wahlkampfversprechen, er werde Amerika wieder zu alter Größe führen.

          Da seit einigen Wochen der deutsche Wahlkampf die Beziehungen zwischen Berlin und Washington beeinflusst, lag durchaus auch Spannung über dem Wiedersehen von Merkel und Trump am Donnerstagabend im Hotel Atlantic. Die Kanzlerin hatte unmittelbar nach dem G-7-Gipfel in Taormina Ende Mai in der inzwischen berühmten Bierzeltrede die Emanzipation Europas von Amerika proklamiert. Freilich weiß man in Washington, dass die Worte auch dem Umstand geschuldet waren, dass Merkel die SPD in Sachen Trump-Kritik auskontern wollte. Wer, wenn nicht Trump hat Verständnis für Wahlkampfrhetorik? Der Präsident twitterte jedenfalls, er habe ein „großartiges“ Treffen mit Merkel gehabt. Das Gespräch fand in zwei Formaten statt: zwanzig Minuten Merkel und Trump unter sich, sodann eine Runde, an der auch Tillerson und Sigmar Gabriel teilnahmen. Präsidententochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner sowie Finanzminister Steven Mnuchin wurden ebenfalls hinzugezogen. Tatsächlich hieß es später auch in der deutschen Delegation, man sei positiv gestimmt. Trump sei in dem Gespräch zugewandt gewesen.

          Männer der Macht: Die beiden Badboys des Gipfels unter sich
          Männer der Macht: Die beiden Badboys des Gipfels unter sich : Bild: AP

          Ob dies Zugeständnisse des Amerikaners andeutet? Mays Optimismus, es sei möglich, dass Trump dem Pariser Klimaabkommen wieder beitreten könnte, schien Merkel nicht zu teilen. Den Umstand, dass Trump und Putin sich darauf verständigten, sich just dann bilateral zusammenzusetzen, wenn die G-20-Runde über Klima redet, darf man dabei weder unter- noch überschätzen. Merkel hob jedenfalls in ihrem Eröffnungsstatement zur Wirtschafts- und Handelssitzung hervor, um Ergebnisse zu erreichen, müsse man sich aufeinander zubewegen, ohne sich „zu verbiegen“. Unterschiede könne man durchaus als solche benennen. Wo es am Ende Kompromissbereitschaft gibt, werden die Sherpas unter ihrem Vorsitzenden Lars-Hendrik Röller in der Nacht zu Samstag ausloten. Womöglich bleibt hier und da, etwa im handelspolitischen Teil, noch etwas für die Staats- und Regierungschefs liegen.

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