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G-20-Gipfel : „Trump scheint Putin zu glauben“

Blendend unterhalten? Donald Trump und Wladimir Putin in Hamburg Bild: SPUTNIK/REX/Shutterstock

Die Berlin-Korrespondentin der „New York Times“, Alison Smale, hat Donald Trump in Hamburg beobachtet und findet: Der Gipfel ist für den Präsidenten gut gelaufen. Aber auch Wladimir Putin wirkte sehr zufrieden, sagt sie im FAZ.NET-Gespräch.

          3 Min.

          Frau Smale, Sie haben Donald Trump für die „New York Times“ auf dem Gipfel in Hamburg beobachtet. Kann er ihn als Erfolg verbuchen?

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Er kann ihn zumindest so verkaufen. Von außen betrachtet ist dieser Gipfel für ihn gut gelaufen. Es sind ihm jedenfalls keine groben Patzer unterlaufen wie beim Nato-Gipfel im Mai in Brüssel. Besonders nach seinem Treffen mit Wladimir Putin am Freitag sah Trump in der Elbphilharmonie ziemlich zufrieden aus.

          In den Vereinigten Staaten gibt es Kritik, Trump sei gegenüber Putin zu unterwürfig aufgetreten, auch weil er gesagt hat, es sei eine „Ehre“, Putin zu treffen. Finden Sie das auch problematisch?

          Nein, außerdem sehen das bei weitem nicht alle Amerikaner so. Im Gegenteil, es gibt eigentlich kaum jemanden, der es nicht gut findet, dass die Präsidenten der beiden großen Atommächte endlich persönlich miteinander sprechen. Und offensichtlich haben Trump und Putin in Hamburg eine Art von gegenseitigem Verständnis erreicht. Nach einer Stunde Gespräch wollte seine Frau Melania den Präsidenten daran erinnern, dass er sich auf den Termin in der Elbphilharmonie vorbereiten soll. Aber die First Lady wurde wieder weggeschickt und die beiden haben noch 40 Minuten bis eine Stunde weiter geredet. Die beiden haben sich offensichtlich ganz gut verstanden. Und die Lage ist jetzt definitiv besser als vor dem Treffen, als keiner der beiden Präsidenten wusste, wie der andere eigentlich tickt.

          Trumps Kritiker unterstellen ihm aber ja gerade eine zu große Nähe zu Russland. Was bedeutet das Treffen mit Putin bezüglich der Affäre um eine angebliche russische Einmischung in den Wahlkampf?

          Das kann man jetzt noch nicht sagen, weil nicht klar ist, worüber die beiden genau gesprochen haben. Aber ich habe Putin am Samstagnachmittag bei seiner Pressekonferenz zugehört, und es war auffällig, dass auch er sehr zufrieden über das Treffen mit Trump war. Putin hat es offensichtlich sehr sorgfältig vorbereitet. Und Trump scheint die Version von Putin zu glauben, dass es keine russische Einmischung in den amerikanischen Wahlkampf gegeben hat. Das wird Putin als Punkt für sich verbuchen.

          Aber glaubt es auch die amerikanische Öffentlichkeit?

          Das wird davon abhängen, wie viele Details aus dem Gespräch in den nächsten Wochen öffentlich werden, bei dem nur die beiden Präsidenten, beide Außenminister und zwei Übersetzer anwesend waren. Dass die Russland-Affäre mit diesem Treffen in Hamburg erledigt ist, glaube ich aber nicht. Die Untersuchungen im Kongress und durch den Sonderermittler Mueller gehen unabhängig von dem Gespräch in Hamburg weiter.

          War Trump auf das Treffen mit Putin gut vorbereitet? Über ihn heißt es ja immer, er höre nicht zu, sei sprunghaft, handle irrational.

          Was ich aus dem Weißen Haus höre ist, dass dieser Gipfel von der amerikanischen Regierung ebenso sorgfältig vorbereitet wurde wie im Kreml. Und dass man im Vorfeld sehr genau darüber nachgedacht hat, welche Botschaft man aussenden will, nicht nur in Hamburg, sondern auch in Polen. Dort hat Trump die Gültigkeit des Artikels 5 des Natovertrags, den Beistandspakt, betont – das war offensichtlich ein Signal, das einem Teil seiner Berater wichtig war, die keine neuen internationalen Verstimmungen produzieren wollten. Und anscheinend hat er dieses Mal auf sie gehört.

          Kontaktaufnahme: Putin mit Trump-Gattin, First Lady Melania
          Kontaktaufnahme: Putin mit Trump-Gattin, First Lady Melania : Bild: EPA

          Trotzdem wirkte Trump während des Gipfels in Hamburg zeitweise isoliert – nicht nur inhaltlich, sondern auch symbolisch beim Gruppenfoto, bei dem er abseits am Rand stand. Täuscht der Eindruck?

          Ich weiß nicht, ob das mit dem Gruppenfoto wirklich Absicht war. Sicher ist aber, dass man in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg daran gewöhnt war, dass die Amerikaner in der internationalen Politik eine dominierende Rolle spielen. Das hat sich immer auch bei Gipfeln wie diesem gezeigt. Trump praktiziert jetzt aber eine ganz neue Politik, die die bisherige liberale Weltordnung auf den Kopf stellt – vielleicht drückt sich diese neue Normalität auch in solchen Dingen wie der Ordnung auf einem Gruppenfoto aus.

          Beim Nato-Gipfel im Mai in Brüssel hat sich Trump noch rüde nach vorn gedrängelt, in Hamburg wirkte er deutlich zahmer. Ist er auf der internationalen Bühne angekommen?

          Auf eine gewisse Weise schon, nach seinen ersten Auslandsreisen weiß man jetzt, wie er auf dem internationalen Parkett auftritt und für welche Themen er sich einsetzt. Nehmen Sie zum Beispiel den Freihandel: Das ist ein Thema, das Trump als Geschäftsmann seit Jahrzehnten anprangert. Er hat schon immer multilaterale Vereinbarungen kritisiert und eine klare Präferenz für bilaterale Abkommen gehabt. Das hat sich in Hamburg fortgesetzt. Nach seinem Treffen mit Theresa May hat er angekündigt, dass Amerika und Großbritannien nach dem Brexit sehr schnell eine gutes Abkommen schließen können – obwohl er noch gar nicht wissen kann, wie der Brexit überhaupt kommt. Aber so ist Donald Trump, daran muss man sich gewöhnen.

          Im Abschlusskommuniqué ist das klare Bekenntnis zum Freihandel aufgeweicht, indem „legitime Maßnahmen“ zur Verteidigung des Handels anerkannt werden. Ist das ein Sieg für Trump?

          Das ist eher ein Zeichen dafür, dass die G 20 zusammenhalten wollen und sich deshalb am Ende auf einen Minimalkonsens geeinigt haben. Es ist nicht so, dass es bei allen Fragen 19+1 war. Die Vereinigten Staaten waren bei der Terrorbekämpfung im Konsens dabei und auch bei den Frauenrechten, und selbst beim Freihandel ist es nicht klar, ob sie wirklich so isoliert sind, wie manche jetzt sagen. Man wird das in den nächsten Wochen viel differenzierter analysieren müssen als bisher.

          Donald Trump ist international also gar nicht so isoliert, wie es immer heißt?

          Das habe ich nicht gesagt. Es ist aber nicht immer nur die amerikanische Delegation, die dauernd Schwierigkeiten macht. Es gibt auch genügend andere.

          Alison Smale ist Büroleiterin der „New York Times“ in Berlin.

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