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G-20-Krawalle : Unter schwarzen Kapuzen

Aber auch Krawall-Touristen aus ganz Europa ließen sich schnappen: Italiener (7 Festnahmen/20 in Gewahrsam), Franzosen (8/17), Schweizer (5/4). Außerdem landeten ein paar Griechen, Spanier, Portugiesen, Österreicher, Niederländer, Engländer, Dänen, Schweden und Polen in der Gefangenensammelstelle, die eigens für den Gipfel eingerichtet worden war.

Die Staatsanwaltschaft erklärte am Montag in der „Abschlussbilanz zum G-20-Gipfel“, dass vom Amtsgericht in 52 Fällen Untersuchungshaft angeordnet worden sei. Schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung lauten die Vorwürfe. Bei den Festgenommenen handele es sich überwiegend um Männer unter 30. Gegen einen 27 Jahre alten Deutschen sei Haftbefehl wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr ergangen – er soll am 6. Juli den Piloten eines Polizeihubschraubers mit einem Laserpointer geblendet haben.

Fakt ist aber auch, dass bisher nur ein Bruchteil der Randalierer festgenommen wurde. Vor allem die wirklich „professionellen“ Linksradikalen lassen sich nur selten erwischen. Dafür werden sie zu gut vorbereitet: Die „Interventionistische Linke“ lud vor dem Gipfel zu Vorbereitungstreffen ein, in denen Anwälte der „Roten Hilfe“ explizit erklärten, wie man sich am besten vermummt, dass man auch auf die Schuhe achten, Handys zu Hause lassen und sich vor „zivilen Tatbeobachtern“ hüten solle. Diese Beobachter mischten sich in Zivil unter die Demonstranten, verfolgten Tatverdächtige und ließen sie von „uniformierten Cops“ festnehmen, wie es auf einem Flyer hieß. „Und ich will keinen einzigen Kommentar im Internet lesen, lasst das sein“, wurden die Zuhörer wie Grundschüler ermahnt. Dass die Randale nichts mit Linksradikalen zu tun hatte, wie selbst Leute aus der Roten Flora in Hamburg jetzt behaupten, ist deswegen Unsinn. Die Krawalle waren lange geplant und vorbereitet – Mitläufer hin oder her.

Die linken Kids waren auch deswegen so schwer zu fassen, weil sie immer sofort wegrannten, sobald die Wasserwerfer anrückten. Wenn 50.000 Menschen in einer Stadt demonstrieren, und die Randalierer sich mit ihren kleinen schwarzen Säckchen in bunten Klamotten unter sie mischen, ist es für die Polizei verdammt schwierig, den Überblick zu behalten. Trotzdem wunderte man sich am Samstagabend, wie offensichtlich es manchmal war, wer gleich Steine schmeißen würde. Da waren die Regenjacken oft einfach nur lässig über die Schultern geworfen, die schwarzen T-Shirts baumelten von Gürteln, die Masken wurden als Schal getragen. Warum konnte man diese Leute nicht in Gewahrsam nehmen, bevor sie wieder durchdrehten? Ein Sprecher der Hamburger Polizei sagte dazu: „Man kann jemanden nicht in Gewahrsam nehmen, weil er schwarze Kleidung dabei hat.“ Das könne man nur durch ein entsprechendes Verhalten rechtfertigen. Videoaufnahmen würden jetzt aber ausgewertet.

Freitagabend: Anarchie auf dem Schulterblatt

Die Linksextremen, die aus ganz Deutschland und Teilen von Europa nach Hamburg gereist waren, um ein Wochenende lang „gegen das System“ zu kämpfen, haben sich jetzt in ebendieses System wieder zurückgezogen. Einer FAZ.NET-Videoredakteurin fiel am Freitag, kurz nachdem die „Welcome to hell“-Demo eskaliert war, eine Gruppe auf, die in der Nähe vor einer Kirche saß und sich offensichtlich von der Straßenschlacht erholte. Als sie die jungen Deutschen ansprach, ob sie nicht mal ihre Sicht der Dinge erklären wollten, sagte einer: Nein, er müsse nächste Woche wieder arbeiten und wolle nicht, dass „seine Kunden“ ihn erkennen. Ein anderer zog seine Kapuze aus seinem schwarzen Säckchen, vermummt antwortete er dann. Warum er und seine Freunde sich hinter Masken versteckten? Es seien eben viele Leute dabei, die nicht von ihren Chefs erkannt werden dürften.

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