https://www.faz.net/-ijb-8zm7v

Nach G-20-Krawallen : Der angeschlagene Bürgermeister Scholz

War er schuld? Bundespräsident Steinmeier (rechts) deutet scheinbar auf Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz Bild: dpa

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz muss eine weitere Niederlage wegstecken. Seine versprochene Sicherheitsgarantie für den G-20-Gipfel konnte nicht greifen. Nun steht er allein da.

          Verschwörungstheoretiker könnten jetzt ihre Freude an dem Gedanken haben, die Bundeskanzlerin habe nur deshalb Hamburg gefragt, ob die Stadt den G-20-Gipfel ausrichten würde, um dem Ersten Bürgermeister, einem ebenbürtigen Gegner, zu schaden. Der Gipfel hat Olaf Scholz (SPD) tatsächlich politisch enorm geschadet. Allerdings nicht so sehr die Tatsache, dass es den Gipfel in Hamburg überhaupt gab, sondern weil Scholz Versprechungen machte, die nicht zu halten waren.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Hamburg richte doch jedes Jahr den Hafengeburtstag mit einem Millionenpublikum aus. Und überhaupt könne er eine Sicherheitsgarantie geben. Was für ein Fehler! Die Verwüstungen durch den sogenannten schwarzen Block, die Schlachten mit der Polizei machen den Gipfel für die geschockten Hamburger unvergesslich. Scholz ist erfahrener Politiker genug, um zu wissen, was die Stunde geschlagen hat. Es war ihm schon während des Gipfels anzusehen. Fort war sein Witz. Mit zusammengepressten Lippen absolvierte er seinen Teil vom „Damenprogramm“ für die Partner der Staatsgäste, eine Führung durch das Rathaus.

          Wie ein ganz schlechter Scherz

          Scholz ist tief getroffen, weil er sich zwar nichts vorgemacht hatte über die Gefährdungen, die so ein Gipfel mit sich bringt, dann aber doch alle Erwartungen übertroffen wurden. „Eine solche kriminelle Energie und Rücksichtslosigkeit der Täter hat es in dieser Stadt noch nicht gegeben.“ Nun sind es nicht freundliche Hamburg-Fotos, die um die Welt gingen. Es sind stattdessen Bilder von einem außer Rand und Band geratenen Mob. Man muss es eingestehen: Das wäre auch mit noch mehr Polizei nicht zu verhindern gewesen. Aber Scholz’ Versprechen an die Hamburger wirkt wie ein ganz schlechter Scherz. Wie muss es ihn schmerzen, dass ausgerechnet ihm vorgeworfen wird, Hamburg den Marodeuren ausgeliefert zu haben. Wie muss es ihn schmerzen, auf Pappschildern sich unhanseatisch geduzt und mit Rücktrittsforderungen konfrontiert zu sehen.

          Seinen Rücktritt fordert mittlerweile auch die CDU. Die Opposition im Hamburger Rathaus rüstet nach den Straßenkrawallen nun zu den politischen Krawallen. Viel schwerer aber wiegt, dass sich Scholz von seinem Bündnispartner, den Grünen, verlassen sieht, die von Anfang an den Gipfel nicht wollten und sich nun eitel bestätigt fühlen. Selbst die eigene Bundesparteiführung sprach vor dem Gipfel indirekt davon, dass Hamburg wohl doch nicht der rechte Ort sei.

          Unser Angebot für Erstwähler
          Unser Angebot für Erstwähler

          Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

          Zum Angebot

          Scholz steht allein. Er tut, was er kann, um das ramponierte Bild aufzubessern. Schon am Freitag – nach der ersten Krawallnacht – sprach er mit der Kanzlerin über Entschädigungen, damit „diejenigen, die Schäden erlitten haben, nicht auf ihren Kosten sitzenbleiben“. Scholz machte aber auch klar: „Verantwortlich für diese Straftaten sind einzig und allein diese Gewalttäter.“ Er fordert hohe Strafen. Er baut darauf, dass einige von ihnen vor Gerichte kommen. Zweimal haben die Hamburger ihrem Bürgermeister schon Niederlagen bereitet, zuletzt die Absage an Olympische Spiele. Scholz, dessen politischen Ambitionen immer auf Großes gingen, wollte aus Hamburg eine Weltstadt machen. Nach G20 ist er auch damit endgültig gescheitert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Handelsabkommen mit Bolsonaro : Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Die Bundesregierung will das Mercosur-Freihandelsabkommens ratifizieren. Frankreich und andere EU-Staaten hatten wegen der Haltung Brasiliens zu den Bränden am Amazonas eine Blockade gefordert. Droht kurz vor dem G-7-Gipfel Streit zwischen Berlin und Paris?
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.