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G-20-Proteste : Wie kann man eine Stadt sicherer machen?

  • -Aktualisiert am

Eine Polizeitruppe steht neben einem Wagen der Anti-G-20-Protestgruppe „Welcome to hell“ in Hamburg. Bild: FAZ.NET

Die gewaltsamen Auseinandersetzungen in Hamburg sind erschreckend. Wie man eine Stadt sicherer machen kann, damit beschäftigt sich die Politologin Christina Schori Liang.

          Es war der größte Polizeieinsatz in der Geschichte Hamburgs. Und trotzdem: Die extreme Zerstörungswut der Gewalttäter, die Brandstiftungen und die massiven Ausschreitungen während des G-20-Treffen hatten in Hamburg ein Ausmaß angenommen, das alle Beteiligten erschrocken hat.

          Mit der Frage „Was macht eine Stadt sicher?“ beschäftigt sich Christina Schori Liang seit mehr als 20 Jahren. An dem Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik (GCSP) forscht und lehrt die Politologin zu den Themen urbane und nationale Sicherheit. An ihrem Kurs „Sicherung globaler Städte“ nehmen regelmäßig Vertreter von Regierungen, Militärakademien, internationale Organisationen oder Nichtregierungsorganisationen teil. Auf dem Lehrplan stehen die Erarbeitung von Risikoanalysen sowie die Entwicklung von städtischen Sicherheitsstrategien. Dabei werden die Auslöser für gewalttätigen Extremismus in Fallstudien und Analysen individuell erörtert, da sie je nach Land, Kultur und Stadt sehr unterschiedlich sind. Häufige Risikofaktoren, die zu der Bildung von gewalttätigen Gruppen führen, sind eine hohe Arbeitslosigkeit oder ein großes Gefälle zwischen Arm und Reich. Auch Ausgrenzung und die Bildung von Enklaven kann zur Entwicklung von gewaltbereiten Gruppierungen führen.

          Interessant ist, dass die Expertin Liang die Entwicklung von sicheren Städten als eine gesellschaftliche Aufgabe betrachtet. Sie verfolgt einen “Bottom-Up“ Ansatz, der die Zivilgesellschaft, Nichtregierungsorganisationen und die Regierung in die Strategieentwicklung mit einschließt. „Wir arbeiten daran, die Zivilgesellschaft zu stärken. Um ein Gemeinschaftsgefühl herzustellen, das gerade in Großstädten oft fehlt“. Im Gespräch hebt sie die wichtige Bedeutung von Familien hervor. „Wir arbeiten eng mit Familien und Eltern zusammen, um ihnen ein Bewusstsein zu vermitteln, wie wichtig es ist, nach den Kindern und Jugendlichen zu schauen und achtsam zu sein, wenn sie sich beispielsweise Online mit gewaltverherrlichendem Material auseinandersetzen“. Aber auch Schulen und Universitäten werden bei ihrer Arbeit an der Entwicklung einer zusammenhaltenden Zivilgesellschaft  mit einbezogen. „Eine widerstandsfähige, tolerante und vertrauensvolle Gesellschaft bildet den Kern einer sicheren Stadt“.

          Wenn man Liang nach einem idealen Modell für eine sichere Stadt fragt, weist sie gen Norden. Die Städte Helsinki, Oslo oder Kopenhagen arbeiten an einem „spannenden Städtemodell“, wie zum Beispiel Kommunikationsnetzwerken, die zwischen Staat und Zivilgesellschaft vermitteln. Denn „wichtig ist es, dass man den Leuten einen Ort gibt, wo sie wissen, dass sie um Rat fragen können und Hilfe bekomme – wo sie gehört werden“.

          Die Stadt Helsinki beispielsweise hat eine Online-Polizei entwickelt, bei der sich die Zivilbevölkerung im Internet informieren kann. Per Live-Chat können Menschen direkt mit der finnischen Polizei kommunizieren. Sie können Fragen stellen, wenn sie sich bedroht fühlen, aber auch, wenn es um Genehmigungen von Demonstrationen geht. Auf der Homepage der finnischen Polizei findet man die Kontaktdaten der einzelnen Polizisten aufgelistet, unter anderem mit ihren Facebook-, Twitter-, Instagram- und Snapchat-Namen. Ihr Anliegen: „weniger einschüchternd in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden und die Bevölkerung zu ermutigen, in Kontakt mit uns zu treten“.

          Diesen Schritt sieht Liang als einen wichtigen Ansatz, um Sicherheit in ein Stadt herzustellen. Denn das Beste, was eine Stadt tun kann, „ist Vertrauen aufzubauen zwischen der Gesellschaft untereinander, aber auch zwischen der Regierung und der Bevölkerung“.

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